Zuwachs im fast menschenleeren Zoo

Der kleine Elefantenbulle Tsavo hat derzeit viel Ruhe, um die Außenanlage zu erkunden. Fotos: Grüner Zoo
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Der kleine Elefantenbulle Tsavo hat derzeit viel Ruhe, um die Außenanlage zu erkunden. Fotos: Grüner Zoo

Besonders die Affen vermissen die Gäste. Fehlender Eintritt reißt Millionenloch in die Wuppertaler Stadtkasse.

Von Daniel Neukirchen

Wuppertal. Tolles Frühlingswetter, Elefanten-Nachwuchs und dann beginnen auch noch bald die Osterferien. Normalerweise würde sich der Wuppertaler Zoo unter diesen Vorzeichen vor Gästen kaum retten können. Laut Zoodirektor Arne Lawrenz kommen bei gutem Wetter an einem Wochenende 15 bis 20 000 Menschen in den Zoo. Doch in der Corona-Krise sind die Tiere auf unbestimmte Zeit unter sich. Nur ein Team von Pflegern hält den überlebenswichtigen Kontakt mit den Bewohnern. Im Tierreich geht das Leben ganz normal weiter.

Silja Herberg, stellvertretende Zoodirektorin, gewährte nun einen kleinen Einblick in den Alltag von Elefanten und Co. Die Goldkatzen und Nebelparder räkeln sich in der Sonne. Sie finden es super, dass sie nun endlich einmal für mehrere Tage am Stück keinen Trubel um sich haben. Herberg sagt: „Gerade die scheuen Tiere genießen die Ruhe.“

Für andere Tiere bedeutet die Einsamkeit hingegen mehr Langeweile. Im Affenhaus macht sich Irritation breit – keine spannenden Leute mehr. Herberg berichtet: „Die Menschenaffen schauen sich normalerweise die Besucher an und sind sehr interessiert.“ Ebenso auf Menschenkontakt seien die Seelöwen und die Rothunde aus.

Tsavo kippt immer wieder vor Müdigkeit um

Viele Zoo-Fans sind besonders traurig, dass sie die ersten Wochen von Elefanten-Baby Tsavo nicht live mitverfolgen können. Anfang März erblickte der kleine Bulle das Licht der Welt. Die zurückliegenden Tage waren aufreibend für ihn. Seine Mutter ließ ihn nicht schlafen, so dass Tsavo immer wieder vor Müdigkeit umgekippt ist. „Das ist bei Elefanten in der Wildnis ganz normal“, sagt Herberg. Die Mütter interpretierten ein liegendes Jungtier als schlechtes Zeichen. Doch die stellvertretende Zoodirektorin versichert: „Tsavo ist gesund. Er war nur in den ersten Tagen etwas müde.“ Inzwischen habe sich das Problem gelöst und der Jungbulle werde immer agiler. Die Akzeptanz der Herde sei gut und auch das abgeknickte Ohr, mit dem Tsavo auf die Welt gekommen war, richte sich langsam auf.

Die Besucher haben aber noch weiteren Zuwachs verpasst: In den Tagen der Schließung kamen acht Ziegenbabys auf die Welt. Sie erkunden jetzt Tag für Tag ihr Gehege. Auch bei den Kurzohrrüsselspringern gab es Nachwuchs. Die Wüstentierchen, die an Spitzmäuse mit kurzen Ohren erinnern, haben einen Neuling willkommen geheißen.

Das alles konnten die Besucher bislang nicht mitverfolgen. Zumal der Zoo bislang keine Webcams installiert hat. Wie Herberg verrät, ist solch eine Neuerung zwar im Gespräch, wird aber noch diskutiert. Stadtsprecherin Martina Eckermann findet die Idee gut. „Die Leute sollen ja in den Zoo kommen, daher gab es bislang keine Webcams. Aber in der jetzigen Situation wäre das vielleicht eine gute Lösung.“

Für die Freunde des Zoos gibt es derweil nur ein Trostpflaster: den Blick von der Sambatrasse. Mit Glück lassen sich auf diese Weise sogar Tiger und Löwen sehen. Wie Silja Herberg berichtet, kommen etliche Wuppertaler an die Trasse, um einen sehnsüchtigen Blick in den Zoo zu werfen.

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