Notfall

Zwei Paletten Jod nach Reaktor-GAU

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Das Atomkraftwerk Tihange im belgischen Huy. Im Juli 2018 waren dort Risse entdeckt worden. Experten betonten damals, dass dieses feinen Risse die Kraftwerke Tihange 2 und Doel 3 nicht unsicher machten. 

WUPPERTAL Wuppertal hat rund 290.000 Tabletten bekommen. Stadt arbeitet an einem Verteilungsplan.

Von Eike Rüdebusch

Sollte es in dem Kernkraftwerk Tihange im Belgischen Grenzgebiet oder einem anderen Kernkraftwerk zu einem Unfall kommen, wird die Bevölkerung mit Jod versorgt. Das betrifft nicht nur die unmittelbare Umgebung, sondern auch Wuppertal. Die Stadt an der Wupper liegt im entfernten Umkreis des Meilers in Belgien – wie auch der Anlage im Emsland oder des Reaktors in Grohnde.

Deswegen hat auch Wuppertal vom Land ein Kontingent an hochdosierten Jodtabletten, eigentlich Kaliumiodid-Tabletten, erhalten, die die Sättigung der Schilddrüse mit radioaktivem Jod verhindern sollen. Der Stadt stehen knapp 290 000 Tabletten zur Verfügung – das entspricht zwei großen Paletten.

Im Falle eines Notfalls in einem der Meiler würden die Tabletten an die Bevölkerung verteilt, erklärt Andreas Steinhard, stellvertretender Leiter der Wuppertaler Feuerwehr. Wie das passieren soll, wird derzeit von der Feuerwehr, dem Gesundheitsamt, der Schulamt, Sport- und Bäderamt und den Apothekern ausgearbeitet.

Wer im Bedarfsfall versorgt wird, ist geregelt

Die Stadt sei schon jetzt in der Lage zu handeln, versichert, Steinhard, aber wenn die Verhandlungen mit dem Apotheker-Verband abgeschlossen seien, dürfte es deutlich schneller gehen. Die Versorgung mit den Tabletten gehe auf einen Landeserlass zurück, die Art der Verteilung sei den Kommunen aber freigestellt. Deswegen arbeitet die Stadt an dem Versorgungsplan.

Wer im Bedarfsfall versorgt wird, ist allerdings geregelt: In einer Entfernung zwischen 25 und 100 Kilometern alle Personen bis 45 Jahre, im weiteren Umkreis gibt es Tabletten nur für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren sowie Schwangere und Stillende.

JODTABLETTEN

REMSCHEID Nach einem Störfall sollen die Remscheider Apotheken an alle Schwangeren und an alle Remscheider unter 18 Jahren mehr als 100 000 Jodtabletten verteilen. Die Leitstelle der Berufsfeuerwehr informiert im Katastrophenfall über die Medien die Öffentlichkeit.

SOLINGEN Die Verteilung der Jodtabletten erfolgt im Katastrophenfall über eine Struktur, die sich an den Wahllokalen orientiert. Es gibt eine Ausgabestelle für Jod-Tabletten pro Wahlbezirk – insgesamt 50 Stellen. An diesen Ausgabestellen wird Verwaltungspersonal die Tabletten verteilen.

Dass in Deutschland Personen über 45 nicht mehr mit Jod versorgt werden, hängt laut Bundesministerium für Strahlensicherheit damit zusammen, dass mit steigendem Alter die Wahrscheinlichkeit abnimmt, durch ionisierende Strahlung an Schilddrüsenkrebs zu erkranken. Außerdem gebe es in höherem Alter häufiger Nebenwirkungen durch Jodpräparate. Wie hoch die Dosierung ist, hängt von Alter, Größe und Gewicht ab. Laut Ministerium liegt die zwischen einer Vierteltablette für Kinder bis drei Monate und zwei Tabletten für Menschen über zwölf Jahren sowie für Schwangere.

Eine Verteilung der Tabletten vorab ist nicht möglich, weil diese durch das Innenministerium mit einer Verfügung ausdrücklich untersagt wurde. Die Planungen für den Notfall in Wuppertal laufen noch. Wenn sie abgeschlossen sind, will die Stadt darüber informieren. Über das prinzipielle Vorgehen im Notfall und die Wirkweise der Tabletten informiert das Strahlensicherheitsministerium im Internet.

jodblockade.de

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