ÖPNV

Zwei Stunden von Düsseldorf nach Wuppertal

Endlich angekommen: Corinna Hermanns vor dem Busbahnhof am Döppersberg in Wuppertal.
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Endlich angekommen: Corinna Hermanns vor dem Busbahnhof am Döppersberg in Wuppertal.

Fahrgäste sind verärgert über Streckensperrung – Probleme mit dem Schienenersatzverkehr.

Von Sofie Reichel

Wuppertal. Orientierungslos stehen die Menschen am Bahnhof. Die Bahnen nach Düsseldorf fahren nicht. Verwirrt fragen die Pendler andere Passanten, wo der Schienenersatzverkehr zu finden sei. Eine Antwort bekommen sie darauf nicht.

Seit Freitagabend ist der Bahnabschnitt zwischen Düsseldorf-Gerresheim und Wuppertal-Vohwinkel gesperrt. Die Deutsche Bahn möchte insgesamt zehn neue Weichen installieren und die Leit- und Sicherungstechnik anpassen. Geplant war das 25-Millionen-Euro-Projekt vom 24. Juni ab 21 Uhr bis zum 5. August 2022 bis 21 Uhr. Für Pendler bedeutet dies, dass sie längere Fahrzeiten einplanen müssen. Jedoch scheint das nicht das einzige Problem zu sein.

Am Wuppertaler Hauptbahnhof selbst ist für Fahrgäste nicht sofort ersichtlich, wie sie nach Düsseldorf kommen sollen. Kleine Plakate weisen an den Gleisen darauf hin, dass die Verbindungen nach und über Düsseldorf durch den Schienenersatzverkehr (SEV) ersetzt werden. Eine Beschreibung, wo der SEV abfährt, steht auch darauf. Auffällig ist es für die meisten Pendler jedoch nicht.

Eine Passantin erzählte, sie habe sich bei dem DB-Reisezentrum informiert. „Die Dame am Reisezentrum sagte, dass ich an dem Gebäude vorbei müsse und dann werde ich das schon sehen. Dann habe ich mich ein bisschen verloren gefühlt, weil gesehen habe ich erst mal nichts“, so die Passantin.

Schwierigkeiten beim Finden des Schienenersatzverkehrs

Nicht nur in Wuppertal scheint es Schwierigkeiten beim Schienenersatzverkehr zu geben. Für Corinna Hermanns war am Montagmorgen der Tag gekommen, an dem sie sich dem Schienenersatzverkehr stellen musste. Am Tag zuvor informierte sie sich über die Deutsche-Bahn-App und über die Seite der elektronischen Fahrplanauskunft (EFA) über die Verbindungen von Düsseldorf nach Wuppertal. Sie wusste, da ihr ein Kollege es vorher erzählt hatte, dass es zum einen Busse geben werde, die die S-Bahnen ersetzten, zum anderen Schnellbusse, die für die Regionalexpresse (RE) eingesetzt würden.

Natürlich konzentrierte sie sich auf die Verbindung mit dem schnellen SEV. Diese fahren mit nur einem Stopp von Düsseldorf bis Wuppertal-Hauptbahnhof beziehungsweise ohne Stopp von Düsseldorf nach Vohwinkel durch. Der Morgen des 27. Juni beginnt also um 4 Uhr. Um 5 Uhr geht es zur Haltestelle der Straßenbahn, um überhaupt erst einmal den Hauptbahnhof (Hbf) zu erreichen. Ihr Plan: Um 5.11 Uhr in die Straßenbahn reinhüpfen, um 6.23 Uhr am Wuppertaler Hbf raushüpfen. Als sie schließlich dort ankommt, läuft sie entlang der Bushaltestellen in dem Wissen, dass ihre Umsteigezeit auf einige wenige Minuten begrenzt ist.

Dort steht tatsächlich ein Bus, allerdings mit der Aufschrift „S 8 Wuppertal-Vohwinkel“. Sie weiß, dass das nicht der Bus ist, den sie eigentlich erreichen wollte. Aber sie fühlt sich zur Eile angetrieben, will pünktlich zur Arbeit und schaut sich also nicht noch nach dem richtigen Verkehrsmittel um, sondern steigt ein. Die Fahrt dauert dann sehr lange, geht über Land und nicht über Autobahn. Die Verunsicherung ist weiter groß und die Zeit sitzt ihr im Nacken. Also steigt sie einfach in Vohwinkel aus – obwohl sie glaubt, dass der Bus doch noch bis zum Hauptbahnhof durchgefahren ist – und fährt das letzte Stück mit der Schwebebahn.

Um 7 Uhr erreicht sie endlich ihr Ziel mit einer halben Stunde Verspätung. Nun gut zwei Stunden Fahrt für eine Strecke, für die sie üblicherweise 25 Minuten baucht. Zudem hat sie nicht nur den falschen Bus bestiegen, sondern ist auch zu früh ausgestiegen. Ein Arbeitskollege, der ebenfalls aus Düsseldorf kommt, sagte ihr später auch, dass die Schnellbusse an der Haltestelle für Fernbusse stehen. Somit weiß sie das jetzt auch und kann für die nächsten sechs Wochen direkt die richtige Haltestelle ansteuern.

Auch für eine Studentin an der Bergischen Universität Wuppertal war die erste Fahrt seit der Bahnsperrung ereignisreich. „Es war der Horror“, so die Studentin. Sie musste eine Stunde früher aus dem Haus, damit sie pünktlich an der Universität ankommt. In Düsseldorf sei für sie auch nicht ersichtlich gewesen, wo der Schienenersatzverkehr abfährt. Der Bus sollte zwar die Bahn ersetzen, aber auch die Studentin musste die Erfahrung machen, dass in Vohwinkel die Fahrt zu Ende war. Sie ist daraufhin mit der Bahn weiter zum Hauptbahnhof gefahren und hat für den gesamten Weg zwei Stunden gebraucht.

Offiziell sollen die Bauarbeiten am 5. August zu Ende sein

Schon 2017 gab es eine große Bahnsperrung zwischen Düsseldorf und Wuppertal. Damals war Wuppertal jedoch komplett vom Schienenverkehr getrennt, so dass Fahrgäste, die nach Hagen, Solingen, Köln, Essen und Mettmann wollten, auch mit dem SEV fahren mussten. Das ist bei dieser Sperrung nicht der Fall.

Offiziell sollen die Bauarbeiten zwischen Düsseldorf Gerresheim und Wuppertal Vohwinkel ab dem 5. August um 21 Uhr vorbei sein. Bei Vorarbeiten wurde jedoch unterhalb der Gleise „unerwartet mehrere Leitungen und Rohre entdeckt“. Nach Angaben der Deutschen Bahn handelt es sich um „Telekommunikations- und Stromleitungen“, die nicht der Bahn gehören und die auch nicht „in den übermittelten Plänen der Betreiber“ vermerkt waren.

Die Leitungen liegen nur 50 Zentimeter unter dem Gleisbett, obwohl anderthalb Meter vorgeschrieben sind. Deshalb müssen diese demontiert und neu verlegt werden. Hinzu kommt auch, „dass einige der vorgefundenen Schutzrohre Asbest enthalten“. Laut Bahn zeichnet sich jetzt schon ab, dass die Streckenmodernisierung in den Sommerferien nicht abgeschlossen werden kann und damit nach dem 5. August mit weiteren Streckensperrungen zu rechnen ist.

Für Pendler werden es schwierige Wochen. Da gerade die Sommerferien angefangen haben, dürfte es für die Fahrgäste zunächst nicht zu überfüllten Bussen kommen. Wie es nach den Ferien aussehen wird, ist noch nicht klar. Fest steht jedoch, dass mit längeren Fahrzeiten gerechnet werden muss.

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