Abkürzung

Wuppertaler nutzen gefährlichen Weg über die Gleise

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An der Grundstraße in Langerfeld kommt es immer wieder zu Gleisübertritten.

WUPPERTAL Ein Zaun soll den Bereich an der Schwarzbachtrasse sichern.

Von Claudia Kasemann

„Es ist nicht zu verstehen, warum Leute so unvernünftig sind und immer wieder die Gleise überqueren “, sagt Lutz Eßrich. Der zweite Vorsitzende der Wuppertalbewegung steht an der Langerfelder Grundstraße und blickt in Richtung Bahnstrecke. Die ist nur wenige Meter entfernt von der neuen Schwarzbachtrasse und wird offenbar immer wieder von Fußgängern überquert, um den Weg hinüber auf die andere Seite abzukürzen. Wer aufmerksam hinschaut, kann eine regelrechte Schneise entdecken: Die zeige, dass es den unerlaubten Pfad schon länger gibt, so Eßrich: „Nur ist das früher weniger aufgefallen, weil lange Zeit kaum Leute in dem Bereich unterwegs waren - es gab ja nichts, außer Dickicht und Wildwuchs.“

Nachbarn beobachten immer wieder Gleisübertritte

Nun aber wollen viele Wuppertaler den fast fertiggestellten Fuß- und Radweg nutzen, und die Verlockung ist offenbar groß, „mal eben“ über die Gleise zu laufen und dadurch einige hundert Meter zu sparen - denn der richtige Überweg führt ein Stück weiter weg in Richtung Langerfelder Zentrum.

Auch Familie Eckhardt, die in der Nähe wohnt, hat schon des Öfteren Gleisübertritte beobachtet, „und das beileibe nicht nur von jungen Leuten“, wie Brigitte Eckhardt feststellt: „Das ist höchst gefährlich, da müsste dringend etwas passieren.“ Eine Absperrung könnte helfen, „laut Stadtverwaltung sollte hier eigentlich bis zum 23. Dezember ein Zaun stehen, sagt Lutz Eßrich. Dazu sei das Gelände bereits gerodet worden, aber die Aufstellung habe sich verzögert. Das bestätigt Stadtdirektor Dr. Johannes Slawig: Zunächst sei die Errichtung des Zauns aus Witterungsgründen nicht möglich gewesen, und nun befinde sich das zuständige Unternehmen im Betriebsurlaub. „Aber wir haben den Zaun zugesagt, und er kommt.“ Voraussichtlich ab Montag, 6. Januar, sei damit zu rechnen. Vorgesehen sei ein Stabgitterzaun auf einer Länge von etwa 55 Metern und in einer Höhe von zwei Metern, ist aus dem zuständigen städtischen Fachbereich zu hören. Die Kosten betragen demnach rund 4000 Euro.

Bis die Absperrung steht, bleiben die Gleise weiter zugänglich. Zwar fahren die schnellen ICE-Züge sozusagen eine Etage tiefer, „aber es ist im Ernstfall ziemlich egal, ob man vom ICE oder vom Nahverkehrszug erfasst wird“, sagt Lutz Eßrich bitter. Und auch den Fahrplan auswendig zu lernen, bringe nichts, da neben den fahrplanmäßigen Zügen eben auch Rangierloks verkehrten.

Davon abgesehen ist es schlicht verboten, über die Schienen zu laufen, wie man bei der Deutschen Bahn betont: „Weder das Fehlen noch die Beschädigung eines Zaunes stellen einen Grund oder gar eine Aufforderung dar, die Gleise zu überschreiten“, sagt eine Bahnsprecherin:„Solche vermeintlichen Abkürzungen führen oft in den Tod.“ Das Betreten der Bahnanlagen ist verboten, die Bahn verweist dazu auf § 315 des Strafgesetzbuchs, in dem es um „Gefährliche Eingriffe in den Bahn-, Schiffs- und Luftverkehr“ geht.

Aber muss nicht die Deutsche Bahn den Bereich sichern? Und wer haftet bei Personenschäden? „Immer wieder wird die Forderung erhoben, Bahnanlagen insgesamt oder punktuell einzuzäunen“, heißt es dazu von der DB. „Aufgrund der Größenordnung ist das aber nicht möglich: Die Deutsche Bahn verfügt bundesweit über ein Streckennetz von rund 33 000 Kilometern Länge, das auch durch bewohnte Gebiete führt.“ Zaun hätte eine Länge, die zweimal um den Äquator reicht

Dazu kämen rund 5700 Bahnhöfe und Haltepunkte in Städten und Gemeinden: „Somit wäre ein Zaun mit einer Länge, die zweimal um den Äquator reicht, erforderlich. Dieser Zaun würde zudem zahlreiche Lücken haben – etwa an Bahnübergängen oder Zugängen für die Reisenden. Außerdem müsste er Rettungskräften freien Zugang zum Schienennetz ermöglichen.“

Mindestens mit einem Verwarngeld muss rechnen, wer unerlaubt die Gleise betritt und erwischt wird, sagt Jens Flören, Sprecher der für NRW zuständigen Bundespolizei. Wenn dabei etwas passiere, sei nicht die Bahn in der Haftung. Stadt und Wuppertalbewegung entsprechend auch nicht, wie Lutz Eßrich betont.

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