Pandemie

2G-Kontrolle: Einheitliche Lösung für Handel kaum noch realistisch

Die Bergische Universität arbeitet mit Bändchen. Symbolfoto: afi
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Die Bergische Universität arbeitet mit Bändchen.

Das Ordnungsamt hat kein Personal. Hinzu kommt eine Uneinigkeit bei den Händlern.

Von Björn Boch

Solingen. In einem sind sich Händler und Stadtverwaltung einig: Nicht jedes Geschäft soll selbst kontrollieren müssen, ob Kunden die 2G-Zugangsvoraussetzungen erfüllen. Uneins sind sie bei der Umsetzung: Während Teile der Händlerschaft auf Hilfe vom Ordnungsamt hoffen, hat Dezernent Jan Welzel (CDU) betont, dafür keine personellen Kapazitäten zu haben.

Seit vorigen Samstag dürfen Einzelhändler, deren Geschäfte nicht den alltäglichen Bedarf decken, nur Kunden reinlassen, die geimpft oder genesen sind. Kontrollieren müssen sie das bereits an der Eingangstür – das sei gerade für kleine Geschäfte mit wenig Personal schwierig, so die Händler.

Ein Plan sieht vor, den Kunden Bändchen ans Handgelenk zu geben, so dass jeder Händler direkt sehen kann: 2G und kontrolliert. Umgesetzt würde das über „eine zentrale Ausgabestelle in jedem Stadtteil, an der einmal die Zugangsberechtigungen zentral und gründlich geprüft werden“, schreiben Brigitte Kiekenap von der Ohligser Werbe- und Interessengemeinschaft und Rainer Francke vom Walder Werbering an Dezernent Welzel.

Kiekenap und Francke, mit ihren Buchhandlungen von der Regel ausgenommen, zählen im Sinne der Mitglieder ihrer Werbegemeinschaften auf Hilfe der Stadt: „Diese zentralen Ausgabestellen werden von Mitarbeitern des Ordnungsamtes besetzt. Diese sollten ja sowieso in den Geschäften stichprobenartig prüfen und können so zentral und mit ihrer Kompetenz Missbrauch verhindern“, argumentieren sie. Dadurch würde der Einzelhandel in dieser schwierigen Zeit entlastet und die Innenstädte würden gestärkt.

Offenbar sucht jeder Stadtteil selbst nach einer Lösung

Bereits zu Beginn der Woche hatte Stadtsprecher Thomas Kraft erklärt, die Stadt sei „offen, pragmatisch und kooperativ“, organisieren müssten es die Händler aber selbst. Dezernent Welzel ergänzt nun: „Gerne können wir Bändchen-Ausgabe, Stempel oder weitere Systeme an zentralen Punkten im Einzelhandel im Stadtgebiet umsetzen.“ Die Autorisierung für dieses Vorgehen könne er selbst erstellen – und zwar „ruckzuck“. Mit Mitarbeitern dienen könne er aber nicht: „Ich habe keine Ausgabekapazität über Personal im Ordnungsamt, da die Kollegen im Dauereinsatz sind.“

Welzel sprach sich für Stempel analog zum Weihnachtsmarkt aus, die einige Händler zentral vergeben könnten, das sei schnell umsetzbar und biete eine gewisse Fälschungssicherheit. Auch Waldemar Gluch vom Initiativkreis Solingen hatte für diese Lösung plädiert. Kiekenap und Francke zeigten sich dagegen von der Antwort Welzels enttäuscht, wie Francke dem ST am Abend berichtete. Derzeit sehe es so aus, als würde jeder Stadtteil für sich nach einer Lösung suchen.

In der Nachbarstadt Hilden ist seit Donnerstag ein Bändchen-System am Start. „Schon nach einem halben Tag können wir sagen, dass es gut angenommen wird“, so Volker Hillebrand, Geschäftsführer der Stadtmarketing Hilden GmbH, am Mittag. Es gebe sechs verschiedenfarbige Bändchen, je eines pro Einkaufstag. „Wir konnten acht Partner im Handel gewinnen, die sich bereiterklärt haben, die Bändchen auszugeben – in der Regel sind das die großen Filialisten.“ Und falls mal die Bändchen knapp werden, gebe es alternativ auch ein Stempelsystem.

Standpunkt

bjoern.boch@solinger-tageblatt.de

Kommentar von Björn Boch

Während in Hilden schon Bändchen für 2G-Kunden im Einsatz sind, ist die Lage in Solingen verfahren. Dass die Stadt angesichts der Belastungen in der Pandemie kein Personal übrig hat, um stationäre Ausgabestellen zu besetzen, ist zwar prinzipiell verständlich. Allerdings haben auch viele Händler den Tageblatt-Bericht gelesen, in dem dasselbe Ordnungsamt, das kein Personal stellen kann, eine Restaurantkontrolle mit acht Mitarbeitenden als „verhältnismäßig“ eingeordnet hat. Die Stadt muss also besser erklären, warum kein Personal da ist. Auf der anderen Seite geben auch die Händler kein gutes Bild ab. Der Initiativkreis unterstützt ein Kontrollmodell, Teile der Werbegemeinschaften – selbst ja Mitglieder im Initiativkreis – wiederum ein anderes. Nun kocht wohl jeder Stadtteil wieder sein eigenes Süppchen, was noch nicht mal so schlimm wäre, stünde es schon auf dem Tisch. Doch die Zeit bis Weihnachten rennt – und eine Woche mit der neuen Regel ist schon vorbei. In dieser Zeit hat Hilden das System an den Start gebracht. Mit Hilfe des Stadtmarketings übrigens. Könnte sich das nicht auch in Solingen einschalten? Mensch, das wär’ doch was.

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