Violettas Puppenbühne

1,25 Meter groß – und plötzlich lebendig

Puppenbühne zeigt „Das Dekameron“ im Atelier 26 in den Güterhallen an der Alexander-Coppel-Straße.

Von Tanja Alandt

Solingen. Nahezu alle Plätze im Atelier 26 in den Güterhallen an der Alexander-Coppel-Straße waren am Freitagabend belegt: Eva Wieden, künstlerische Leiterin von Violettas Puppenbühne, ließ angelehnt an einen Klassiker elf Figuren sprechen – den Pestdoktor sowie zehn junge adelige Menschen, die vor der Pest aus Florenz aufs Land geflüchtet waren. Ihr Mann Wolfgang Wieden setzte die Szenerie ins rechte Licht und steuerte die passenden Hintergrundgeräusche wie das Schreien von Kranichen oder Möwen, Schritte und das Quietschen der Türen bei.

In der Corona-Zeit war den Künstlern der Puppenbühne – passenderweise – mit „Dekameron“ ein Klassiker der Weltliteratur von Giovanni Boccaccio in Erinnerung gerückt, den der Florentiner angesichts der Pest 1348 geschrieben hatte.

Eva Wieden zeigte sich fasziniert von den „lustigen Geschichten und mutigen, lebensfrohen Standpunkten“. Die altertümliche Sprache des Originals, das als Sammlung rund 100 Novellen umfasst, übersetzte sie in eine zeitgemäße Ausdrucksweise. Für die Aufführung entwickelte sie zudem Standpuppen, die ihren Kopf drehen können, aus recyceltem Papier und geschredderter Pappe mit Modelliermasse sowie einem Kern aus Holzgerüst und Styropor.

„Das ist ein Prozess, die Figuren zu bauen. Irgendwann komme ich immer zu dem Punkt, dass die Figuren mit mir sprechen, und es entsteht ein Dialog, bei dem sie bestimmen, wie sie aussehen werden. Die eine wollte unbedingt rote Haare“, erklärt die Künstlerin. Für das Bühnenbild bat sie ihre Schwester, ein Porträt von Giovanni Boccaccio zu malen.

Aus dessen Novellen wurden an diesem Abend vier Geschichten durch die Protagonisten – sieben junge Frauen und drei Männer aus Florenz – wiedergegeben, die sie sich gegenseitig auf dem Landgut als Zeitvertreib erzählten.

Die lebendigen Figuren faszinieren die Besucher

Nach dem dritten Teil und einem langen Applaus umringten viele begeisterte Zuschauer die Schauspielerin auf der Bühne, um mehr über sie, die Figuren und das Stück zu erfahren. Sie zeigten sich so begeistert von der Umsetzung des Stoffs mit den etwa 1,25 Meter großen Standfiguren, dass sie vorschlugen, bald einen zweiten Teil aufzuführen. Doch wann oder ob das Stück noch einmal aufgeführt oder fortgesetzt wird, ist noch ungewiss, so die Künstlerin. Zunächst tourt Violettas Puppenbühne jetzt erst einmal mit den bekannten Handspielpuppen – diese Aufführungen sind bereits ausverkauft.

Am 24. April ist dann eine weitere Premiere geplant: Das Stück „Der Kaiser und die Nachtigall“ nach dem Andersen-Märchen soll für Kinder und Erwachsene eine Darbietung mit Handspielpuppen und Standfiguren bieten.

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