Pandemie

2G: Gäste und Passanten üben Kritik an Restaurant-Kontrolle

Das Mille Gusti in Aufderhöhe war vorige Woche einer von 14 Gastronomie-Betrieben, die vom Ordnungsamt bei einer Schwerpunktkontrolle aufgesucht wurden. Gäste und Passanten fanden die Form des Einsatzes übertrieben. Die Stadt sieht das anders. Foto: Christian Beier
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Das Mille Gusti in Aufderhöhe war vorige Woche einer von 14 Gastronomie-Betrieben, die vom Ordnungsamt bei einer Schwerpunktkontrolle aufgesucht wurden. Gäste und Passanten fanden die Form des Einsatzes übertrieben. Die Stadt sieht das anders.

Augenzeugen berichten von einer „Razzia“ im Mille Gusti in Aufderhöhe – der Ordnungsdienst weist die Vorwürfe zurück.

Von Björn Boch

Solingen. Am vergangenen Donnerstag führte der Solinger Stadtdienst Ordnung verstärkt Kontrollen durch. Im Fokus: die Überprüfung der Impfnachweise in Verbindung mit Ausweisen, etwa zur 2G-Regel in Restaurants. 23 Betriebe wurden kontrolliert, davon 14 in der Gastronomie. Einer dieser Einsätze – im Mille Gusti in Aufderhöhe – sorgt nun für Kritik.

Passanten, die sich zu diesem Zeitpunkt rund um die Aufderhöher Straße aufhielten, berichten vom „Eindruck einer Razzia“. Das Restaurant, finden sie, sei quasi „gestürmt“ worden. Gäste aus dem Restaurant sagen, sie hätten sich gefühlt, als gehe ein „Überfall“ vonstatten. Es habe keine Begrüßung gegeben, keine Entschuldigung für die Störung – selbst der Gastronom habe erst einmal nicht gewusst, was vor sich gehe.

Benedetto Cottone, Inhaber des Mille Gusti, äußert sich auf ST-Anfrage. Für ihn sei es zwar „nicht schlimm“ gewesen. Allerdings wundert er sich über die Anzahl der Kontrolleure: „Früher gab es Kontrollen auch mal zu zweit, jetzt sind gleich acht oder neun Mitarbeiter des Ordnungsamts gekommen und haben die Ausgänge versperrt. Das erscheint mir ein wenig übertrieben.“

Seine Frau Carmelina Pizzati war nicht im Dienst, aber mit Freunden im Restaurant – sie hat die Kontrolle also sozusagen als Gast erlebt: „Am Tisch waren die Kontrolleure sehr freundlich. Und die Gäste sind froh, dass kontrolliert wird. Wir ja auch, das gibt Sicherheit. Aber vielleicht wäre es gut gewesen, den Anlass der Kontrolle gleich am Anfang laut und deutlich anzukündigen. So sind doch einige Gäste erschrocken“, erzählt sie.

Das Ordnungsamt betont, dass es stets versuche, „Kontrollen verhältnismäßig und mit den geringsten persönlichen Beeinträchtigungen“ durchzuführen. Dies gelinge in „der weit überwiegenden Anzahl der Fälle“. Die allgemeine Reaktion auf die Kontrollen am Donnerstag sei positiv belegt, es gebe nur die Beschwerde in Bezug auf Mille Gusti. Unserer Redaktion wurden allerdings ähnliche Eindrücke zu einem weiteren Einsatz geschildert – in einem anderen Restaurant am selben Abend.

Während der Kontrolle habe es keine Beschwerden gegeben

Ordnungsdienstleiter Dirk May hat seine Kollegen zu der Kontrolle befragt und erklärt: „Mir wurde berichtet, dass der Gastronom sofort bei Betreten der Gaststätte angesprochen und über den Grund der Kontrollmaßnahme informiert wurde.“ Fünf Mitarbeiter seien im Gastraum mit der Überprüfung der 2G-Regel beschäftigt gewesen, dies habe „nur wenige Minuten“ gedauert. Die anwesenden Gäste seien begrüßt und freundlich um Vorlage der entsprechenden Nachweise gebeten worden. „Zudem waren drei weitere Mitarbeiter mit der Überprüfung des Personals beschäftigt. Während der Kontrollmaßnahme gab es keine Beschwerden.“

Vorliegender Fall mache aber deutlich, wie nahe die Grenzen der Wahrnehmung zwischen notwendiger Kontrolle und Razzia liegen könnten. May: „Dies zeigt uns, wie wichtig Kommunikation und die Einhaltung der Verhältnismäßigkeit von Maßnahmen sind.“

Ordnungsdezernent Jan Welzel betont: „Es wird derzeit überall nach Kontrollen gerufen. Diese Aufgabe übernimmt die Stadt Solingen. Immer mit der Vorgabe, die Kontrollen verbindlich und höflich durchzuführen. Das gelingt in den allermeisten Fällen. Sollte es im Einzelfall zu Dissonanzen kommen, wird die Situation aufgearbeitet und der richtige Schluss daraus gezogen.“ Dass Kontrollen nicht immer Begeisterung auslösten, sei klar. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hätten aber in fast zwei Jahren Pandemie Kontrollen in aller Regel sehr geräuschlos ausgeübt. „Das soll und wird auch so bleiben.“

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