Jubiläum mit über 400 Mitarbeiterm

Erst Kronprinz, jetzt Accuride: Seit 125 Jahren in Solingen

Bei den Feierlichkeiten zum 125-jährigen Bestehen des Betriebs führte Geschäftsführer Markus Ley (3. v. r.) unter anderen (neben ihm v. r.) OB Tim Kurzbach, Wirtschaftsförderer Frank Balkenhol und Marko Röhrig (IG Metall) durch die Produktion.
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Bei den Feierlichkeiten zum 125-jährigen Bestehen des Betriebs führte Geschäftsführer Markus Ley (3. v. r.) unter anderen (neben ihm v. r.) OB Tim Kurzbach, Wirtschaftsförderer Frank Balkenhol und Marko Röhrig (IG Metall) durch die Produktion.

Am Solinger Standort an der Weyerstraße werden seit 125 Jahren Felgen produziert. Wie es dem Unternehmen aktuell geht und was sich der Chef wünscht.

Von Andreas Römer

Solingen. Genauso alt wie die Müngstener Brücke: Auch wenn einige in Solingen von Accuride noch nie etwas gehört haben dürften, steckt dahinter ein Traditionsunternehmen. Als Kronprinz AG vor 125 Jahren gegründet, werden am Standort an der Weyerstraße seitdem in erster Linie Felgen produziert. Seit 2018 gehört das Unternehmen zum amerikanischen Accuride-Konzern.

Am Samstag feierte der Betrieb 125. Geburtstag. Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) gratulierte vor Ort im Namen der Stadt und machte eine Besichtigungstour, an der auch Wirtschaftsförderer Frank Balkenhol und Marko Röhrig (IG Metall) teilnahmen.

Im Werk arbeiten die Mitarbeiter normalerweise in drei Schichten. Am Geburtstag wurde nicht produziert, die Besucher konnten anhand von ausgestellten Stücken die Arbeitsschritte erahnen, die aus einem langen Stück eine Felge werden lassen.

Zwei Millionen Felgen pro Jahr

Rund zwei Millionen davon werden hier im Jahr produziert. Nur noch für Lkw: Die Pkw-Felgen werden von einem anderen Konzernwerk in Frankreich hergestellt. „Das ist für uns einfacher und für den Konzern wirtschaftlicher“, sagt Geschäftsführer Markus Ley. Es sind trotzdem noch rund 150 verschiedene Felgen von 16 bis 24 Zoll, die produziert werden – für so gut wie jeden Lkw- oder Bushersteller.

Trotz Energiekrise sieht Ley den Betrieb gut und zukunftssicher aufgestellt. „Wir verfügen über eine tolle Mannschaft und unser Produkt ist sehr gefragt.“ Man arbeite auf einem sehr hohen Niveau, Reklamationen gebe es so gut wie nie. „Da liegen wir vielleicht bei 50 auf eine Million produzierter Felgen“, sagt er nicht ohne Stolz.

Allerdings macht ihm der kräftige Anstieg bei den Energiepreisen Kopfschmerzen. Gas braucht man für die Herstellung der eigenen Werkzeuge, Strom für den in vielen Bereichen automatisierten Betrieb durch Roboter.

Man hat schon fast in allen Bereichen auf energiesparende LED-Leuchten anstelle von alten Dampflampen umgestellt. „Das bringt schon einiges“, ist Ley überzeugt. Aber das reiche natürlich noch nicht. Man sei an vielen Projekten dran, die den Energieverbrauch in den nächsten fünf Jahren deutlich senken sollen.

Energiekrise: Aus Lack-Dämpfen soll Strom werden

Da wäre zum Beispiel eine Anlage, die die Dämpfe der Lackiererei absaugt, verbrennen und dabei Strom erzeugen kann. Noch Zukunftsmusik, aber wie der Geschäftsführer erzählt nur eine von vielen Ideen, die man in dieser Richtung habe. „Wir beginnen einige Sachen umzusetzen, die wir schon länger in der Schublade hatten, die sich aber früher nicht gerechnet haben. Jetzt sind sie attraktiv und wirtschaftlich sinnvoll.“

Personal wird dringend gesucht

Überhaupt geht es in den letzten zwei Jahren wieder aufwärts. Die Delle mit Personalabbau aus den Jahren zuvor ist längst wieder aufgeholt. Heute arbeiten rund 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Verwaltung und rund 330 in der Produktion. „Und wir suchen dringend Verstärkung“, sagt Personalchefin Stephanie Voß. Vor allem Werkzeugmacher, Elektriker und Maschinenführer werden gebraucht. Seit dem letzten Jahr wird auch wieder ausgebildet, was man zuvor einmal gestoppt hatte.

Großer Wunsch: ein neues Dach - vielleicht mit Photovoltaik

Und einen Wunsch zum 125. Geburtstag hat Ley auch: „Ich hätte gern ein neues Dach.“ Die Werkshalle ist in die Jahre gekommen, es tropft an diesem regnerischen Samstag an manchen Stellen. Wenn man da dann schon mal dran sei, könne man auch direkt über eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach nachdenken. Bei 60.000 Quadratmetern Halle wäre das schon ein ganz schöner Stromerzeuger. Noch ein Zukunftsprojekt.

Doch am Samstag wurde erst einmal gefeiert. Mitarbeiter brachten ihre Familien mit, Ehemalige besuchten noch einmal ihren alten Betrieb und niemand ließ sich die Laune vom Regen verderben. Mehr als 1000 Gäste feierten einen Traditionsbetrieb mit Zukunft.

Geschichte

1897 gründete der Solinger Rudolf Kronenberg gemeinsam mit dem Sauerländer Karl Prinz die Kronprinz Aktiengesellschaft für Fahrradteile. In Ohligs wurden Felgen für Fahrräder nach patentierten Verfahren aus Bandeisen gemacht.

Schon 1903 ließen sich die Gründer ein Pkw-Stahlrad mit abnehmbarer Felge patentieren.

In den 1930er Jahren stieg der Mannesmann-Konzern ein. Ende der 1990er Jahre übernahm der französische Reifenhersteller Michelin den Betrieb, 2005 dann Mefro Wheels. Accuride kaufte Mefro Wheels 2018.

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