Gericht im Dilemma

Zweiter Springmann-Prozess: Urteil fällt

Dass der Geschäftspartner des Springmann-Enkels – hier mit seinem Verteidiger – am Tatort war, steht außer Frage. Aber ob er an der Tat beteiligt war oder erst danach kam und half, die Spuren zu beseitigen, ist ungeklärt. Foto: dpa
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Dass der Geschäftspartner des Springmann-Enkels – hier mit seinem Verteidiger – am Tatort war, steht außer Frage. Aber ob er an der Tat beteiligt war oder erst danach kam und half, die Spuren zu beseitigen, ist ungeklärt.

Die Tat in Ronsdorf ist bisher nicht komplett aufgeklärt – heute Plädoyers.

Von Katharina Rüth

Wuppertal. Die Beweisaufnahme im zweiten Springmann-Prozess ist beendet. Das Gericht lehnte am Dienstag weitere Beweisanträge der Staatsanwaltschaft ab. Damit werden am nächsten Verhandlungstag am Donnerstag voraussichtlich die Plädoyers gehalten. Die Staatsanwaltschaft hatte noch zwei Beweisanträge gestellt und eine Beweisanregung gegeben, mit denen sie ihre Sicht auf die Tat darstellte.

Das Unternehmerpaar Christa und Enno Springmann wurde im März 2017 tot in seinem Haus in Ronsdorf aufgefunden. Das Landgericht Wuppertal verurteilte anderthalb Jahre später den Enkel des Paars zu lebenslanger Haft.

Das Gericht lehnte Beweisanträge ab

Mitangeklagt war der Geschäftspartner (48) des Enkels, doch dieser wurde freigesprochen. Weil die Staatsanwaltschaft dagegen in Revision ging, verhandelt jetzt das Düsseldorfer Landgericht erneut gegen den Geschäftspartner.

Und hat bereits erklärt, dass es zu ähnlichen Schlüssen wie das Wuppertaler Gericht kommt: Es könne nicht geklärt werden, ob der Geschäftspartner an der Tötung der Springmanns beteiligt war oder ob er erst nach der Tat kam und half, Spuren zu beseitigen. Um den 48-Jährigen verurteilen zu können, muss sich das Gericht für eine Variante des Tathergangs entscheiden.

Die Staatsanwaltschaft beantragte am Dienstag, Mitarbeiter der Firma des Enkels zu vernehmen, in der der 48-jährige Geschäftsführer war. Sie könnten bezeugen, dass der 48-Jährige Gehalt und einen Dienstwagen erhielt, ohne eine Leistung für die Firma zu erbringen. Und dass sich das Verhältnis zwischen dem Enkel und seinem Geschäftsführer nicht abgekühlt hatte, wie vom Enkel behauptet. Die These der Staatsanwaltschaft: Der Geschäftspartner „war der Beschützer“ des Enkels gegen mögliche Anfeindungen, zur Not habe er auch Gewalt anwenden sollen.

Das Gericht lehnte den Antrag ab, weil die Gehaltszahlung ohne Leistung bereits erwiesen sei. Die Kammer gehe ohnehin davon aus, dass der Geschäftspartner im Haus der Springmanns war. Dieser Beweis führe nicht dazu, eine der Tatvarianten für wahrscheinlicher zu halten als die andere.

Die Staatsanwaltschaft wollte auch zwei Zeuginnen hören, die wüssten, dass Enno Springmann wenig koffeinhaltigen Kaffee getrunken habe. Da Koffein in seinem Magen war, könne er nur bis spätestens 17 Uhr, kurz nach dem Kaffeetrinken, getötet worden sein. Das ergebe unter anderem mit der DNA des Geschäftspartners auf dem Kopfkissen Enno Springmanns eine „lückenlose Indizienkette“: Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft versuchte der Enkel, den Geschäftspartner am Nachmittag des Tattags telefonisch zu erreichen, traf ihn dann persönlich und sie seien zum Haus der Springmanns gefahren. „Hintergrund kann nur der verabredete Plan zum Töten der Springmanns gewesen sein. Eine andere Erklärung hat sich nicht ergeben“, erklärte der Staatsanwalt.

Doch auch diesen und weitere Beweisanträge lehnte das Gericht ab. Der Vorsitzende Richter erklärte, Anträge und Anregung würden nicht aus dem Dilemma führen, zu entscheiden, welche Tatversion wahrscheinlicher ist. Das Gericht könnte im Anschluss an die Plädoyers am Donnerstag das Urteil verkünden.

Prozess

Verfahren: Der erste Prozess vor dem Wuppertaler Landgericht begann ein Jahr nach der Tat, am 23. März 2018. Er dauerte 45 Verhandlungstage. Das überraschende Urteil fiel am 13. November 2018. Ein Jahr später, am 14. November 2019, verhandelte der Bundesgerichtshof, seine Entscheidung verkündete er am 8. und 9. Januar. Der Prozess in Düsseldorf begann am 20. August 2020.

Urteil: Der Enkel der Springmanns wurde wegen Totschlags und Mordes an seinen Großeltern zu lebenslanger Haft verurteilt.

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