Die Woche in Solingen

2G oder 3G: Entscheider wälzen die Verantwortung ab

bjoern.boch@solinger-tageblatt.de
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Solingen erlebt gerade eine Pandemie der Ungeimpften. Die Betroffenen sind häufig jung. Wie dieser Trend zu stoppen ist? Mit Impfungen, sofern möglich, meint ST-Lokalchef und stellvertretender Chefredakteur Björn Boch.

Rund 1000 Schülerinnen und Schüler in Solingen sind in Quarantäne – das ist die bittere Bilanz nach etwas mehr als zwei Wochen Schule. Die Kinder und Jugendlichen stellen damit zwei Drittel der derzeitigen Quarantänefälle. Die Stadt erlebt eine Pandemie der Ungeimpften. Und Betroffene sind häufig jung, weil sie lange kein Impfangebot erhalten haben oder Impfungen unter 18 Jahren erst spät uneingeschränkt empfohlen wurden. Für alle unter zwölf Jahren gibt es noch gar keinen Impfstoff. Die Sieben-Tage-Inzidenz ist entsprechend am höchsten bei 10- bis 14-Jährigen, gefolgt von 15- bis 19-Jährigen – deutschlandweit liegt sie laut Robert-Koch-Institut mehr als doppelt so hoch im Vergleich zur Gesamtbevölkerung.

Solingen: Impfquoten steigen kaum noch

Wie dieser Trend zu stoppen ist? Mit Impfungen, sofern möglich. Doch die Impfquoten steigen kaum noch. Ein Streitthema, das daher die Wochen bis zur Bundestagswahl prägen dürfte, ist: Dürfen Geimpfte, Genesene und Getestete eine Veranstaltung oder eine Kneipe besuchen (3G) – oder nur Geimpfte und Genesene (2G), um die Corona-Ausbreitung zu bremsen? Der NRW-Städtetag hat die Staatskanzlei angesichts steigender Inzidenzen aufgefordert, 2G im Freizeitbereich einzuführen – Hamburg hat 2G ermöglicht, nicht aber vorgeschrieben.

Generell halten sich die Entscheider in der Politik zurück, vor der Wahl soll niemand vergrault werden. Denn in Meinungsumfragen halten sich 2G- und 3G-Befürworter nahezu die Waage. Ganz ähnlich sieht es übrigens bei der Frage der Impfpflicht aus. Von Solingens Spitzenkandidaten gab es in dieser Woche eine klare Absage an 2G von der FDP, während die SPD eher dafür ist und sich CDU und Grüne Mischformen vorstellen können.

Solange aber niemand eine politische Entscheidung fällt, wird die Verantwortung abgewälzt. Andere müssen entscheiden – und tun das auch. In Remscheid kündigen erste Kneipenwirte an, zumindest drinnen nur noch 2G anzubieten. Angesichts steigender Inzidenzen ist das sinnvoll. Und es ist auch das gute Recht der Gastgeber, so zu handeln. Sie stellen sich auf die Wünsche der Gäste ein, schützen ihre Angestellten und helfen bei der Viruseindämmung. Geimpfte und Genesene infizieren sich viel seltener und verbreiten das Virus weniger. Das zeigen Inzidenzzahlen aus Bundesländern, die unterscheiden zwischen Ungeimpften und Geimpften: Die Inzidenz unter Ungeimpften ist rund zehnmal so hoch.

Um ein Missverständnis aufzuklären: Im Freizeitsektor ist 2G keine Impfpflicht durch die Hintertür, sondern die Freiheit des Unternehmers und der Kunden. Dem Vernehmen nach haben es sich auch manche in der Solinger Dienstleistungsbranche, denen die eigene Impfung nicht so wichtig war, anders überlegt: Weil Kunden wissen wollen, ob das Gegenüber geimpft ist oder nicht, gerade bei körpernahen Dienstleistungen.

Klar ist: Wer sich nicht impfen lässt, wird sich irgendwann infizieren – und hat das Risiko eines schweren Verlaufs. Wer sich impfen lässt, schützt nicht nur sich, sondern auch andere. Es gibt kein anderes Mittel, das eine gefahrlose Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglicht – und solidarisch ist gegenüber allen, die sich nicht impfen lassen können.

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