Kinderschutzambulanz

400 Kinder werden jedes Jahr zu Opfern

Birgit Köppe-Gaisendrees (l.) und Dorothea Schauf von der Ärztlichen Kinderschutzambulanz Bergisch Land. Archivfoto: Roland Keusch
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Birgit Köppe-Gaisendrees (l.) und Dorothea Schauf von der Ärztlichen Kinderschutzambulanz Bergisch Land. Archivfoto: Roland Keusch

Ärztliche Kinderschutzambulanz ist für das Städtedreieck zuständig.

Bergisches Land. Wenn es zu Gewalt oder Missbrauch in einer Familie kommt, sind Kinder als Opfer immer auf besonders tragische Weise betroffen. In diesen Fällen schnell und gleichzeitig kompetent zu helfen, das hat sich die Ärztliche Kinderschutzambulanz Bergisch Land zur Aufgabe gemacht. Seit vielen Jahren ist das Angebot auf dem Gelände des Sana-Klinikums in Remscheid beheimatet, aber auch für Kinder und Jugendliche in Solingen, Wuppertal und den umliegenden Städten zuständig.

„Bei unserer Arbeit als Fachstelle für Kinder und Jugendliche, die von Gewalt betroffen sind, geht es um körperliche Gewalt ebenso wie um Vernachlässigung und sexuellen Missbrauch“, umreißt Dorothea Schauf, verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit der Kinderschutzambulanz, das Aufgabengebiet.

In den meisten Fällen melden die Jugendämter im Städtedreieck die Fälle. „Unsere Aufgabe sind die schnelle Hilfe und die erste Diagnostik“, so Schauf. Nur wenn nicht schnell genug ein Therapieplatz gefunden werden kann, steigen auch die Mitarbeiter für eine Übergangszeit in die Therapie des betroffenen Kindes oder des Jugendlichen mit ein.

Die Kinderschutzambulanz Bergisch Land.

Die Hauptaufgabe sei aber die Diagnostik, also zu erkennen, was den Kindern zugestoßen ist, wie belastet sie sind und wie man ihnen weiterhelfen kann. „In Gesprächen oder bei Jüngeren in einer Spiel-Therapie versuchen wir, das herauszufinden, um dann den Jugendämtern eine Empfehlung für das weitere Vorgehen geben zu können.“

In der Regel folgt dann eine Vermittlung zu niedergelassenen Kinder- und Jugendpsychologen. Es könne aber auch sein, dass Kinder umgehend in Obhut genommen werden, weil sie schnell aus der Familie raus müssen. In anderen Fällen sei auch eine Flexible Familienhilfe sinnvoll, um Probleme in der Familie gemeinsam mit der Familie zu lösen. „Bei schwerem Missbrauch springen oft Kurzpflegestellen ein, es gibt zudem auch Belegbetten in der benachbarten Sana-Klinik, so dass Kinder, wenn es keine andere Möglichkeit gibt, kurzfristig auf der Station aufgenommen werden können“, lobt Dorothea Schauf die enge Kooperation mit der Klinik. „Wenn wir akut gefährdete Kinder dort für eine oder zwei Wochen unterbringen, können wir im engen Kontakt auch sehen, wie es dem Kind geht.“

Kinder zwischen 0 und 18 Jahren gehören zu den Betroffenen. Stammen junge Mütter aus dem Alkohol- oder Drogenmilieu, werden sie mit ihren Kindern oft direkt ab dem ersten Tag nach der Geburt betreut. „Seit der Corona-Pandemie gibt es leider auch immer mehr Misshandlungen von Säuglingen“, beklagt die Fachfrau. Schwerpunkt sei aber das Kita- und Grundschulalter.

Solingen: 400 Kinder und Jugendliche werden jedes Jahr betreut

Etwa 400 betroffene Kinder und Jugendliche betreut die Kinderschutzambulanz im Jahr. „Die Terminpläne sind voll.“ Zum Team gehören neben der Leiterin Birgit Köppe-Gaisendrees und ihrem Stellvertreter Martin Roggenkamp auch Dorothea Schauf sowie sechs Therapeuten und vier Verwaltungskräfte. Um die ständig wachsende Arbeit zu bewältigen, fängt kommende Woche ein weiterer Psychologe an. Auch Weiterbildungen für Erzieher werden angeboten.

In dem Bauhaus-Gebäude von 1927 auf dem Klinik-Gelände ist es den Mitarbeitern wichtig, eine gemütliche Atmosphäre zu schaffen. „Hier gibt es eben keine typischen Krankenhaus-Gerüche und Atmosphäre“, betont Dorothea Schauf. Das sei für die Kinder ganz wichtig.

Finanziert wird das Angebot zu 80 Prozent über die Fachleistungs-Stunden, die mit dem Jugendamt abgerechnet werden können. Die 20-Prozent-Lücke in Höhe von jährlich etwa 200 000 Euro muss über Spenden und Mitgliedsbeiträge geschlossen werden.

Kontakt

Kontakt: Ärztliche Kinderschutzambulanz Bergisch Land, Sana-Klinikum Remscheid, Burger Straße 211, 42859 Remscheid, Tel. (02191) 13 59 60, info@ksa-rs.de

www.ksa-rs.de

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