Musical

500 Zuschauer bejubeln im Pina-Bausch-Saal „Anatevka“

Der „Fiddler on the Roof“ fasziniert das Publikum bis heute. Foto: Björn Hickmann
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Der „Fiddler on the Roof“ fasziniert das Publikum bis heute.

Inszenierung des Theaters Hagen löst Beifallsstürme aus.

Von Wolfgang Günther

Solingen: Allein schon die Ausstattung dieses 1964 unter dem Titel „Fiddler on the Roof“ uraufgeführten, klassischen Musicals überzeugte die gut 500 Besucher im Pina-Bausch-Saal. Über 50 Mitwirkende, ein großartiger Chor, rasante Tänzer, Statisten, beeindruckendes Bühnenbild (Bühne: Alfred Peter), brillantes Solistenensemble und gut 30 Mitglieder der Bergischen Symphoniker unter Leitung von Steffen Müller-Gabriel.

In der Inszenierung von Thomas Weber-Schallauer vereinigte sich all dies am Mittwochabend zu einem großartigen Theatererlebnis. Das Musical ist eine pralle Milieustudie zwischen Tragödie und Komödie. Der Fiedler auf dem Dach begleitet zum Auftakt das mehr oder weniger friedliche Leben der Juden um 1900 in ihrem Viertel (Schtetl) im zaristischen Russland. Tradition und Glauben sind die wichtigsten Merkmale der Menschen dort. Milchmann Tevje und seine Frau Golde haben fünf Töchter; Tevje plagt sich mit seiner Arbeit und hält Zwiesprache mit Gott. Mit dem Lied „Wenn ich einmal reich wär“, malt er sich eine wohlhabende Zukunft aus, die Realität sieht anders aus.

Ansgar Schäfer spielt und singt diese große Rolle des Milchmanns einfach hinreißend; er verkörpert ihn in all seinen Facetten zwischen prallem männlichem Ego des Herrn im Hause, trunkenem Übermut und zunehmender Verzweiflung einfach bewundernswert. Mehr und mehr scheitern seine Pläne, platzen seine Träume. Seine Töchter gehen eigene Wege. Dabei vertraut seine Ehefrau Golde, gespielt von Kristine Larissa Funkhauser, der Heiratsvermittlerin Jente (Kristina Günther).

Aber vergebens, die Hochzeit der ältesten Tochter Zeitel (Rahel Wissinger) mit einem reichen Witwer findet nicht statt, die anderen Töchter suchen sich ebenso selbst ihre Partner. Auch die Idylle des Lebens in der kleinen Gemeinde ist mehr und mehr gefährdet.

Eine Geschichte zwischen Glück und Tragik

Das Zusammenleben von Juden und Christen wird zunehmend problematisch, die fröhliche Hochzeitsfeier von Zeitel und dem Schneider Mottel (Matthias Knaab) endet dann auch mit Gewalt russischer Soldaten gegen die friedlichen Bewohner von Anatevka. Endgültig aus ist es mit dem Leben dort, als der Zar die Ausweisung innerhalb von drei Tagen befiehlt. Der Fiedler auf dem Dach musiziert noch einmal zum Auszug der Juden aus ihrer alten Heimat, sie werden in alle Welt verstreut.

Das war ein weiterer, starker Moment dieses faszinierenden Theaterabends, es war ganz still im Saal. Das Publikum hatte schon immer wieder mit Zwischenapplaus gedankt, der Schlussbeifall für die opulente Aufführung mit ihren vielen Tanzeinlagen wollte kein Ende nehmen.

Weitere Aufführung heute, 19.30 Uhr, Pina-Bausch-Saal, Theater und Konzerthaus. Karten für 19 bis 45 Euro sind an der Theater- und Konzertkasse, P (02 12) 20 48 20, und online erhältlich. Beim Besuch gilt 3G.

theater-solingen.de

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