Brauchtum

2000 Gräfrather schließen sich dem Martinszug an

Hans-Peter Hafer als Sankt Martin ritt auf Wallach Point durch die Gräfrather Gassen. Start war das Eugen-Maurer-Haus. Unter anderem über Schulstraße, Wuppertaler Straße und die Straße In der Freiheit zog der Tross in Richtung Brandteich. Foto: Andreas Horn
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Hans-Peter Hafer als Sankt Martin ritt auf Wallach Point durch die Gräfrather Gassen. Start war das Eugen-Maurer-Haus. Unter anderem über Schulstraße, Wuppertaler Straße und die Straße In der Freiheit zog der Tross in Richtung Brandteich.

Der traditionsreiche Zug gehört zu einem der größten in Solingen. Zur 44. Ausgabe kamen besonders viele Besucher.

Von Sabine Firouzkhah

Sonntag, früher Abend: Halb Gräfrath scheint auf den Beinen zu sein. Laternenkinder strömen auf das Eugen-Maurer-Haus zu, davor stehen hunderte Menschen und warten auf Sankt Martin. „Wir sind einer der größten Züge in Solingen. Etwa 1000 Menschen folgen uns jedes Jahr“, sagt Dragan Denic von der Arbeitsgemeinschaft Gräfrather Vereine (Arge), die den Zug seit 44 Jahren organisiert. Diesmal werden es sogar noch weit mehr: Rund 2000 Besucher zählt der Martinszug nach Angaben der Arge dieses Jahr.

In Gräfrath herrscht Tradition: Hier erscheint Sankt Martin hoch zu Ross. Der Wallach Point ist schon zum vierten Mal dabei. Neugierig tänzelt er zum Aufmarschort und blickt mit wachen Augen in das Getümmel. Geritten wird er zum ersten Mal nicht von seinem Besitzer Manfred Stüttgen, sondern von Hans-Peter Hafer. Beide sind Mitglieder der Wahren Bergischen Ritterschaft, erzählt Dragan Denic. Daher sei das Pferd an Trubel gewöhnt.

Um 17.15 Uhr startet der Zug über Schulstraße, Wuppertaler Straße und die Straße In der Freiheit Richtung Brandteich. Für die passende Geräuschkulisse sorgen zehn Mankhauser Musikanten unter der Leitung von Thomas Scholz. Mit dabei sind seit 15 Jahren seine Söhne Tobias und Fabian, die sich trotz Berufs in anderen Städten das Spielen beim Gräfrather Martinszug nicht nehmen lassen. „Die Wurzeln sind eben hier“, sagt Fabian Scholz lachend.

Auch Kyra und Benjamin Reichert lassen sich das jährliche Martinsfest nicht nehmen. Sie sind mit der ganzen Familie gekommen, zwei eigenen Kindern, dem Cousin, der Oma und acht Enkeln. Kyra Reichert ist bereits seit 35 Jahren dabei.

650 frisch gebackene Weckmänner wurden an die Besucher verteilt

An der Strecke entlang warten Kinder und Eltern mit selbst gebastelten Laternen, um sich dem Zug-Ende anzuschließen. Hinter den Scheiben der anliegenden Häuser sind neugierige Gesichter zu erblicken. An der Garnisonstraße wird es eng: Hier steht der Transporter von Arge-Mitglied Roland Todtenbier mit 650 frisch gebackenen Weckmännern. „Wir verteilen sie kostenlos. Jedes Kind soll die Chance haben, einen zu bekommen“, sagt Dragan Denic und berichtet von Zeiten, als die Weckmänner noch über Coupons von den Schulen zu bekommen waren. „Da gingen mitgebrachte Freunde oder auswärtige Gäste oft leer aus.“ Nun werden die Weckmänner durch eine Lotterie und Spenden finanziert.

ORGANISATION

ARGE Den Gräfrather Martinszug gibt es seit 44 Jahren. Organisator ist die Arge (Arbeitsgemeinschaft Gräfrather Vereine). Ihr gehören neben dem Gräfrather Heimatverein weitere elf Vereine an. Die Arge organisiert viele Veranstaltungen wie das Gräfrather Marktfest oder die Weihnachtsbeleuchtung.

Am Brandteich wird es heiß. Die Feuerwehr hat für ein riesiges Palettenfeuer gesorgt. Funken stieben. Drumherum versammeln sich Familien und essen ihre Weckmänner. „Guck mal“, sagt Thorsten (5). „Das Feuer geht bis in den Himmel.“ Auch die dreijährige Mia hat ihren Spaß und ist ganz aufgeregt, als Hans-Peter Hafer mit Point auf einem abgesteckten Parcours seine Runden dreht, um endlich dem frierenden Bettler (Matthias Lübke) die Hälfte seines Mantels zu schenken. „Weil der ihn braucht“, sagt ein Knirps mit wissenden Augen.

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