Wohnungsknappheit

Bis 2040 fehlen in Solingen 5000 Wohnungen

60 Wohnungen und ein Haus mit 27 Kurzzeitpflegeplätzen entstehen derzeit mit dem Neubau an der Ellerstraße in Ohligs. Foto: Uli Preuss
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60 Wohnungen und ein Haus mit 27 Kurzzeitpflegeplätzen entstehen derzeit mit dem Neubau an der Ellerstraße in Ohligs.

Zwei Jahre lang wurde am neuen Handlungskonzept „Wohnen“ gearbeitet. Jetzt liegt es vor.

Von Hans-Peter Meurer

Bis 2040 müssten nach vorsichtiger Experten-Schätzung wenigstens 2500 Wohneinheiten in Solingen neu gebaut werden, nach offensiverer Prognose sogar rund 5000 Wohnungen. Das geht aus dem 150 Seiten starken „Handlungskonzept Wohnen“ hervor. Es ist nach zwei Jahren Bearbeitung fertiggestellt und soll Möglichkeiten aufzeigen, wie das drohende Problem der Wohnungsknappheit zu meistern ist. Hier will die Stadtverwaltung lenkend eingreifen. So soll vor allem der Wohnungsmarkt in der Klingenstadt intensiv weiterentwickelt werden, der insbesondere bezahlbaren Wohnraum speziell in den verschiedenen Stadtteilen Solingens zur Verfügung stellen soll. Und auch das steht schon fest: Bezahlbarer Wohnraum wird nur über Fördergelder zu bauen sein.

Das Thema Wohnen hat die Stadtverwaltung seit Jahren intensiv im Blick. Die Stadtplaner im Rathaus gehen davon aus, dass sich das Bevölkerungswachstum auch weiterhin fortsetzt (» Kasten).

Der Auftakt zur Arbeit am „Handlungskonzept Wohnen“, das Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) und Stadtdirektor Hartmut Hoferichter (parteilos) nun der Kommunalpolitik zur Beratung vorlegen werden, liegt genau zwei Jahre zurück: Im Oktober 2016 trafen sich Vertreter aus der Immobilien- und Finanzwirtschaft, aus den Wohlfahrtsverbänden, der Politik und der öffentlichen Verwaltung im Bürgersaal der Stadtkirche. Die Fragestellung lautete: „Solingen wächst. Wie kann die Stadt den enger werdenden Wohnungsmarkt sozial gestalten?“

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Die Stadtverwaltung holte mit dem Bochumer Büro InWIS Forschung und Beratung einen sachverständigen Partner ins Boot. Eine Situationsanalyse des Wohnungsbestandes und des -marktes bildeten zunächst die Basis für Daten, mit denen erste Berechnungen überhaupt erst möglich waren. Die Untersuchungen signalisierten bereits erste Engpässe in der Versorgung mit Wohnraum im preiswerten Bedarfssegment. Es folgte 2017 eine Befragung unter 500 Solinger Haushalten. Auch deren Ergebnisse fanden Eingang in das Handlungskonzept. Auf dieser Basis wurde eine vergleichende Gegenüberstellung der in Solingen vorhandenen Wohnraumflächenpotenziale mit den Ansprüchen und Wünschen der verschiedenen Wohnraumnachfragegruppen aus den konkreten Umfrage-Ergebnissen erstellt. Bis zum Jahr 2025, so damals eine erste Prognose, fehlen voraussichtlich schon 1000 Wohnungen. Viele davon liegen in dem Bereich des günstigen Wohnraums, den sich auch Mieter mit einem Wohnberechtigungsschein leisten können.

Stadt will Grundstückseigentümer und Investoren zusammenbringen

Und auch das steht fest: Günstiger Wohnraum ist bei den heutigen Baupreisen nicht im Neubau herzustellen, ohne dass er gefördert wird. Dafür will die Stadt nun Grundstückseigentümer und mögliche Bauherren an einen Tisch bringen. Das fertiggestellte Handlungskonzept soll also auch eine Grundlage für die Ansprache von Investoren liefern und das konzeptionelle Fundament für die Akquise von staatlichen und europäischen Fördergeldern bilden, sagte gestern Stadtsprecher Lutz Peters.

STATISTISCHES

BEVÖLKERUNG Entgegen früherer Prognosen ist die Bevölkerungszahl Solingens von Mitte 2012 bis heute von rund 158 000 Einwohnern auf mittlerweile 163 000 gestiegen. Das entspricht einer Wachstumsrate von 2,8 Prozent.

PROGNOSE Diese Tendenz soll sich auf der Basis neuerer Prognosen fortsetzen. Demnach wird die Bevölkerung Solingens in den nächsten zehn Jahren auf 166 000 Einwohner wachsen.

Solingen hat sich zunehmend als zentral an der Rheinschiene gelegene Wohnalternative mit hoher Lebensqualität entwickelt. Zudem habe sich die Einstellung junger Menschen zum Nachwuchs verändert. Die Geburtenzahlen sind gestiegen: von 1201 Geburten im Jahr 2011 auf 1507 im Jahr 2017. „Das ist für die Stadt eine insgesamt erfreuliche Entwicklung, der Politik und Verwaltung gleichwohl nicht einfach zusehen können.“

Baugrund sei knapp und überwiegend in Privatbesitz, Planungsverfahren kosteten Zeit, der Bestand an Sozialwohnungen sinke aufgrund bundespolitischer Versäumnisse, und der soziale Wohnungsneubau fülle die Lücke derzeit noch nicht ausreichend.

Weitere Themen des Konzeptes sind: altersgerechtes, barrierefreies Wohnen, neue Wohnformen wie Alters-Wohngemeinschaften, Sicherung von preiswertem Wohnraum insgesamt. Dass dies grundsätzlich auch möglich ist, wie es mit welchen Strategien gelingen kann und wo gebaut werden könnte, zeige nun das „Handlungskonzept Wohnen“ auf.

Jetzt hat zunächst die Kommunalpolitik das Wort. Am 7. November beraten die Bezirksvertretungen, in der zweiten Novemberhälfte der Sozial- und der Planungsausschuss. Sollte der Stadtrat dann im Dezember das Konzept absegnen, werde die Stadt im Frühjahr 2019 im ersten Schritt das Gespräch mit Grundeigentümern suchen. Peters: „Sie müssten dafür gewonnen werden, ihre Immobilien dem Markt für Wohnungsbau zur Verfügung zu stellen.“

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