Gebäude

Zoosäle werden wohl nicht bis zur Buga 2031 saniert

Zoodirektor Arne Lawrenz, Dezernent Matthias Nocke sowie Andrea Nickl und Marian Berner (v.l.)vom Gebäudemanagement in den leerstehenden und ungenutzten Zoosälen.
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Zoodirektor Arne Lawrenz, Dezernent Matthias Nocke sowie Andrea Nickl und Marian Berner (v.l.)vom Gebäudemanagement in den leerstehenden und ungenutzten Zoosälen.

Über 60 Millionen Euro soll es kosten, die leerstehenden Räume instand zu setzen.

Von Anne Palka

Wuppertal. Die Kosten, die laut Stadt für die Sanierung der Zoosäle nötig wären, schnellen in die Höhe: Vor rund zwei Jahren ging eine Schätzung von 30 Millionen Euro aus, „heute müssen wir mindestens das Doppelte annehmen“, sagt Dezernent Matthias Nocke. „Wenn der Rat meint, es wäre an der Zeit, sich dem Thema zuzuwenden, müsste es eine Planungsphase geben, in der Budgetfragen mitbehandelt werden.“ Mit Blick auf das Investitionsprogramm des Gebäudemanagements und den städtischen Haushalt sei es nicht realistisch, dass die Zoosäle bis zur Bundesgartenschau 2031 fertig saniert sind. Der Grüne Zoo ist eins von drei Kernarealen der Buga.

Carsten Gerhardt, Vorsitzender der Wuppertalbewegung, hält die Kostenschätzung für überzogen. „Aus unserer Erfahrung kann man sicherlich für die Hälfte oder ein Drittel von dem bauen, was die Stadt veranschlagen würde“, sagt er in Bezug auf größere Projekte. Als Beispiel nennt er die Schwarzbachtrasse: Die Ausschreibungen lagen ursprünglich bei rund fünf Millionen Euro, letztlich kostete das Projekt 2,94 Millionen Euro. Er betont, dass es dabei nicht um Abstriche bei der Qualität gehe. Eine gute Koordination der Abläufe könne Baukosten massiv reduzieren.

Seit mehreren Jahren stehen die Zoosäle leer. 2008 wurde eine Schadenskartierung erstellt. Seitdem hat die Stadt mehrere Millionen Euro investiert, um die Gebäudesubstanz zu sichern. Beispielsweise wurden das Dach und Fenster saniert, damit keine weiteren Schäden durch Feuchtigkeit entstehen. „Über die Jahre läppert sich das“, sagt Andrea Nickl vom Gebäudemanagement. „Weiter zu sanieren und Wände einzureißen macht nur Sinn, wenn die Nutzung feststeht“, die langfristig sein soll.

„Das Gebäude mal eben zu reaktivieren ist utopisch“, sagt Matthias Nocke. Schon aufgrund der Größe: Die Gesamtfläche beträgt rund 4700 Quadratmeter, davon allein 2800 im Erdgeschoss.

Alleine kann der Zoo diegroßen Räume nicht bespielen

Vor ungefähr acht Jahren wurde ein Nutzungskonzept für das Gebäude entwickelt, erzählt Zoodirektor Arne Lawrenz: mit transparenter Tiermedizin, einer Ausstellung zur Artenvielfalt und der Zooschule. „Das sind wir mit einer gewissen Naivität rangegangen“, sagt er heute. „Als Zoo können wir das Gebäude definitiv nicht alleine bespielen“, auch mit Blick auf Miet- und Energiekosten. Es brauche mehrere Nutzer, deren Konzept zum Grünen Zoo passt.

Holger Bramsiepe, Vorsitzender des Buga-Fördervereins, wünscht sich, dass die Stadt eine Zwischennutzung für die Zeit während der Bundesgartenschau prüft – etwa eine Pflanzenausstellung in einem abgegrenzten Teil der Zoosäle. „Das wäre eine tolle Möglichkeit, sie vielleicht im Rahmen der Buga nutzen zu können“ – ohne die komplette Summe für eine vollständige Sanierung aufwenden zu müssen. Solche Ideen müssten nun entwickelt und weiterentwickelt werden, sagt Andra Nickl. Es kämen zahlreiche Fragen auf, zum Beispiel zu den klimatischen Bedingungen im denkmalgeschützten Gebäude und zum Brandschutz.

In der Wuppertaler Politik ist zwar der Willen da, die Zoosäle zu sanieren, jedoch auch Skepsis bezüglich der Finanzierung. „Unabhängig von der Buga wird es sehr schwierig, so etwas zu finanzieren“, sagt der SPD-Fraktionsvorsitzende Klaus-Jürgen Reese. Es sei noch überhaupt nicht klar, wie das Gebäude in die Gartenschau einbezogen werden kann. Ludger Kineke (CDU-Fraktionsvorsitzender) kann sich die Zoosäle gut als Teil der Buga vorstellen, „das ist ein tolles Gebäude. Das Geld aufzutreiben ist der schwierige Part dabei.“ Rein aus städtischen Mitteln, ohne private Investitionen, sei das nicht möglich. „Ich hielte es für sehr passend, die Zoosäle im Zusammenhang mit der Buga in einen guten Zustand zu versetzen.“

Der FDP-Fraktionsvorsitzende Alexander Schmidt bedauert: „Es ist schade, dass man das Gebäude so verkommen lässt. Von der Zooseite gibt es ein sehr trauriges Bild ab. Bisher ist eine Sanierung leider gescheitert, sie hatte keine politische Priorität.“

Die oberste Priorität im Zoo habe die Elefantenhaltung, sagt Dezernent Matthias Nocke. Und dort wird es knifflig. „Wir sind an der Grenze dessen, was akzeptabel ist“, bestätigt Zoodirektor Arne Lawrenz. Ohne Vergrößerung und Erneuerung der Elefantenanlage sei es nicht möglich, die Haltung und Zucht so fortzusetzen. Diese Baumaßnahmen sind Teil eines Konzepts für die Entwicklung des Zoos bis 2031 – dem Jahr der Buga. „Eine Buga und ein neues Elefantenhaus, das gehört ins Reich der Legenden“, sagt Matthias Nocke. Die Zoosäle stehen so in direkter Konkurrenz zum Tierwohl – und zu weiteren Maßnahmen im Investitionsprogramm des Gebäudemanagements, darunter die Sanierung vieler Schulen und der Neubau von Feuerwehrhäusern.

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