2000 Arbeitsplätze sind bedroht

WKW droht die Pleite

Die Walter Klein GmbH ist ein Bergisches Familienunternehmen. Archivfoto: WKW
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Die Walter Klein GmbH ist ein Bergisches Familienunternehmen.

Halbleiter-Krise erreicht Wuppertal mit voller Wucht.

Von Lothar Leuschen

Wuppertal. Der Walter Klein GmbH droht die Insolvenz. Das hat der Vorstandsvorsitzende der Gruppe, Guido Grandi, bestätigt. Demnach leidet das Unternehmen mittelbar unter der Halbleiterkrise der Automobilindustrie. WKW steht für Walter Klein Wuppertal. Das 1940 gegründete Unternehmen produziert unter anderem Zierleisten für die Automobilindustrie. Weltweit beschäftigt die Gruppe etwa 5000 Leute, annähernd 2000 davon in Wuppertal, Spröckhövel und in Velbert-Neviges.

Nach Angaben des Vorstandes hat sich die Krise in den vergangenen zwei Jahren abgezeichnet und an Schärfe zugenommen. Dabei wog die Corona-Pandemie weniger schwer als nun der Mangel an Mikrochips. Diese sogenannten Halbleiter bremsen die Produktion in der Automobilindustrie. Und die ist Hauptabnehmer der Produkte von WKW. Das Unternehmen hat in Deutschland nach eigenen Angaben einen Marktanteil von etwa 30 Prozent. Fahrzeuge von Mercedes Benz, Volkswagen, BMW und auch das Tesla Model 3 rollen meistens mit Verzierung von WKW vom Band. Ob Autos mit Verbrennern oder elektrisch betrieben werden, ist für den Wuppertaler Zulieferer unbedeutend. Darauf basiert auch die erfolgversprechende Prognose des Vorstands.

„Wir haben in den vergangenen Monaten ein Konzept erarbeitet, wie wir das Unternehmen für die Zukunft neu aufstellen und die Krise überstehen“, sagt Grandi. Ziel von WKW ist es, sich noch stärker auf das Kerngeschäft zu konzentrieren. Dafür wurden in der jüngeren Vergangenheit insgesamt 100 Millionen Euro in ein neues Werk in Ungarn sowie in den Standort USA investiert. In guten Zeiten hat WKW im Jahr bis zu 800 Millionen Euro umgesetzt. Nun hakt es wegen beträchtlicher Umsatzrückgänge von annähernd 35 Prozent an der Refinanzierung der Investitionen.

Große Loyalität der Beschäftigten zum Unternehmen

Es geht um Geld. Denn das Personal und die Lagerhaltung kosten, auch dann, wenn weniger Umsätze erwirtschaftet werden. Also haben der Vorstandsvorsitzende und der Finanz-Geschäftsführer Carsten Ringelmann mit den Banken gesprochen und einen Finanzierungsplan erarbeitet. „Unsere Banken unterstützen uns, und das gilt auch für unsere Kunden“, sagt Ringelmann.

WKW ist ein Bergisches Familienunternehmen. Nach Jahrzehnten mit Firmengründer Walter Klein an der Spitze sind nun dessen Nachkommen und eine familiennahe Stiftung die Säulen der Firmengruppe. Entsprechend groß ist die Loyalität der Beschäftigen zum Unternehmen. Die hat sich in den vergangenen Monaten unter anderem auch darin gezeigt, dass der Betriebsrat einem sogenannten Transformations-Tarifvertrag zugestimmt hat. Dieser Vertrag bedeutet mehr finanziellen Spielraum für das Unternehmen auf der einen Seite und Verzicht für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf der anderen. „Wir waren schon auf dem Weg in die Zukunft. Aber durch die Halbleiterkrise droht uns jetzt die Puste auszugehen“, sagt Ringelmann.

Dass es soweit kommt, mag Andreas Althaus nicht glauben. Er ist der Vorsitzende des Betriebsrates und wie sein Stellvertreter Spyridon Grammozis eng mit WKW sowie mit der Erbslöh AG verbunden, die heute Teil der Gruppe ist. Beide sind sicher, dass der Automobilzulieferer eine gute Zukunft hat. Daran glauben bei WKW und im Umfeld fast alle. Doch die Gesellschafter zögern noch mit ihrem Ja zur Neuausrichtung des Unternehmens. Auch an sie richtet Althaus deshalb seinen Appell, WKW den Rücken zu stärken. „Alle Beteiligten müssen ihrer Verantwortung für das Unternehmen gerecht werden“, sagt Althaus. „Hier geht es um so viele Familien und um junge Menschen in der Ausbildung.“

Noch hat WKW ein wenig Zeit. Aber Vorstandschef Grandi lässt keinen Zweifel daran, dass es bereits fünf vor zwölf ist: „Wenn wir unser Konzept nicht umsetzen können, dann müssen wir vielleicht schon in den nächsten Wochen Insolvenz anmelden.“ Das wäre vermutlich das Ende einer mehr als acht Jahrzehnte währenden Erfolgsgeschichte made im Bergischen Land, der Geschichte des 2014 gestorbenen Unternehmers Walter Klein.

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