Verkehr

ADFC drängt auf Maßnahmen für den Radverkehr

Am Graf-Wilhelm-Platz sieht Verkehrsplaner Carsten Knoch vereinzelt Probleme, die Abstandsregeln einzuhalten. Archivfoto: Christian Beier
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Am Graf-Wilhelm-Platz sieht Verkehrsplaner Carsten Knoch vereinzelt Probleme, die Abstandsregeln einzuhalten.

Gemeinsame Fahrspuren für Autos und Radfahrer sind für die Stadt während der Coronazeit keine Option.

Von Kristin Dowe

Solingen. Die Abstandsregeln müssen während der Corona-Krise auch von Radfahrern im Straßenverkehr eingehalten werden, was in manchen Städten in NRW zuweilen zu Problemen führt. Deshalb ergreift beispielsweise die Stadt Köln besondere Maßnahmen, indem sie Autospuren auch für Radfahrer freigeben und hierzu eine Genehmigung beim NRW-Verkehrsministerium einholen will. Wäre dies auch eine Lösung für Solingen?

„Das Problem stellt sich in Solingen für den Radverkehr eher nicht.“

Carsten Knoch,Verkehrsplaner

Diese Möglichkeit hält Carsten Knoch, Leiter der Abteilung Mobilität und generelle Planung bei der Stadt Solingen, für die Klingenstadt eher für unwahrscheinlich: „Das Problem stellt sich so für den Radverkehr in Solingen eher nicht“, sagt der Stadtplaner. „Für Fußgänger kann es vor den Geschäften am Graf-Wilhelm-Platz schon mal eng werden, da sich dort auch die Bushaltestellen befinden. Aufgrund der Haltestellensituation gibt es aber keine Möglichkeiten, Fahrspuren abzutrennen.“ Als Fuß- und Radweg sei außerdem die Korkenziehertrasse eine wichtige Verkehrsachse, auf der das Miteinander insgesamt gut funktioniere.

Gedanken hat man sich aber auch in Solingen über die coronabedingten Abstandsregeln im Straßenverkehr gemacht. So prüfe die Stadtverwaltung derzeit noch, ob sogenannte „Pop-up-Radwege“ in Solingen eingesetzt werden könnten, doch auch dafür seien die Möglichkeiten begrenzt: „Erste Analysen zeigen, dass es kaum Möglichkeiten zur technischen Umsetzung gibt“, heißt es dazu aus der Pressestelle der Stadt. Denn 90 Prozent des Solinger Netzes bestehe aus zweispurigen Straßen, so dass dort keine Spur anders genutzt werden könne. Zudem sei der Radverkehr in Solingen vergleichsweise deutlich geringer als in den benachbarten Rhein-Metropolen.

Durchaus Handlungsbedarf für den Radverkehr insbesondere im Hinblick auf Schüler sieht man dagegen beim ADFC Wuppertal Solingen: „Ein Teil des zusätzlichen Radverkehrs in Coronazeiten findet in Ermangelung einer sicheren Fahrradinfrastruktur auf den Gehwegen statt, was nicht erlaubt ist“, kritisiert der Verein. Dies gefährde Fußgänger und führe bei Benutzung des Gehweges zu geringeren Abständen als zwei Meter. Das Problem werde durch Parksünder noch verschärft.

„Für ausgewählte Strecken, insbesondere, die hin zu Schulen führen, fordern wir die temporäre Einrichtung von vom Autoverkehr getrennten Fahrradwegen, beispielsweise mittels Baken“, regt der ADFC in einer Mitteilung an. Diese Maßnahme sei etwa besonders auf der Beethovenstraße, Merscheider Straße, Bebelstraße und Bonner Straße geboten. Immerhin sei davon auszugehen, dass im Zuge der Pandemie deutlich mehr Kinder und Jugendliche für den Schulweg aufs Rad umsteigen, um überfüllte Schulbusse zu vermeiden.

Weiterhin schlägt der ADFC vor, temporäre Fahrradstraßen in 30er-Zonen einzurichten, die zwar auch für Autofahrer freigegeben wären, „aber nur als Gast“. „Schneller als 30 darf in Fahrradstraßen nicht gefahren werden und Radfahrer bestimmen das Tempo“, heißt es weiter. Dann würden sich „Radfahrer in Solingen von der Politik endlich einmal ernstgenommen fühlen“.

Abstand halten nicht immer möglich: Durch die Breite von 2,5 Metern ist allein beim Vorbeigehen oder Überholen auf der Korkenziehertrasse der Abstand geringer. 

Beim Umbau von Kreuzungen werde in Solingen oft erst zuletzt an die Fahrradfahrer gedacht. Aktuelles Beispiel ist nach Auffassung des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) der Knoten Mangenberger / Untengönrather Straße.

Standpunkt: Rücksichtnahme gefragt

Von Kristin Dowe

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kristin.dowe@ solinger-tageblatt.de

m Großen und Ganzen liegt man bei der Stadt mit der Einschätzung richtig, dass der Radverkehr angesichts der topografischen Lage Solingens wohl deutlich geringer ausgeprägt ist als in Köln oder Düsseldorf. Das macht das Abstandhalten zwischen Radfahrern und Fußgängern untereinander immerhin einfacher. Ganz so unbedenklich ist die Situation in Zeiten der Pandemie aber dennoch nicht, wie etwa an der zurzeit oft hochfrequentierten Korkenziehertrasse deutlich wird. Die wichtige Verkehrsader wird von beiden Gruppen während der Coronazeit noch intensiver genutzt als sonst. 

Auch muss die Stadt jetzt in besonderer Weise den Schutz von Schülern gewährleisten, die jetzt häufiger ihren Schulweg mit dem Fahrrad bestreiten, anstatt sich dem Risiko eines überfüllten Schulbusses auszusetzen. Auf diesen Aspekt weist der ADFC zu Recht hin. Auch Autofahrer sind mehr denn je gefordert, sich in Rücksichtnahme für die verletzlichste Gruppe der Verkehrsteilnehmer zu üben. Das gilt übrigens nicht nur während der Coronazeit, sondern sollte der Normalzustand sein. Ideal und Wirklichkeit liegen dabei auch in Solingen noch auseinander.

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