Zoo

Zahn-OP für Elefantenjungen Gus

Unter Vollnarkose wurde der Zahn von Gus behandelt. Foto: Zoo Wuppertal
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Unter Vollnarkose wurde der Zahn von Gus behandelt.

Wuppertals Zoo-Tierärztin Dr. Lisa Grund berichtet aus ihrem Alltag

Von Dr. Lisa Grund

Wuppertal. Die Stoßzähne der Elefanten sind im Tierreich einzigartig. Es sind nicht etwa Eckzähne, sondern umgebildete Schneidezähne, die dem Elefanten als Werkzeug zum Tragen von Ästen und Heu, zum Abschälen der Rinde von Baumstämmen und zum Ausgraben von Wurzeln dienen. Die Stoßzähne wachsen lebenslang, und da ihnen die für andere Zähne typische Beschichtung aus Zahnschmelz fehlt, wird die Spitze etwa im gleichen Tempo abgenutzt. Viele Elefanten entwickeln sogar eine Vorliebe für eine bestimmte Seite, ähnlich der Links- oder Rechtshändigkeit bei Menschen.

Mit Hilfe eines Silikonabdrucks wurde für Gus eine Schutzkappe aus Hartplastik hergestellt, die die Zahnfüllung vor äußeren Einwirkungen schützt.

Der zweijährige Elefantenbulle Gus, dessen Stoßzähne noch kaum mehr als 10 Zentimeter herausragen, hat sich beim Spielen und Erkunden der Anlage im Wuppertaler Zoo vor Kurzem den linken Stoßzahn abgebrochen. Das Innere der Stoßzähne ist mit Nerven und Blutgefäßen gefüllt, sodass es etwas dauerte, bis der Zahn nicht mehr blutete. Gus wiegt aber über 500 Kilogramm und hat damit insgesamt etwa 50 Liter Blut, daher war der Blutverlust für ihn völlig ungefährlich. Als Sofortmaßnahme wurde ihm zunächst ein Schmerzmittel verabreicht.

Die beste Chance, einen solchen Zahn gesund zu erhalten, ist die Vermeidung einer Infektion durch ein zeitnahes Versiegeln und Füllen des Zahnmark-Kanals in der Mitte des Zahns. Noch am selben Tag wurde Gus dazu in Vollnarkose gelegt. Schnelle und kompetente Hilfe bei der Versorgung des Zahns erhielt das Zoo-Team vom Wuppertaler Zahnarzt Dr. Klein und seinem Team.

Auch wenn die Dimensionen im Vergleich zu menschlichen Zähnen viel größer sind – der Zahnmark-Kanal von Menschen hat einen Durchmesser von weniger als 1 Millimeter, der des Elefanten ist gut 1 Zentimeter breit – konnte eine fachgerechte Füllung eingebracht und der Zahn versiegelt werden. Gus schonte den Zahn jedoch nicht und strapazierte die frische Füllung schon am nächsten Tag. Mit Hilfe eines Silikonabdrucks wurde daher noch eine passgenaue Schutzkappe aus Hartplastik hergestellt, die die Füllung vor äußeren Einwirkungen schützt.

In einer kurzen Behandlung unter Beruhigungsmittel wurde die Kappe mit Unterstützung von Herrn Dr. Klein angepasst und auf den Zahn geklebt. Jetzt hat der Zahn gute Heilungschancen.

Zur Person

Lisa Grund, seit 2017 im Wuppertaler Zoo, ist promovierte Fachtierärztin für Zoo- und Wildtiere und kommt aus Dortmund. Nach ihrem Abschluss 2013 in Leipzig forschte sie als Assistenzärztin im Duisburger Zoo für ihre Doktorarbeit über Blutparasiten bei Rentieren. Nach der Promotion ging sie in eine Dortmunder Praxis. Ihr Schwerpunkt dort: Vögel und Reptilien. Seit vier Jahren kümmert sie sich als Veterinärin um die Tiere im Wuppertaler Zoo und berichtet regelmäßig davon.

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