Ergebnisse einer Ü-55-Bürgerbefragung

84 Prozent der Senioren in Solingen fühlen sich fit

Auch der Seniorenkarneval war Thema.
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Auch der Seniorenkarneval war Thema.

Seniorenbeirat informierte sich über die Ergebnisse einer Ü-55-Bürgerbefragung.

Von Simone Theyßen-Speich

Andrea Noe-Kückelhaus (o. l.) vom Stadtdienst Soziales informierte im Seniorenbeirat über die Ergebnisse der Bürgerbefragung. 

Solingen. Weil es bei der Bürgerbefragung der Zukunftsagentur zum Thema „Älterwerden in Solingen“ genau um diese Zielgruppe ging, wurden die ersten Ergebnisse der großangelegten Befragung am Mittwoch als allererstes im Seniorenbeirat der Stadt vorgestellt. Andrea Noe-Kückelhaus, Abteilungsleiterin für Planung und Beratungsleistungen beim Stadtdienst Soziales, informierte die Mitglieder des Gremiums, von denen der größte Teil per Video zugeschaltet war.

Bereits im November vergangenen Jahres hatte das Seniorenbüro der Stadt die Bürgerbefragung auf den Weg gebracht – von Anfang an eng begleitet durch den Seniorenbeirat. Wie zufrieden sind ältere Menschen mit dem Leben in der Klingenstadt? Welche Wünsche und Bedürfnisse haben sie? Um diese Kernfragen ging es bei der Befragung.

10.800 Solinger über 55 Jahren waren, verteilt über alle Stadtteile, dazu ausgewählt und per Post angeschrieben worden. Die Antworten, für die extra ein Rückumschlag beigelegt war, wurden anonymisiert ausgewertet. „Laut Statistikstelle ist es schon ein supergutes Ergebnis, dass wir einen Rücklauf von 3168 Fragebögen, also von über 31 Prozent hatten“, betont Andrea Noe-Kückelhaus.

Die meisten gaben an, dass sie die Befragung sehr positiv aufgenommen hätten. Ebenfalls positiv: 84,3 Prozent der Ü-55er gaben ihren Gesundheits- und Fitnesszustand als „sehr gut“ bis „zufriedenstellend“ an. „Damit einher gehe auch, dass viele von ihnen sich in ihrer Freizeit gerne bewegen oder Sport treiben.“

Befragt zur Situation für ältere Menschen, in der Stadt wurden aber auch kritische Anmerkungen gemacht. „Etwa die Hälfte gab an, dass sie sich von Verkehrslärm und Verschmutzungen in der Stadt beeinträchtigt fühlt“, fasste Noe-Kückelhaus zusammen. Auch der Sicherheitsaspekt sei häufig betont worden.

Sportangebote für Senioren wie der Bewegungsparcours an der Trasse waren ebenso Thema wie das Interesse an Veranstaltungen, etwa beim Generationen-Sportfest im Walder Stadion.

Befragt nach speziellen Seniorenangeboten, gaben ebenfalls etwa 50 Prozent der Solinger über 55 Jahre an, dass sie Seniorenclubs oder andere Angebote für Senioren selbst noch nicht besucht hätten. Das ließ Herberg Gerbig, den Vorsitzenden des Seniorenbeirates, aufhorchen: „Vielleicht ist es ein Problem, dass Beratungsangebote nicht ausreichend bekannt sind.“ Er befürchtet auch, dass viele ältere Menschen über Themen wie Betreuungs- oder Vorsorgevollmacht nicht informiert sind.

Noch vor 20 Jahren habe es auch viel mehr Seniorenclubs in Solingen gegeben. „Viele davon wurden leider aufgelöst“, so Herbert Gerbig. „Und wenn die Menschen erstmal zu Hause bleiben, erreicht man sie auch nicht mehr so gut.“ Er regte an, die speziell ausgebildeten Seniorensicherheitsberater in den Bezirken bei der Information der älteren Menschen mit einzubinden.

Thema Einsamkeit im Alter ist schwer zu erfassen

Seniorenbeiratsmitglied Dr. Peter Kubersky hakte mit Blick auf die Befragung zum Thema „Einsamkeit“ nach. Spezielle Auswertungen dazu wurden allerdings nicht getroffen, so Andrea Noe-Kückelhaus. „Wir befürchten aber, dass Menschen, die von Vereinsamung im Alter besonders betroffen sind, eher nicht geantwortet haben.“ Um speziell diese Personengruppe anzusprechen, habe man auch das persönliche Anschreiben gewählt. „Und wir haben auch angeboten, uns telefonisch zu kontaktieren, um mit den betroffenen Menschen ins Gespräch zu kommen.“ Die Arbeitsgruppe „Seniorengerechte Stadt“ des Beirats wird weiter an der Auswertung der Befragung mitarbeiten.

Vorgestellt wurde auch die Initiative „Zuhause leben“. Karen Odenius, Abteilungsleiterin Seniorenhilfe bei der Awo, stellte vor, wie älteren oder behinderten Menschen geholfen werden soll, länger zu Hause zu leben. „Ein Schwerpunkt der Initiative ist, ihnen Ansprechpartner zu benennen, von Handwerkern über Optiker oder Fußpflege bis zu Pflegediensten, haushaltsnahen Diensten oder der Wohn- und Pflegeberatung.“

Radwegekonzept

Vorstellung: Alessia Mainardi, bei der Stadt für die Radverkehrsplanung zuständig, stellte die aktuellen Pläne vor.

Kritik: Der Seniorenbeirat kritisierte, dass Radwege nur da geplant würden, wo ohnehin eine neue Straßendecke vorgesehen ist.

Fußgängerzone: In Ohligs wird geprüft, die Fußgängerzone auch für Radfahrer freizugeben. Derzeit ist das nur nachts erlaubt. Eine komplette Freigabe lehnt der Seniorenbeirat ab.

Standpunkt: Eine große Spannbreite

Von Simone Theyßen-Speich

simone.theyssen-speich@solinger-tageblatt.de

Den einen Typ „Senior“ gibt es nicht. Die Gruppe der Menschen, die zum Thema „Älter werden in Solingen“ jetzt befragt wurde, reicht vom sportlich fitten 55-Jährigen, der mitten im Beruf steht, bis zum pflegebedürftigen 90-Jährigen. Und gerade deshalb ist es wichtig und richtig, diese große Spannbreite von persönlichen und gesundheitlichen Lebenssituationen, von Interessen und Bedürfnissen statistisch zu erfassen. Klar ist, dass diese Altersgruppe der jungen und älteren Senioren demografisch einen immer größeren Teil in unserer Gesellschaft einnimmt.

Auf der einen Seite werden oder bleiben die Senioren immer länger aktiv, sind aufgrund der Vermögenssituation ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und machen dank der Babyboom-Jahrgänge, die jetzt ins Seniorenalter kommen, einen großen Teil der Stadtgesellschaft aus. Auf der anderen Seite muss die Betreuungs- und Pflegesituation einer immer älter werdenden Bevölkerung in den Fokus der Planungen von Krankenhaus- und Pflegeplätzen gestellt werden. Ein schwieriger Spagat.

Rund 520 pflegebedürftige Menschen wurden im vergangenen Jahr in der Kurzzeitpflege-Einrichtung Ellerhof in Ohligs versorgt. 

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