Beliebte Veranstaltungsreihe

Abschied von der Solinger Stadtphilosophin

Mit dem letzten Philosophie-Café endet eine Ära. Uta D. Rose wird aber weiterhin Vorträge an der Volkshochschule halten. F oto: Andreas Horn
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Mit dem letzten Philosophie-Café endet eine Ära. Uta D. Rose wird aber weiterhin Vorträge an der Volkshochschule halten.

Nach ihrem letzten Philosophie-Café will sich Uta D. Rose weiterhin in das Stadtgeschehen einmischen.

Von Andreas Erdmann

Solingen. Mit dem letzten Philosophie-Café in der Solinger Stadtbibliothek ging eine 21-jährige Ära zu Ende. Seit dem Jahr 2000 hatte die Philosophin und Politikwissenschaftlerin Dr. phil. Uta D. Rose die beliebte Veranstaltungsreihe von Stadtbibliothek und Volkshochschule (VHS) geleitet. Zum Ende des Jahres tritt sie nun in den Ruhestand.

„In 132 Veranstaltungen wurde das Philosophie-Café zu einer festen Institution in unserer Stadt und Uta Rose zu unserer Stadt-Philosophin“, betonte Kulturdezernentin Dagmar Becker in ihrer Rede zur Verabschiedung, in der sie die Geschichte der Veranstaltungsreihe noch einmal Revue passieren ließ. „Als die Bibliothek in das neue Gebäude an der Mummstraße zog, wollte man die Innenstadt am neuen Standort neu beleben. Damals entwickelte Uta Rose die Idee, mit einem Philosophie-Café als einer offenen Vortrags- und Diskussionsrunde dazu einen Beitrag zu leisten.“

Im Lauf der Zeit gab es eine große Bandbreite an Themen aus der klassischen Philosophie wie Freiheit und Freundschaft, Gerechtigkeit oder Menschenwürde, aber auch solche aus der angewandten Ethik wie Gentechnik, selbst bestimmtes Sterben und Trauerkultur oder die Corona-Krise.

Beim Thema „Verlernen wir das Schenken?“ gab es eine Liveschaltung zur TV-Sendung WDR-Lokalzeit, und die Ausführungen zu „Was ist Heimat?“ fanden 2017 Resonanz in der Schweiz. „Die Veranstaltungen waren ausnahmslos gut besucht. Zweimal sogar, zu den Diskussionsrunden ,Buddhismus‘ und ,Seele‘ kamen jeweils mehr als 100 Gäste“. Auch VHS-Fachbereichsleiter Dr. Heinz-Werner Würzler und Bibliotheksleiterin Heike Pflugner sprachen der Philosophin ihren Dank aus und lobten die gute Zusammenarbeit.

Das war auch ein Thema: Warum wir Geschenke hübsch verpacken

Streitkultur will geübt sein.

Uta D. Rose, Philosophin

„Wir alle gemeinsam haben in den 21 Jahren so vieles dazugelernt im Umgang mit anderen Kulturen, Religionen, Krankheiten, Denkweisen oder sexuellen Orientierungen – und dies im intensiven Austausch miteinander“, resümierte Uta Rose. Dabei verstehe sie Philosophieren als „grundsätzliches Einüben und Aufrechterhalten von Gesprächskultur“. Dazu gehöre auch streiten: „Streitkultur will geübt sein.“

Um Gerüchten entgegenzuwirken: „Die Stadt hat das Angebot nicht etwa gestrichen, sondern ich höre auf zu einem Zeitpunkt, da ich es noch kann. Man sollte nicht aufhören, weil man nicht mehr kann“ sagte Rose. Dabei werde sie sich künftig auch weiterhin als Philosophin in Debatten und Diskussionen zum Stadt- und Weltgeschehen einbringen. „Ich werde auch weiter Einzelvorträge in der VHS halten.“

Das Thema des letzten Philosophie-Cafés war brandaktuell. „Die Meinung der Anderen– oder wie hältst du es mit dem Andersdenkenden?“, war die Ausgangsfrage, über die Uta D. Rose mit den Besuchern ins Gespräch kam. „Menschen rücken voneinander ab, weil sie andere Ansichten vertreten“, erklärte sie die Problematik am Beispiel der derzeitigen Auseinandersetzung zwischen Geimpften und Querdenkern oder Impfgegnern. Eilfertig spreche man schon von der „Spaltung der Gesellschaft“, wenn es verschiedene Auffassungen zu Themen wie Impfen oder Migration gebe.

Grundsätzlich gelte es, zwischen Wissen und Meinung zu unterscheiden. Wissen gehe – nach Platon – auf feste Werte und Erfahrung zurück, Meinung sei mit dem „Dogma“ verwandt und kennzeichnet „das, was allgemein als richtig erschienen ist“. Der Vertreter einer Ansicht solle sich fragen: „Wie habe ich mich kundig gemacht, oder rede ich nur etwas nach?“ Warum aber ist es so schwierig, eine unterschiedliche Meinung anzuhören und sie zuzulassen? Das Schlüsselwort sei „Toleranz“. „Geduld und eine einfühlsame Haltung“ dem Andersdenkenden gegenüber ermöglicht erst eine konstruktive Auseinandersetzung.

Zur Person

Uta D. Rose ist geboren in Düsseldorf. Sie studierte Philosophie, Pädagogik und Politikwissenschaft an der Bergischen Universität Wuppertal. Dort promovierte sie mit einer Arbeit zum politischen Handeln im Denken von Hannah Arendt. Sie ist überwiegend als freie Philosophin tätig. Dies zum einen als Referentin in akademischen wie außerakademischen Bereichen – darüber hinaus führt sie eine philosophische Praxis.

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