Schwebebahn Wuppertal

Stadtwerke wehren sich gegen Totmannschalter für Schwebebahn

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Die Schwebebahn braucht keinen Totmannschalter, sagen die WSW.

Straßenbahnen müssen nach Vorfall umgerüstet werden. Gibt es eine Ausnahme für die Schwebebahnen?

Von Andreas Boller

Wuppertal. Die Geisterfahrt einer Straßenbahn in Bonn könnte teure Folgen für die Wuppertaler Stadtwerke haben. Die technische Aufsichtsbehörde für Straßenbahnen in Düsseldorf (TAB) hat den Fall rekonstruiert und will eine neue Sicherheitsvorkehrung einführen: den sogenannten Totmannschalter. Diesen Sicherheitsschalter muss der Führer einer Bahn alle 15 Sekunden betätigen, sonst wird das Fahrzeug automatisch zum Stillstand gebracht.

Die Wuppertaler Stadtwerke wehren sich allerdings dagegen, auch die Schwebebahnen umzurüsten. „Es wäre völlig überflüssig, diese Technik auch in den Schwebebahnen einzubauen. Mit der Einführung des neuen Betriebssystems im vergangenen Jahr ist eine automatische Sicherung geschaffen worden. Sie verhindert, dass zwei Schwebebahnen auf einem Streckenabschnitt fahren und würde eine führerlose Bahn automatisch stoppen“, sagt Ulrich Jaeger, Geschäftsführer der WSW mobil GmbH.

Die technische Ausstattung der Schwebebahn sei nach der Umrüstung auf dem aktuellen Stand und wurde von der Technischen Aufsichtsbehörde im vergangenen Jahr abgenommen. „Diese digitale Technik ist nicht vergleichbar mit den 40 Jahre alten Systemen in den Straßenbahnen“, sagt Jaeger.

21 Kilometer Kabel stecken in jeder neuen Schwebebahn

Die Anschaffung des neuen digitalen Betriebssystems kostete nach Angaben der Stadtwerke rund 20 Millionen Euro. Es soll einen Zweiminutentakt und ein Tempo von 60 km/h ermöglichen. Diese Ziele sind wegen diverser technischer Probleme noch nicht umgesetzt worden.

21 Kilometer Kabel stecken in jeder der neuen Schwebebahnen. In das bestehende System weitere Kabel und Schaltungen für den Totmannschalter zu integrieren, wäre der Alptraum für die Mitarbeiter der Schwebebahn-Werkstätten. Die WSW befürchten einen enormen Arbeitsaufwand und gewaltige Kosten, sollten die 31 Schwebebahnen umgerüstet werden müssen.

Die Aufsichtsbehörde hat den Betreibern der Bahnen eine Übergangsfrist von zwei Jahren eingeräumt. Die Anordnung soll in ganz Nordrhein-Westfalen bindend sein. Jaeger hofft auf eine Ausnahmeregelung für die Schwebebahn, die zudem im Gegensatz zu den 1700 Straßenbahnen im Land nicht andere Verkehre kreuzt.

HINTERGRUND

GEISTERFAHRT Im Dezember war eine Straßenbahn in Bonn mit Tempo 80 unkontrolliert 6,5 Kilometer weit gefahren. Der bewusstlos gewordene Fahrer hielt den Totmannschalter gedrückt. Trotz viermaliger Notbremsung stoppte die Bahn nicht. Laut Untersuchung lag kein technischer Defekt vor.

KONSEQUENZ Künftig soll der Totmannschalter nicht mehr dauerhaft gedrückt werden, sondern alle 15 Sekunden vom Fahrer betätigt werden. Andernfalls werde eine Zwangsbremsung eingeleitet.   red

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