Corona-Krise

Acrylgas-Scheibe schützt Taxifahrer und Gäste

Detlef Hecker (r. mit seinem Fahrer Erdal Can) hat eine Acrylgas-Scheibe zum Schutz von Fahrer und Fahrgästen eingebaut und hat für die Bezahlung ein Körbchen und Desinfektionsmittel an Bord. Foto: Christian Beier
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Detlef Hecker (r. mit seinem Fahrer Erdal Can) hat eine Acrylgas-Scheibe zum Schutz von Fahrer und Fahrgästen eingebaut und hat für die Bezahlung ein Körbchen und Desinfektionsmittel an Bord.

Detlef Hecker hat seinen Wagen umgerüstet. Die Unternehmen haben wegen der Krise derzeit hohe Einbußen.

Von Simone Theyßen-Speich

Vor 32 Jahren hat Detlef Hecker als Taxifahrer angefangen. Mittlerweile steuert Fahrer Erdal Can sein Taxi, Hecker hat sich parallel einen Kurierdienst aufgebaut. „An solch eine kritische Situation kann ich mich aber nicht erinnern“, blickt der Ohligser zurück. Der Umsatz bei den Taxifahrten sei durch die Corona-Krise um 90 Prozent zurückgegangen. Nur noch etwa zwei Touren pro Tag fährt Erdal Can derzeit.

Deswegen hat Detlef Hecker jetzt reagiert. Um die Fahrgäste, aber auch den Taxifahrer vor einer Ansteckung mit dem Virus Sars-CoV-2 zu schützen, hat er den Fahrerraum von der Rückbank durch eine Acrylglas-Scheibe getrennt. „Ich habe aus Sicherheitsgründen kein Glas, sondern flexibles Material genommen. Das ist zudem abwaschbar und leicht zu desinfizieren“, erklärt Hecker. Er habe schon von diversen Kollegen gehört, die Frischhaltefolie verwendet hätten, aber die Lösung mit dem flexiblen Acrylglas erscheine ihm besser. „Allerdings ist es derzeit nicht einfach, das Material zu bekommen“, so Hecker. Das Solinger Unternehmen Fischer habe ihm aber eine passende Scheibe besorgen können. Die Sicherheit der Fahrgäste sei ihm die Investition wert.

90 Prozent Rückgang bei den Fahrten und damit auch bei den Einnahmen, die hat auch Taxifahrer Ferhat Alkan zu beklagen. „Am Freitag hatte ich bis zum späten Nachmittag gerade mal 30 Euro eingenommen“, schildert er. In normalen Zeiten habe er zwischen zehn und 15 Touren pro Tag. Er hofft jetzt auf die versprochene Unterstützung des Bundes in Höhe von 9000 Euro für drei Monate. „Aber die Anträge dafür habe ich im Internet noch nicht gefunden.“

Mundschutzmasken für die Fahrt zum Flughafen

Auch über das Ansteckungsrisiko hat sich Ferhat Alkan Gedanken gemacht. „Ich habe aber keine Folie oder Ähnliches gespannt, weil ich glaube, dass das die Fahrgäste eher verschreckt. Sie denken dann vielleicht, der Fahrer sei bereits infiziert.“

Alkan hat allerdings Mundschutzmasken dabei, wenn er Fahrgäste vom Flughafen abholt. „Schließlich muss ich ja auch die Koffer beim Einladen anfassen, da verwende ich teilweise auch Einmalhandschuhe.“ Einen hundertprozentigen Schutz für den Fahrer gebe es nicht.

Das sieht auch Peter Gasper, Inhaber des Taxiunternehmens Schwarte, so. Natürlich seien alle bemüht, den Abstand so gut es geht einzuhalten. Derzeit werden auch maximal zwei Personen auf der Rückbank befördert. „Wenn jemand versuchen möchte, sich zu schützen, sollte er am besten einen Mundschutz tragen“, rät Gasper.

Aber viele Fahrten hat auch Taxi Schwarte derzeit nicht. „Auch bei uns sind Fahrten und Einnahmen um etwa 90 Prozent zurückgegangen“, zieht Peter Gasper Bilanz der ersten Woche mit Ausgangsbeschränkungen. Es fahre kaum noch jemand zum Arzt, zum Bahnhof oder zum Flughafen. „Und seit die Kneipen zu haben, werden dort abends auch keine Wagen mehr gebraucht.“ Mittlerweile seien seine Fahrer fast nur noch auf Vorbestellung unterwegs.

Normalerweise hat Taxi Schwarte 20 Autos in der Stadt unterwegs. „Jetzt haben wir mehr als die Hälfte der Wagen abgemeldet, weil es sich einfach nicht lohnt.“

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