Andacht

Advent – und alles so wie immer?

Stadtdechant Michael Mohr möchte im Advent darauf einstimmen, respektvoller miteinander umzugehen.
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Stadtdechant Michael Mohr möchte im Advent darauf einstimmen, respektvoller miteinander umzugehen.

Theologen laden im ST zur Andacht ein – heute Stadtdechant Michael Mohr.

Liebe Leserinnen und Leser,

wenn ich aus dem Fenster in Richtung Clemens-Galerien schaue, dann sehe ich ein Lichtermeer. Ich höre den adventlichen Markt und natürlich rieche ich auch die adventlichen Leckereien. Alles wie immer. . . Und schon ist eine Woche im Advent vergangen.

Aber ist alles so wie immer? Natürlich ist immer noch Krieg in der Ukraine, und die Not auch in unserer Stadt wird spürbar größer: Die Menschen, die nicht wissen, wie sie die Kosten für Energie und Nahrung, also einfach die Kosten um zu leben, noch schultern können, wird größer. Und so werden auch die Fragen und die Bitten an die verschiedenen karitativen Einrichtungen mehr. Und wir wollen helfen und wir helfen da, wo es geht. Das galt nach der großen Flut, wo allein aus einer Pfarrei ein sechsstelliger Betrag schnell und relativ unbürokratisch als Soforthilfe an schwer Betroffene gegeben wurde, und das gilt in diesen Zeiten genauso. Und trotzdem ist noch etwas (scheinbar) anders: Der Ton, von dem man sagt, dass er die Musik macht. Da ist das anonyme Schreiben, in dem mir fast befohlen wird, mich zu kümmern und auf keinen Fall Behörden einzuschalten. Da sind die Bittsteller, die sich weigern, mit jemandem zu reden, der nicht Deutsch als Muttersprache hat. Da sind diejenigen, die dutzendmal anrufen und ein „Nein“ nicht hören wollen. Da sind die, die zum kostenlosen Mittagessen eingeladen sind und die Gastgeber scheinbar mit Dienern verwechseln.

Michael Mohr ist Leitender Pfarrer für die Pfarreien St. Clemens und St. Johannes der Täufer und seit 2017 als Solinger Stadtdechant tätig.

Und natürlich gibt es auch die, deren Herz hart geworden ist und die immer und ständig abweisend sind. Diejenigen, die Not nicht wahrhaben wollen oder die sogar meinen, die Bittsteller seien selbst schuld an ihrer Situation. Vielleicht können Sie aus eigenem Erleben noch Beispiele dazu legen?

Natürlich ist nicht alles entweder schwarz oder weiß, entweder gut oder böse. Aber ich habe die Sorge, dass diejenigen, die Hilfe am Nötigsten haben, in einer solchen Stimmung zu oft zu kurz kommen oder sogar ganz übersehen werden.

Am kommenden Sonntag hören wir in den katholischen Kirchen von Johannes dem Täufer. Wenn man sich ihn bildlich vorstellt, der sich in die Wüste zurückgezogen hat und sich nur von Heuschrecken und wildem Honig ernährt hat, dann muss man sich einen ziemlich abgerissenen, ungepflegten Mann vorstellen. Den man vielleicht heutzutage einfach übersehen würde. Oder übersehen wollte. Und doch hat dieser abgerissene Mann mit einer Wirkmacht gepredigt, dass die Leute von ganz Jerusalem erstaunt waren. Das war keine Lobpredigt, sondern er hat ihnen sehr deutlich ins Gewissen geredet: Kehrt um! Richtet euch neu aus! Denkt darüber nach, wie ihr euch verhaltet!

Ich möchte in diesen Adventstagen da einstimmen – und mir selbst und Ihnen allen zurufen: Kehren wir um, denken wir darüber nach, wie wir anderen begegnen. Wie wir mit ihrer Not umgehen. Wie wir mit anderen umgehen, wenn wir selbst um etwas bitten!

Hilfe tut not in diesem Winter, das ist hoffentlich uns allen klar. Stellen Sie sich vor, wie schön es wäre, wenn es gelingt, diese Hilfe im gegenseitigen Respekt und Miteinander zu erbitten und zu erbringen! Dann kann Weihnachten werden, dann haben wir Jesus Christus wirklich einen Platz in unserer Mitte vorbereitet.

Ihr Pfarrer Michael Mohr

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