Infrastruktur

Wuppertal will sich auf Blackouts vorbereiten

Uni-Forscher begleiten die Stadt dabei, einen umfassenden Notfallplan für langanhaltende Stromausfälle aufzustellen.
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Uni-Forscher begleiten die Stadt dabei, einen umfassenden Notfallplan für langanhaltende Stromausfälle aufzustellen.

Forscher der Uni suchen nach Möglichkeiten, bei einem großflächigen Stromausfall die kritische Infrastruktur zu versorgen.

Von Katharina Rüth

Wuppertal. Sollte einmal über längere Zeit der Strom ausfallen, geht ganz schnell gar nichts mehr. Weil ein solches Katastrophen-Szenario wahrscheinlicher wird, erarbeitet die Stadt Wuppertal einen Plan zum Umgang damit. Und erhält kompetente Hilfe: Forscher an der Universität entwickeln für diesen Fall Notfallkonzepte. Diese sollten sich später auf andere Städte übertragen lassen.

Im Februar 2021 legte ein Brand in einem Umspannwerk die Stromversorgung in Schwerte lahm. Von morgens 9.20 Uhr bis etwa 18 Uhr gab es in der Stadt mit knapp 50 000 Einwohnern nicht nur kein Licht, sondern viele Bereiche des normalen Lebens waren gestört: Die Polizei musste den Verkehr regeln, weil Ampeln ausfielen, Tankstellen konnten kein Benzin verkaufen, Supermärkte schlossen, Menschen blieben in Aufzügen stecken, Handys funktionierten nicht mehr, ein Krankenhaus musste sein Notstromaggregat in Betrieb nehmen.

Nach zwei Tagen gibt es die ersten Todesfälle, weil Kranke nicht versorgt werden können.

Prof. Dr.-Ing. Markus Zdrallek über Folgen eines Blackouts

„Bei einem großen Blackout wird es schnell wenig spaßig“, macht Prof. Dr.-Ing. Markus Zdrallek vom Lehrstuhl für Elektrische Energieversorgungstechnik an der Universität deutlich. „Es gibt Untersuchungen, die ergeben, dass es nach etwa zwei Tagen die ersten Todesfälle gibt, etwa weil Kranke nicht versorgt werden können.“

Die Wahrscheinlichkeit für solche Ausfälle sei in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, erklärt er. Denn das Stromnetz sei komplexer geworden, Strom fließe nicht mehr nur von großen Kraftwerken bis in die Steckdose: Durch Einspeisungen von Windrädern, Photovoltaikanlagen und anderen Energieproduzenten gebe es ganz unterschiedliche Lastflüsse.

Das führe häufiger zu unübersichtlichen Netzsituationen. „Das macht den Betrieb von Leitstellen komplizierter“, so Zdrallek. „Umso höher ist das Risiko, dass mal ein Fehler passiert.“ Die wenigsten Städte seien darauf vorbereitet.

Wuppertal hat unter anderem durch die Erfahrung des Hochwassers 2021 das Thema Katastrophenschutz auf die Agenda genommen, dazu zählt auch das Szenario eines Blackouts. Seit 1. Februar kümmert sich Werner Fischer auf der neuen Stabsstelle Krisenmanagement und Notfallplanung mit darum. Bis Ende 2022 wird ein Katastrophenschutzbedarfsplan erarbeitet, den im Anschluss die Politik absegnen muss.

Schon jetzt gibt es einen Katastrophenschutzplan. Feuerwehr-Chef Ulrich Zander erklärt: „Darin geht es zum Beispiel um die Sicherstellung der Kraftstoffversorgung von wichtigen Einrichtungen“, etwa Feuerwehr, Rettungsdienst, Ordnungsamt und Gesundheitsamt, aber auch Hilfsorganisationen. Dafür gebe es einen Treibstoffvorrat mit einer sechsstelligen Literzahl. Daraus könnten bei einem Blackout auch die Notstromaggregate der Krankenhäuser versorgt werden. Kliniken sind verpflichtet, ihren Betrieb 24 Stunden sicherzustellen. Der Notstrom versorge vor allem den Betrieb von Intensivstationen, OPs und Laboren, aber auch die Speisen- und Wasserversorgung, die Beleuchtung sowie Telefon- und IT-Verbindungen.

Auch Stadt und Feuerwehr haben ihre Telefonnetze abgesichert, betreiben zudem eigene Funknetze. Damit die Feuerwachen als Anlaufstellen dienen können, sollen sie zusätzliche Notstromaggregate erhalten, daran wird gerade gearbeitet.

Müllheizkraftwerk soll im Katastrophenfall Strom liefern

Das Projekt an der Uni erforscht, wie die Stadt bei einem großflächigen Stromausfall in einer Insellösung eine Notversorgung herstellen kann – mit Strom aus dem Müllheizkraftwerk. „Das Müllheizkraftwerk ist in der Lage, 10 bis 15 Prozent der normalen Last zu liefern“, so Zdrallek. Damit hätte die kritische Infrastruktur für 24 bis 36 Stunden Strom, solange noch Müll dort ankommt.

Die Ergebnisse des auf drei Jahre angelegten Projekts sollen anderen Städten als Blaupause dienen. Dabei soll es auch darum gehen, wie weitere Stromquellen wie Windkraft- und Photovoltaikanlagen zur Notversorgung beitragen können.

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