Kunst

Tony Cragg zeigt die Vielfalt in der Bildhauerei

Tony Cragg eröffnet mit seinen Skulpturen (im Hintergrund „Versus“) die Ausstellungssaison. Foto: Stefan Fries
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Tony Cragg eröffnet mit seinen Skulpturen (im Hintergrund „Versus“) die Ausstellungssaison.

Das Ausstellungsprogramm des Skulpturenparks Waldfrieden in Wuppertal für 2022 steht.

Von Monika Werner-Staude

Wuppertal. Stürme, Borkenkäfer und Trockenheit haben ihre Spuren hinterlassen. Die letzten 20 Monate waren auch für den Skulpturenpark Waldfrieden nicht einfach. Nun weht ein Hauch von Frühling durch das pflegeintensive Waldgebiet, das seit Dienstag wieder geöffnet ist. Hier und da wirkt es noch etwas leer, nachdem die wuchtigen Stelen von Heinz Mack zwischen den hohen, kahlen Bäumen abgeräumt wurden. Ein Moment des Innehaltens und des Aufbruchs ins neue Ausstellungsjahr.

Parkherr Tony Cragg hat einiges vor, um „die Vielfalt der Entwicklung, Inhalte und Emotionen in der Bildhauerei zu zeigen“. Den Anfang macht er selbst, bespielt mit drei, mehrere Meter hohen Arbeiten aus den Reihen „Masks“, „Versus“ und „Integer“ die oberste Halle. Alle drei sind jüngeren Datums und Ausdruck seiner Material-Erforschung, seiner Überzeugung, dass es unerschöpflich viel jenseits der menschlichen Wahrnehmung gibt.

Die hellbraun glänzende Bronzeskulptur „Versus“ gehört zu seiner Werkgruppe „rational beings“. Die aus einer großen Anzahl organisch wirkender Formen geflochtene Scheibe hat einen roten Bruder, den die Wuppertaler aus dem Von der Heydt-Museum kennen – ein Geschenk, das Kunstmäzen Eberhard Robke 2017 machte. Ebenfalls aus Bronze gegossen wurde das schwarze „Masks“-Objekt, das aus ineinander geschobenen und fließenden, schlaufenartigen Formen besteht: Ausdruck seiner Beschäftigung mit Masken, ihrer Herkunft und ihrer Aktualität. Bei „Integers“ geht der Bildhauer seiner Faszination für eingebettete Formen nach. Die goldenfarbene Figur weckt Assoziationen an zwei Körper, die sich aneinander schmiegen. Bis zum 24. April sind die Arbeiten zu sehen.

2021 war wegen der Pandemie ein durchwachsenes Jahr

Die mittlere Ausstellungshalle wird mit Wilhelm Mundt (Jahrgang 1959) wieder eröffnet. Waldfrieden besitzt bereits zwei „Trashstones“ des ehemaligen Studenten und Assistenten von Tony Cragg. Mundts künstlerischer Ansatz verbindet Ästhetik, Ethik, Ironie und Ernst, verwandelt Er- und Gelebtes in sinnlich erfassbare Schönheit. Vom 19. März bis 31. Juli zeigt der Düsseldorfer Künstler neue Arbeiten.

Gleich drei Kunstschaffende aus drei Generationen setzen sich mit der unteren Ausstellungshalle auseinander und lassen diese zugleich leer. Sie bespielen ihre Glasfassade mit Transparentfolien, die visuell und konzeptuell Park und Halle verbinden. Das Fenster wird zum Objekt, das sich entsprechend der Lichtverhältnisse verändert. Vom 19. März bis 22. Mai ist eine Arbeit des auf Architektur spezialisierten Malers und Bildhauers Daniel Buren (Jahrgang 1938) zu sehen; vom 4. Juni bis 21. August folgt der Bildhauer und Installationskünstler Tatsuo Miyajima (Jahrgang 1957), der mit Arbeiten aus farbigen LED-Ziffern bekannt wurde; vom 3. September bis 6. November erweckt Bettina Pousttchi (Jahrgang 1971), die Häuserfassaden mit schwarz-weißen Fotoinstallationen bedeckt, das Fenster.

Der Düsseldorfer Grafiker und Bildhauer Andreas Schmitten (Jahrgang 1980) steht für ein multidisziplinäres und vielseitiges Schaffen. Für die obere Halle habe er große Plastiken angekündigt, erzählt Cragg und hebt den eigenen neuen Weg hervor, den der Künstler in der Bildhauerei geht. Vom 28. Mai bis 1. Januar 2023 ist er im Skulpturenpark zu sehen. Anish Kapoor (Jahrgang 1954) machte in Wuppertal unlängst von sich reden, als er seine Installation „Shooting Into the Corner“ für das Tanztheater Pina Bausch zur Verfügung stellte. Cragg lernte den für seine geheimnisvollen Objekte und Skulpturen bekannten Künstler 1981 als Student kennen.

In Wuppertal bespielt er vom 13. August bis 1. Januar 2023 die mittlere Halle. Komplettiert wird das Programm durch die Reihe „Filme zur Kunst im Café Podest“, ein umfangreiches Führungsangebot und zwei Kooperationen mit dem Tanztheater und dem Sinfonieorchester Wuppertal – Ausdruck dafür, dass der Skulpturenpark mehr Bühne als Veranstalter sein will. „Unser Leben ist voller Schall und Raserei“ heißt ein vielschichtiges Hörtheater, das der Regisseur Horst Konietzny mit Tänzerinnen und Tänzern erarbeitet hat. Vom 5. bis 15. Mai wird die Produktion in der oberen Halle aufgeführt. Außerdem bestreitet das Sinfonieorchester unter Leitung seines Generalmusikdirektors Patrick Hahn sein viertes „Uptown Classics“-Konzert vor der Villa Waldfrieden. Auf dem Programm am 25. Juni steht Flimmerkastenmusik.

Wegen der Pandemie war 2021 ein durchwachsenes Jahr. Vor allem dank der Beuys- und der Mack-Ausstellung kamen immerhin 35 000 Besucher. Eine Arbeit von Mack und eine von Leunora Salihu bleiben im Park. Sie wurden angekauft.

Hintergrund

Der Skulpturenpark Waldfrieden, Hirschstraße 12, startete mit neuer Website ins neue Jahr: Sie wurde für mobile Endgeräte optimiert, bietet unter anderem eine digitale Wegekarte, und soll weiter ausgebaut werden. Natürlich gibt es auch weitere Infos zum aktuellen Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramm.

www.skulpturenpark-waldfrieden.de

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