Interview

Kandidat der FBU: „Ich bin ein demokratischer Protestmensch“

Arnold Falkowski ist Oberbürgermeister-Kandidat der FBU.
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Arnold Falkowski ist Oberbürgermeister-Kandidat der FBU.

Arnold Falkowski, Oberbürgermeister-Kandidat der FBU, spricht über Dialog mit den Bürgern und das Hallenbad

Von Andreas Tews

Herr Falkowski, die Freie Bürger-Union ist eine eher kleine Kraft in der Solinger Politik. Was tun Sie, um von den Wählern wahrgenommen zu werden?

Die Kommunalwahl 2020

Arnold Falkowski: Die FBU ist eine Protestbürgervereinigung, in die Bürger mit eigenen Themen und Erfahrungen kommen. So auch ich. Ich bin gut vernetzt in dieser Stadt. Durch meine ehrenamtliche Arbeit gehören zu meiner Klientel 40 000 Menschen über 65 und 25 000 Menschen mit Behinderung, zu denen ich einen sehr guten Draht habe. Auch Menschen mit Migrationshintergrund, die ich versuche zu integrieren, gehören dazu. All das sind Menschen, die ich erreiche. Ich mache keine große Werbung. Mir ist das persönliche Gespräch wichtig. So kann ich den Menschen erklären, was ich will.

Sie sehen sich nicht als Politiker. Was hat Sie dennoch zur Oberbürgermeister-Kandidatur für die FBU bewogen?

Falkowski: Ich bin ein demokratischer Protestmensch, der die Menschen mitnimmt. Ich möchte den Menschen, die mit den führenden politischen Parteien im Rat nicht zufrieden sind, als Kandidat eine demokratische Stimme geben. Ich möchte eine wirklich mitnehmende Gesellschaft haben, und da muss ich alle einbinden. Denn die Protestler haben recht. Vor den Wahlen versprechen die Parteien viel – wie zum Beispiel vor Jahren beim Hallenbad. Und das ist nicht immer konform mit dem, was sie nach der Wahl tun. Das enttäuscht viele Menschen.

Wie wollen Sie diese Menschen einbinden?

Falkowski: Einfach mit ihnen vernünftig sprechen. Ich will denjenigen, die hier verwurzelt sind, eine Perspektive geben. Und diejenigen, die hinzukommen, müssen wir integrieren. Wenn uns das nicht gelingt, entstehen Parallelgesellschaften. Das müssen wir ändern, um den radikalen Kräften nicht das Feld zu überlassen. Diese Menschen müssen eingebunden werden. Wenn wir das machen, was Solingen früher ausgemacht hat, dann sind wir wieder in der Ersten Liga.

Sie meinen im Bereich der Wirtschaft?

Falkowski: Ja. Wir hatten früher den Kottenschleifer, der wohnte neben seinem Kotten. In der heutigen Zeit müssen wir ähnlich verfahren. Das erste wäre, Arbeitsplätze mitten im Wohnraum zu schaffen. Dreigeschossige Bauweise: Ich habe im Keller eine Tiefgarage, im Parterre habe ich einen Arbeitsraum – im digitalen Zeitalter ohne Emissionen und Geräusche – und oben habe ich einen Wohnraum für die Mitarbeiter und darüber auf dem Flachdach grüne Oasen. Der Mensch muss dann nicht mehr zur Arbeit pendeln. Das spart viel Zeit und ist gut für die Umwelt. Wichtig ist mir dabei auch ein Mehrgenerationen-Wohnen.

Das sind sehr löbliche Ziele. Dafür braucht man aber auch Geld.

Falkowski: Sehen Sie, in den vergangenen Jahren sind 450 Gewerbetreibende aus Solingen abgewandert. Niemand hat versucht, sie einzubinden. Die haben Millionen an Steuern in Solingen bezahlt. Wir müssen Flächen mit neuen Arbeitsplätzen und Neugründern gute Startmöglichkeiten bieten.

Beim Thema Verkehr spricht sich die FBU für mehr Kreisverkehre aus. Sind die das Allheilmittel?

Falkowski: Sie sind nicht das Allheilmittel, aber ein Mittel, das hilft, Staus zu vermeiden. Und wir brauchen eine Grüne Welle. Außerdem sind viele Straßen zugeparkt, weil die Menschen so viele Autos brauchen, um zur Arbeit zu kommen. Ökologisch und ökonomisch ist das unmöglich. Das müssen wir ändern. Außerdem fehlt Solingen die Anbindung an die Autobahn.

Sie kritisieren die Ausstattung des neuen Hallenbades. Was wollen Sie ändern?

Falkowski: Wenn ich Oberbürgermeister werde, kommt das Therapiebecken, das erst versprochen wurde und dann mit der Begründung, es ist kein Geld da, doch nicht gebaut wurde. Am liebsten würde ich das Amt des Oberbürgermeisters ehrenamtlich machen und mit dem für die Stadt gesparten Gehalt das Becken bauen. Ich weiß, wie notwendig dieses Becken für viele Menschen in dieser Stadt ist. Ich muss gerade die älteren Menschen durch solche Angebote mobil machen, damit sie selbstständig bleiben können. Wir geben 15 Millionen im Jahr für die Altenheime aus. Diese Ausgaben wären in diesem Umfang dann nicht mehr nötig. Ich bin für ein Bad mit Therapiebecken, Solebecken, einer Sauna, einer Sonnenterrasse und einer Cafeteria mit behindertengerechten Arbeitsplätzen.

Wo soll das Geld hierfür herkommen?

Falkowski: Die 15 Millionen für die Altenheime habe ich ja schon erwähnt. Auch gibt es Zuschüsse für Projekte, die helfen, mit der Alterung der Gesellschaft umzugehen. Auch für die behindertengerechten Arbeitsplätze gibt es Zuschüsse. Und sie dienen noch der Inklusion. Außerdem haben wir ja auch Geld, um die Kunstrasenplätze zu sanieren. Und da hat man keine halbe Million für ein Therapiebecken? Das können sie den Bürgern nicht erklären. Wir müssen Prioritäten setzen. Wichtig ist dabei die Erhaltung der Gesundheit, der Mobilität und die Integration. Hier erreichen Sie mit einem Schwimmbad mehr Menschen als mit einem Kunstrasenplatz.

Das ST führt mit Blick auf die Kommunalwahl Interviews mit allen OB-Kandidaten, die einem Gespräch zugestimmt haben.

Persönlich

Privat: Arnold Falkowski ist 64 Jahre alt, verheiratet und hat eine Tochter.

Politik: Falkowski ist Oberbürgermeister-Kandidat der Freien Bürger-Union (FBU). Dort ist er seit März aktiv.

Beruf: Seit 20 Jahren ist er Betriebsleiter eines mittelständischen Unternehmens in Langenfeld.

Ehrenamt: Seit vielen Jahren engagiert sich Falkowski im Behinderten- und Rehasport.

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