Neuseeland

Wuppertalerin lebt im Corona-Musterland

Neuseeland hat landschaftlich einiges zu bieten. Der Schnappschuss stammt aus Whananaki. Foto:
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Neuseeland hat landschaftlich einiges zu bieten. Der Schnappschuss stammt aus Whananaki.

Pepita Dinnebier berichtet über ihr Leben in Neuseeland und wie die Pandemie trotzdem ihre Pläne durchkreuzt.

Von Manuel Praest

Wuppertal. Am anderen Ende ist die Welt (fast) noch in Ordnung. Zumindest, was Corona angeht. „Der Inzidenzwert spielt hier keine Rolle“, erzählt Pepita Dinnebier. Seit sechseinhalb Jahren lebt sie jetzt in Auckland. An Corona wird die 29-Jährige vor allem erinnert, „wenn ich mit meiner Familie in Wuppertal telefoniere“.

Zeittechnisch ist Neuseeland Deutschland zwölf Stunden voraus. Was die Coronazahlen angeht, sind es Ewigkeiten. Aktuell liegt der Inzidenzwert, um den sich hierzulande alles dreht, bei den gut 4,8 Millionen Kiwis bei 0,5. Masken sind dort trotzdem noch im ÖPNV vorgeschrieben. Die App, mit der man zum Beispiel im Supermarkt QR-Codes scannen muss, damit im Fall der Fälle zurückverfolgt werden kann, in wessen Nähe man unterwegs war, „benutze ich natürlich auch“, sagt Pepita. Wie rigoros auf Fälle reagiert wird, zeigt sich ganz aktuell: Drei positive Tests in einem Haushalt der Millionenstadt Auckland haben zu einem Teil-Lockdown mit Homeoffice-Pflicht, Ausgangsbeschränkungen & Co. geführt.

Jacinda Ardern, die junge Premierministerin, die im vergangenen Jahr durch ihren Krisenkurs weltweit bekannt wurde, konnte Neuseeland zwischenzeitlich sogar mal für corona-frei erklären. „Die finden hier alle gut“, outet sich auch Pepita als Fan. Wobei es Kritiker gebe, denen Ardern dann doch „zu sozial sei“. In den Medien war oft vom „Corona-Musterland“ die Rede. Nun fällt das „Grenzen dichtmachen“ bei einem Inselstaat - der genau genommen aus einer Nord- und einer Südinsel besteht - natürlich auch einfacher. Allerdings seien die Menschen dort den harten Auflagen am Anfang der Pandemie genau gefolgt. „Die Leute haben es akzeptiert.“ Auch auf die aktuellen Fälle und den Lockdown „werden sich die Menschen schnell umstellen“, sagt Pepita. „Das System funktioniert.“

Wer einreisen will, muss immer noch für eine zweiwöchige Quarantäne ins Hotel. Auch ausreisen ist nur schwer möglich. Was den Kontakt Pepitas zu ihrer Familie momentan belastet. Im vergangenen Jahr war sie zuletzt in Deutschland, brach den Trip dann aber vorzeitig wegen Corona ab, „um wieder nach Hause zu kommen“. Seitdem war es nichts mehr mit raus aus Neuseeland. Dabei stand eigentlich jetzt eine Weltreise auf dem Programm, Ostern sollte es losgehen. Erster Stopp: Fidschi, Heimat der Familie ihres Mannes Imran väterlicherseits. Ihre Schwiegermutter ist Maori. Entsprechend bunt war die Hochzeit, ergänzt mit muslimischen Traditionen – und lang. Vier Tage wurde gefeiert. Kein Wunder, hat Dinnebier doch zwei Großfamilien zu ihrer eigenen Familie, bekannt über das Schloss Lüntenbeck, dazu gewonnen.

Dass Pepita einmal dauerhaft am anderen Ende der Welt leben würde, „habe sich so entwickelt“, erzählt sie im Zoom-Interview. „Go with the Flow“ beschreibt sie ihr Lebensmotto. Also etwa „mit dem Strom schwimmen“. Das erste Mal länger im weiter entfernten Ausland war sie in der zehnten Klasse am Gymnasium Bayreuther Straße in Wuppertal. Australien hieß damals das Ziel für ein paar Wochen. In der Elf sollte dann ein Halbjahr in einem englischsprachigen Land folgen, „weil mein Englisch nicht gut war“, lacht Pepita. In England war ihr das Wetter jedoch zu schlecht, die USA zu langweilig. Am Ende wurde es Neuseeland - auch, „weil die in der Pisa-Studie damals so gut abgeschnitten haben“.

An den ersten Tag in ihrer Schule in Rotorua erinnert sie sich noch gut. Mit fünf anderen Austauschschülern saß sie bei der Begrüßung in der Aula „und verstand kein Wort von dem, was vorne geredet wurde“. Immerhin schaffte sie es ins Fernsehen: Eine deutsche Mitschülerin nahm damals am Vox-Format „Auf und davon“ teil. So rutschte auch die Wuppertalerin regelmäßig ins Bild.

Und es passte auch ziemlich schnell mit Neuseeland - so gut, dass sie ihren Aufenthalt verlängerte und sogar ihr Abitur dort machte. „In meiner Gastfamilie war ich praktisch das fünfte Kind.“

Zum Studium ging es dann trotzdem zurück. Wirtschaftsinformatik in Münster sollte es sein. Als dann aber ein Praktikum anstand, wurde es wieder Neuseeland. Eigentlich nur für zwei Monate. Doch ein Klient des Unternehmensberaters, bei dem sie beschäftigt war, machte der Deutschen direkt ein Jobangebot. „Ich wollte das für zwei Jahre ausprobieren“, erinnert sie sich. Allen zuhause habe sie gesagt „Ich komme auf jeden Fall zurück“.

Corona verhindert aktuell die geplante Weltreise

Zurück ging es aber nur noch kurz, um von Deutschland aus die Vorkehrungen für das Arbeitsvisum zu regeln. Mit ihrem damaligen Freund reiste sie nach Neuseeland. Die Beziehung zerbrach nach einem Jahr, später lernte sie dann Imran kennen. Ganz romantisch - im Gym. „Er war mein Boxtrainer“, lacht die 29-Jährige.

In einem Vorort von Auckland leben die beiden jetzt, sie haben sich im vergangenen Jahr einen kleinen Bungalow gekauft. Das Leben in Neuseeland genieße sie sehr, sagt Pepita. Die Lebenseinstellung der Menschen, ihre Gastfreundschaft, das gefalle ihr einfach. Und natürlich habe auch das Leben an der Küste etwas Besonderes, betont sie.

Vier Tage lang feierten Pepita und Imran ihre Hochzeit in Neuseeland – zwei Großfamilien wachsen damit zusammen.

Neuseeland ein einziges Paradies? Nicht ganz - es gebe auch Schattenseiten. Der Umgang mit den Maoris an sich sei kein Problem, „das Problem liegt in dem System, in dem sie Jahrzehnte lang unterdrückt und benachteiligt wurden, etwas was sich nicht einfach ausbügeln lässt“, erzählt Pepita, die einiges über ihren Mann erfahren hat. „Rassismus ist oft Thema und existiert“, weiß sie. Vieles habe sich aber schon verbessert. Te Reo Maori, die Sprache der Ureinwohner, soll Pflichtfach in den Grundschulen werden und Matariki (Maori Neujahr) wird in 2022 erstmals „ein offizieller Feiertag.“

Ihre Heimat vermisst sie gerade jetzt wegen der Winterzeit im Schloss Lüntenbeck. Dort ist sie aufgewachsen, im Nebenhaus, einer ehemaligen Schnapsbrennerei, das ihre Familie damals umbaute. Und eigentlich sollte es bald auch wieder einen Aufenthalt in Deutschland geben. Als Abschluss der Weltreise. „Wir wollten eigentlich die Zelte in Neuseeland vorläufig abbrechen und für längere Zeit in Deutschland wohnen.“ Dem macht Corona aktuell aber einen Strich durch die Rechnung. Irgendwie spielt die Pandemie dann sogar am anderen Ende der Welt eine Rolle.

Name

Pepita ist die spanische Kurzform von Josepha - und wird in Deutschland eher selten gebraucht. In Wuppertal habe der Name sogar einen etwas negativen Touch, „durch Bergisch Pepita“, erzählt die 29-Jährige. In Neuseeland wiederum hat Pepita eine ganz andere Bedeutung. „Hier steht es für Kürbiskern.“ Auch der Name ihrer Schwester - Philine - ist eher ausgefallen.

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