Ökologie und Sparen

Weniger Gebühren für Abwasser: Wuppertal will Schwammstadt werden

Die Begrünung versiegelter Flächen wie etwa von Garagendächern soll künftig noch stärker bei der Berechnung der Abwassergebühren berücksichtigt werden. Symbolfoto: Stephanie Pilick/dpa
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Die Begrünung versiegelter Flächen wie etwa von Garagendächern soll künftig noch stärker bei der Berechnung der Abwassergebühren berücksichtigt werden. Symbolfoto: Stephanie Pilick/dpa

So teuer wie kaum eine andere Kommune: Regenwassergebühr in Wuppertal soll sinken - und die Stadt gleichzeitig klimafreundlicher werden.

Von Katharina Rüth

Wuppertal. Um Eigentümer für klimafreundlichen Umgang mit Wasser zu belohnen, schlägt die Taskforce Hochwasserschutz und Klimaresilienz der Stadtverwaltung eine Veränderung bei den Abwassergebühren vor. Bei der Berechnung der Gebühren für den Abtransport des Niederschlagswassers sollen Dachbegrünung und Versickerung noch stärker als bisher berücksichtigt werden.

Das Hochwasser im vergangenen Jahr hat das Bewusstsein für die Folgen des Klimawandels erhöht und die Dringlichkeit nötiger Maßnahmen erhöht.

Die Stadt Wuppertal möchte gern Schwammstadt werden: eine Stadt, die an vielen Stellen Wasser aufnehmen kann, um damit die Gefahr von Überflutungen einzudämmen und durch Verdunstung des Wassers die Stadt zu kühlen.

Welche Rolle dabei der Umgang von Grundstückseigentümern mit Regenwasser spielen kann, damit hat sich die nach dem Hochwasser eingesetzte Taskforce beschäftigt. Die Kosten für den Abtransport von Niederschlagswasser werden nach der versiegelten Fläche des Grundstücks berechnet, wozu auch Dachflächen gehören.

Für begrünte Dächer wurde bisher bereits die Gebühr um 50 Prozent gesenkt. „Wir wollen das auf 60 Prozent erhöhen“, erklärt Christina Nickel, Leiterin des städtischen Eigenbetriebs Wasser und Abwasser Wuppertal (WAW). Gleiches gilt für Flächen, deren Niederschlagswasser über Versickerung entsorgt wird.

Neu ist eine Kombination beider Reduzierungen: „Für diejenigen die beides machen, soll es eine Reduzierung um 70 Prozent geben“, so Christina Nickel. Für diese Möglichkeiten soll die Stadt auch offensiv werben: Sie sollen deutlicher und verständlicher in die Abwassersatzung aufgenommen werden und es soll Info-Veranstaltungen für Bürger geben. Ziel ist, die Zahl der Versickerungsanlagen und der Dachbegrünungen zu erhöhen.

Insgesamt gibt es in der Stadt Wuppertal 29 Millionen Quadratmeter versiegelter Fläche, für die Abwassergebühren bezahlt werden. Nur für 800.000 Quadratmeter wird bisher eine Gebührenermäßigung gewährt. Stimmt der Rat dem Vorschlag der Taskforce zu, könnte die neue Gebührenregelung ab Januar 2023 in Kraft treten.

Mischwasser: Anschlusszwang könnte gelockert werden

In diesem Zusammenhang soll auch der bisherige Anschlusszwang gelockert werden. In Bereichen der Stadt, in denen es keine getrennte Entsorgung für Regenwasser und Schmutzwasser gibt, sondern alles Abwasser in einem Kanal abfließt (Mischwasserkanal), soll es möglich sein, dass Eigentümer ihr Regenwasser vollständig über Versickerung entsorgen und sich nicht ans Kanalnetz anschließen müssen. Bisher galt ein Zwang zum Anschluss. Voraussetzung für die „Abkoppelung“ ist, dass der Untergrund für Versickerung geeignet ist und keine Nachbargrundstücke gefährdet werden.

Um die Versickerung von Regenwasser insgesamt noch stärker zu fördern, soll die Stadt auch bei Neubauprojekten künftig den Bau von Versickerungsanlagen fordern.

Hintergrund

Nach Angaben von Kämmerer Johannes Slawig ist Wuppertal bei den Regenwassergebühren Spitzenreiter in Deutschland. Ursache dafür sei die Topographie mit vielen Hanglagen, für die Pumpen notwendig sind, der felsige Untergrund, der Kanalbauten aufwendig und teuer macht, sowie das gut ausgebaute Kanalsystem mit vielen Doppelkanälen.
Lesen Sie auch unsere Serie: Natürlich nachhaltig.

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