Pandemie

Zahl der Todesfälle steigt: Lockdown wirkt kaum

Das Kontingent der Bundeswehr zur Unterstützung des Gesundheitsamtes wird auf 40 erhöht. Archivfoto: Andreas Fischer
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Das Kontingent der Bundeswehr zur Unterstützung des Gesundheitsamtes wird auf 40 erhöht.

Inzidenzwert in Wuppertal kletterte wieder über 200 - Stadt erwartet schwierige Zeit nach Weihnachten und Silvester.

Von Andreas Boller

Wuppertal. Der seit November verhängte Teil-Lockdown hat in Wuppertal bisher nicht die erhoffte Wirkung gezeigt. Zwar ist das im Oktober drohende exponentielle Wachstum der Fallzahlen ausgeblieben, aber die Zahl der Neuinfektionen innerhalb von sieben Tagen ist weiterhin sehr hoch.

Wuppertal zählte am Donnerstag mit einem Inzidenz-wert von 203,94 und 724 Neuinfektionen innerhalb von sieben Tagen zu den am stärksten von der Corona-Pandemie betroffenen Städten in NRW. Die Zahl der mit und an Corona gestorbenen Wuppertaler ist auf 127 angestiegen. Das ist ein Anstieg um knapp 40 Todesfälle innerhalb eines Monats mit weiter steigender Tendenz.

Bei einem Inzidenzwert von mehr als 200 fordert das Land NRW von Kommunen oder Landkreisen zusätzliche Schutzauflagen. Wuppertal muss nun in Gesprächen mit dem NRW-Gesundheitsministerium ausloten, wie die Werte verbessert werden könnten. Angestrebt wird ein Inzidenzwert unter 50.

Bei aktuell 4671 Personen in Quarantäne ist eine Nachverfolgung der Kontakte von Infizierten kaum noch möglich. Die Schließung aller Schulen und Kitas sowie die Verhängung von Ausgangssperren stehen aber offensichtlich nicht zur Diskussion.

Johannes Slawig, Leiter des Krisenstabs, und Gesundheitsdezernent Stefan Kühn sprechen von einer „sehr ernsten Entwicklung“ in Wuppertal. „Wir verzeichnen keinen steilen Anstieg mehr, aber seit vier Wochen beobachten wir eine Seitwärtsbewegung der Fallzahlen. Wir haben keine zusätzlichen Auflagen vorbereitet, die wir jetzt aus der Schublade ziehen können. Ich hoffe daher, dass wir vom Land NRW Vorschläge erhalten werden, wie wir die Lage verbessern können“, sagt Slawig.

Große Sorgen bereitet Stefan Kühn, dass aktuell in drei Wuppertaler Alten- und Pflegeheimen (eine städtische und zwei in Trägerschaft) insgesamt 128 Corona-Neuinfektionen unter Bewohnern und Personal bestätigt sind. „Die Todeszahlen steigen in Wuppertal wie im Bundesgebiet sehr, sehr deutlich. Betroffen sind vor allem ältere Menschen. Die Spanne reicht von 73 bis 87 Jahren“, so Stefan Kühn. Die aktuellen Todesfälle seien überwiegend nicht in Altenheimen zu verzeichnen.

Das Gesundheitswesen steht unter Dauerstress

Nach Erkenntnissen des Gesundheitsamtes hätten sich die Todesopfer an den unterschiedlichsten Orten angesteckt. Es dauere zwei bis drei Wochen, bis sich die erhöhte Fallzahl in einer erhöhten Zahl von Patienten im Krankenhaus, von Intensivpatienten, beatmeten Patienten und Todesfällen niederschlage, warnt Stefan Kühn. Die anhaltend hohen Fallzahlen setzen das Gesundheitssystem in Wuppertal unter permanenten Stress. Von 150 Intensivbetten an fünf Klinikstandorten sind 22 mit Corona-Patienten belegt und noch 24 frei. Bei Engpässen könnten weitere Intensivplätze geschaffen werden.

Von einem Normalbetrieb im Gesundheitsamt kann seit dem Frühjahr keine Rede mehr sein, eine kurze Verschnaufpause gab es nur in den Sommermonaten, als die Zahl der Neuinfektionen pro Woche im einstelligen Bereich lag. Vor allem die Nachverfolgung der Kontakte von Infizierten sowie die Verordnung und Kontrolle der Quarantänemaßnahmen bringt einen großen Personalaufwand mit sich. Viele andere Aufgaben mussten zurückgestellt oder delegiert werden. So konnten nicht alle Kinder, die zwischen dem 1. April 2014 und dem 30. September 2015 geboren sind, eine Schuleingangsuntersuchung durch das Gesundheitsamt Wuppertal erhalten. Die wichtigen Untersuchungen wurden zum Teil von Kinderärzten übernommen.

Für Entlastung im Gesundheitsamt sorgt bei der Kontaktnachfolge bereits seit Wochen schon die Bundeswehr. Das Kontingent soll nun von 30 auf 40 Soldaten aufgestockt werden. 120 Stellen und 180 Mitarbeiter zählt das Gesundheitsamt inzwischen.

Ein weiterer Personalaufbau ist erforderlich, denn Corona verzögert die Abläufe und Aufgaben im alltäglichen Betrieb, zum Beispiel auch die Ausstellung von Genehmigungen für Baugenehmigungen. Das hat zum Beispiel das Unternehmen Pflege Wessel erfahren müssen, das auf die Bearbeitung eines Antrags auf Nutzungsänderung für Ambulant Betreute Wohngemeinschaften am Stationsgarten und Lienhardplatz in Vohwinkel ein knappes Jahr warten musste.

„Stadtentwicklung muss auch in diesen Zeiten weitergehen, es können nicht sämtliche Kräfte für das Thema Corona gebündelt werden und andere wichtige Aufgaben bleiben auf der Strecke. Diese Pflegeplätze werden dringend benötigt, sie sind seit langem reserviert. Wir hoffen, dass wir nun schnell mit den Baumaßnahmen am Stationsgarten und Lienhardplatz beginnen können“, sagt Michael Wessel, Inhaber Pflege Wessel und Stadtverordneter der CDU.

Impfzentrum

Ohne Bewerber endete die Ausschreibung für Aufbau und Betrieb des Impfzentrums auf dem Campus Freudenberg der Unit. Die Stadt Wuppertal kann nun frei mit Interessenten verhandeln. Darunter sollen Hilfsorganisationen sein. Am 15. Dezember soll das Impfzentrum betriebsbereit sein.

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