Theater

170 Zuschauer loben Ensemble für „Der Trafikant“

Franz (l.) auf dem Bahnsteig. Mit 17 Jahren startet er in Wien in ein neues Leben – eine Geschichte über das Erwachsenwerden, die Freundschaft und die erste Liebe. Foto: Christian Beier
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Franz (l.) auf dem Bahnsteig. Mit 17 Jahren startet er in Wien in ein neues Leben – eine Geschichte über das Erwachsenwerden, die Freundschaft und die erste Liebe.

Westfälisches Landestheater ließ wegen der Corona-Vorgaben einige Szenen aus – das merke das junge Publikum sofort.

Von Tanja Alandt

Solingen. Durch die schnelle Unterstützung von Anja Stock und dem Cobra-Team konnte das Westfälische Landestheater mit „Der Trafikant“ trotz des Wasserschadens im Theater und Konzerthaus nun doch in Solingen auftreten. Das fünfköpfige Ensemble führte das Stück in einer Inszenierung von Felix Sommer am Dienstagabend vor rund 170 Zuschauern, darunter sechs Schulklassen, auf der kleineren Bühne auf. Über die „flexible Lösung und gute Kooperation“, zeigte sich Malte Jäger, Veranstaltungsmeister dieses Abends, glücklich.

Dramaturgin Sabrina Klose führte in das Stück nach dem gleichnamigen Roman von Robert Seethaler aus dem Jahr 2012 ein. Dann startete die Geschichte über das Erwachsenwerden, die Freundschaft und die erste Liebe mit der Ankunft des Protagonisten Franz (Chris Carsten Rohmann) in Wien.

Kurz bevor Österreich 1938 an das Deutsche Reich „angeschlossen“ wurde, verließ er mit 17 Jahren seine Heimat Salzkammergut, um im Tabak- und Zeitungsgeschäft des Kriegsinvaliden Otto Trsnjek (Mark Plewe) seine Lehre zu absolvieren. Dort trifft er auf den jüdischen Stammkunden Sigmund Freud (Vincent Bermel), dem er – neben dem Briefwechsel zu seiner Mutter (Thyra Uhde) – sein Herz, besonders wegen der böhmischen Varieté-Tänzerin Anezka (Luisa Cichosch) ausschüttet, in die er sich verliebt hatte.

Als das 90-minütige Stück endete, waren die Zuschauer so in der Geschichte versunken, dass sie zunächst vergaßen zu applaudieren. Dies holten sie aber dann lautstark und langandauernd mit begeisterten Pfiffen nach.

Im Anschluss gab es ein Publikumsgespräch

Im anschließenden Publikumsgespräch erkundigten sich die Besucher sofort nach den fehlenden Träumen des Protagonisten, die er nach der Geschichte im Roman als Traumnotizen an die Scheibe der Trafik klebt.

Die Dramaturgin und das Ensemble erklärten, dass sie aufgrund der Corona-Richtlinien, bei der sie eine 90-minütige Spieldauer ohne Pause einhalten müssen, einige Szenen ändern, kürzen oder streichen mussten. Auf Franz‘ Träume wollte das Publikum jedoch nicht verzichten: „Wenigstens ein Traum!“, forderte eine Zuschauerin ergebnisoffen als Kompromiss.

Extra-Applaus gab es für das überzeugende Schauspiel der Darsteller, die mehrere Rollen zu besetzen hatten und sich hinter der Bühne oft und geschwind umziehen mussten.

Beeindruckt davon waren auch Celine und Alin von der August-Dicke-Schule. Sie fanden zudem die Umsetzung des Theaterstücks nah der Buchvorlage „sehr gelungen“. Als „eine gute Ergänzung“ zum Buch und Film empfanden Erdem und Elyesa vom Gymnasium Vogelsang das Theaterstück. Das Bühnenbild – bestehend aus großen Zigarrenkisten und einer umwandelbaren Projektionsfläche – hätte ihrer Meinung nach auf einer größeren Bühne noch besser gewirkt. Süeda und Finn waren von dem Stück positiv überrascht und schätzten die kompakte Zusammenfassung, rechneten jedoch nicht mit der authentischen Uniform des SS-Offiziers und dem Zeigen von Hakenkreuzen.

Der Trafikant

Das Stück „Der Trafikant“ nach dem gleichnamigen Roman des österreichischen Schriftstellers, Drehbuchautors und Schauspielers Robert Seethaler, richtet sich an Jugendliche ab 15 Jahren beziehungsweise an Schüler ab der 10. Klasse und ist Thema im Zentralabitur.

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