Wirte sprechen sich für Lockdown aus

2G beschert Gastronomie in Solingen Umsatzeinbruch

Spätestens am Tisch kontrollieren Gastronomen mit einer Check-App, ob der Impf-QR-Code stimmt. Bei nicht bekannten Gästen muss stichprobenartig auch der Personalausweis verlangt werden. Foto: Christian Beier
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Spätestens am Tisch kontrollieren Gastronomen mit einer Check-App, ob der Impf-QR-Code stimmt. Bei nicht bekannten Gästen muss stichprobenartig auch der Personalausweis verlangt werden.

Statt 2G plus: Einige Solinger Wirte sprechen sich für Lockdown aus – Grüner Salon führt Regel freiwillig ein.

Von unserer Redaktion

Solingen. Egal, was die Ministerpräsidenten am Donnerstag mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihrem voraussichtlichen Nachfolger Olaf Scholz (SPD) für die kommende Corona-Zeit vereinbaren: Nichts fürchten Solinger Gastwirte mehr als die Regel 2G plus, also: geimpft oder genesen plus negatives Testergebnis – von einer offiziellen Stelle (Bürgertest) und nicht älter als 24 Stunden. Peter von der Heiden vom Gräfrather Kaffeehaus sagt stellvertretend für viele: „Wer spazieren geht und bei uns eine Tasse Kaffee trinken und dazu ein Stück Kuchen essen will, lässt sich vorher nicht testen.“

Diese Einschätzung teilen fast alle vom Solinger Tageblatt befragten Gastronomen. Das Tagesgeschäft habe unter der vom Land NRW eingeführten Regel 2G – nur Gäste die geimpft oder getestet sind, dürfen empfangen werden – bereits stark gelitten.

Volker Brandt vom Brandy’s an der Potsdamer Straße berichtet, schon jetzt sorge 2G dafür, dass „die Absagen für Gesellschaften reinhageln“. Eine 2G-plus-Regel und deren Kontrolle hält er für den Tod der Gastronomie. Schon die Kontrolle von 2G – mit der App „CovPass Check“ – sei sehr zeitaufwendig. Er spricht sich daher für einen kurzen, harten Lockdown aus. Im Anschluss sei es hoffentlich möglich, wieder gute Umsätze zu generieren, damit man auch alle Rechnungen bezahlen könne.

Frank Willach von Gaston’s Fischerstube in der Innenstadt bestätigt das: „Wir erleben es so tagtäglich. Unsere Gäste sind total verunsichert und viele bleiben weg.“ Das sieht in Gräfrath bei Klaus Krämer im The Cornish Arms kaum anders aus: „Die Menschen sind verunsichert und haben Angst. Das Tagesgeschäft ist für diese Jahreszeit eher bescheiden, die Weihnachtsfeiern sind fast alle abgesagt.“

„Seit zehn Tagen geht so gut wie gar nichts mehr.“

Uwe Buschhaus, Getränkelieferant für die Gastronomie

Kollege Bastian Beier von Basti’s Restaurant sagt knapp: „Das gleiche bei uns.“ Wie er ist auch Peter von der Heiden für den kurzen Lockdown: „Auch das Personal ist völlig verunsichert, wie es weitergehen soll.“ Uwe Buschhaus ist Getränkelieferant und bestätigt die Umsatzeinbrüche seiner Kunden: „Seit zehn Tagen geht so gut wie gar nichts mehr.“

Sollte 2G plus kommen, befürchten alle den Totalausfall des Geschäfts. Andre Hitzegrad vom Ohligser Hitzefrei hat im Lokal 2G, in der Partyzone gilt bereits 2G plus. Er berichtet: „Wir haben am letzten Wochenende eine Partyveranstaltung mit 2G plus durchgeführt – es war ein absoluter Einbruch.“

Im Grünen Salon in Ohligs gilt bereits 2G plus

Wie Brandt und Kollegen, leidet auch Torsten Tückmantel von der WMTV-Halle in Wald unter der Situation. „Aus vielen Gesprächen mit mittlerweile dreifach geimpften Gästen weiß ich, dass diese nicht bereit sind, sich zusätzlich testen zu lassen, nur um essen zu gehen.“ Einige Weihnachtsfeiernde würden von sich aus 2G plus vorgeben, um „auf der sicheren Seite zu sein“. Tückmantel betont: „Aber richtig flächendeckend 2G plus und wir können den Laden zu machen.“ Auch Baljindar „Bobbi“ Singh vom Restaurant Stückgut aus dem Südpark glaubt, „dass wir den Laden direkt schließen können“, sofern 2G plus komme. 

Den völlig entgegengesetzten Weg geht der Grüne Salon – dort gilt bereits 2G plus auf freiwilliger Basis. „Wir wollen für uns und unsere Gäste diese zusätzliche Sicherheit gewährleisten. Mal sehen, wie das funktioniert“, erklärt Geraldine Schleder für den Zusammenschluss der Hobbykneipiers in Ohligs – wohl wissend, dass sie und ihre Mitstreiter sich dieses Experiment leisten können, weil sie ihren Lebensunterhalt eben nicht mit dem Grünen Salon verdienen müssen. Kurz nach der Veröffentlichung der neuen Regel in den sozialen Medien wurden Rollos an Tür und Fenstern beschmiert. Schleder: „Das ist sicher kein Zufall.“ Einen ähnlichen Vorfall hatte es schon gegeben, als die Betreiber nur noch Geimpften und Genesenen Einlass gewährten - obwohl zu diesem Zeitpunkt noch 3G galt.

Corona-Regeln

Die Corona-Schutzverordnung des Landes NRW schreibt derzeit 2G in den Innenräumen der Gastronomie vor. 2G+ muss für große Clubs und Veranstaltungen ab 100 Personen angewandt werden. Die Stadt Solingen setzt diese Vorgaben um. Doch die Kontrollpflicht liegt bei der Gastronomie – der Ordnungsdienst wiederum kontrolliert die Gastronomen. Um einen 2G-Status nachzuweisen, brauchen Gäste einen analogen Impf- oder Genesenen-Nachweis oder die digitale App („CovPass“).

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