1976 schloss der letzte Schleifer die Tür

Beim Kauf 1993 stand nur noch das Mauerwerk des Kottens. Heute ist es ein schmuckes Anwesen. Fotos: Christian Beier

OBENRÜDENER KOTTEN 1997 gab’s den Denkmalschutzpreis. Gebäude soll jetzt verkauft werden.

Von Susanne Koch

Ein Jahr lang hat Lisa Demmer mit sich gerungen – und dann schweren Herzens einen Entschluss gefasst. Sie will den Obenrüdener Kotten verkaufen. „Besser ausgedrückt, der Kotten ist in liebevolle Hände abzugeben“, sagt die 51-Jährige. Gemeinsam mit dem Vater ihrer Kinder, Holger Demmer, hatte sie das Anwesen 1993 gekauft. Eingezogen ist der Schreiner mit seiner Frau und den Kindern Annika und Mathias schließlich 1995.

WEITERE INFOS KOTTENAm Standort „Blaumühle“ wurde im Jahr 1739 ein Fachwerkkotten errichtet, in dem Schneidwaren bearbeitet wurden. Nach einem Brand 1906 wurde der Kotten als Backsteinbau von selbstständigen Handwerkern wieder aufgebaut. Damals arbeiteten dort fast 100 Menschen. Bis in die 60er Jahre wurde die Energie aus der Wupper gewonnen. 1976 gab man die Schleiferei auf. VERKAUF Der Kotten wird heute bei Engel & Völkers für 870 000 Euro angeboten. Heute ist Holger Demmer im Entwicklungsdienst in Afghanistan tätig. Die Kinder sind erwachsen und leben in Köln, das erste Enkelkind ist da. „Meine Eltern gehen auf die 80 Jahre zu“, sagt Lisa Demmer. „Weil ich gerne in ihrer Nähe sein möchte, ziehe ich nach Bergisch Gladbach.“ Eine Vollzeitstelle zu haben, das 17 000 Quadratmeter große Anwesen zu versorgen, die 500 Quadratmeter große Wohnfläche, darunter zwei Ferienwohnungen, das alles sei auf Dauer zu viel Arbeit geworden. „Deshalb habe ich mich jetzt entschieden, diesen Schritt zu gehen“, sagt sie. „In zehn Jahren, glaube ich, würde ich den Absprung gar nicht mehr schaffen. Wir haben hier als Familie ganz viel Liebe, Energie, Kraft, Zeit und auch Geld hineingesteckt.“ Denn als die Demmers 1993 den Kotten von der Immobau gekauft hatten, stand das Gebäude schon lange leer, die Fenster waren herausgeschlagen, einzig das Mauerwerk mit den roten Backstein-Ziegeln und das Dach standen noch. Für die Restauration bekamen die Demmers 1997 den Denkmalschutzpreis des Solinger Geschichtsvereins.

Nach dem Wiederaufbau als Schreinerei und Wohnung genutzt

„Als meine Eltern durch die Rodenkirchens vom Wipperkotten von dem Gebäude erfuhren, passte das insofern ganz gut. Wir suchten Platz für eine Schreinerei mit Wohnmöglichkeit, und es stand ein Sanierungsplan für die Altlasten.“ Davor gab es 15 Jahre lang Stillstand um die Zukunft des Industriegebäudes.

Viele Besucher kamen zwischen 1996 und 2001 in die Hofschaft: Regelmäßig fanden Kulturveranstaltungen in der Schreinerei statt. „Und seit über sieben Jahren bieten wir das benachbarte Steinhaus und den Loft als Ferienwohnung mit großem Erfolg an. „Wir haben Gäste aus der näheren Umgebung, die kommen jedes Jahr, um ein Wochenende in der Idylle zu verbringen“, erklärt Lisa Demmer. „Viele kommen aber auch aus Amerika und Holland.“ Gerade waren drei Gäste aus Dubai da.

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