Spielzeit beginnt nicht wie vorgesehen

Schäden am Opernhaus auf 10 Millionen Euro beziffert

Geschäftsführer Daniel Siekhaus (l.) zeigt dem SPD-Bundestagsabgeordneten Helge Lindh und dem SPD-Fraktionsvorsitzenden im Landtag, Thomas Kutschaty, die Schäden. Foto: Anna Schwartz
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Geschäftsführer Daniel Siekhaus (l.) zeigt dem SPD-Bundestagsabgeordneten Helge Lindh und dem SPD-Fraktionsvorsitzenden im Landtag, Thomas Kutschaty, die Schäden.

Gebäudemanagement hat sich einen Überblick verschafft

Von Monika Werner-Staude

Wuppertal. Während die Hochwassermassen aus dem Stadtbild verschwunden sind, kristallisierte sich nun heraus: Die Oper in Barmen hat es am heftigsten getroffen. Laut Gebäudemanagement der Stadt Wuppertal (GMW) wird die Instandsetzung etwa 10 Millionen Euro kosten. Und die Arbeiten benötigen Zeit. Heißt: Die Spielzeit 2021/22 beginnt nicht wie vorgesehen in dem Gebäude an der Kurt-Drees-Straße. Während Schauspiel und Sinfonieorchester das Theater am Engelsgarten und die Historische Stadthalle als Spielstätten haben, können Oper und Tanztheater Pina Bausch für ihre Aufführungen nicht ausweichen.

Ob die fünf Kontrabässe je wieder gut klingen können, steht nicht fest. Sie wurden aus den unter Wasser stehenden Spinden im Lagerraum im Untergeschoss in den Probenraum im Erdgeschoss gebracht. Hier lagern nun die wertvollen, an den Seiten aufquillenden Körper aus feinem, gold-braunem Holz. Trauriges Sinnbild des Geschehenen, vom besonderen Verhältnis zwischen Musiker und Instrument ganz zu schweigen.

Eine zehn Zentimeter hohe Schlammschicht bedeckte den Boden des Opernhauses

Das Wasser kam in der Nacht aus dem Kanal und aus der nahen Wupper, drang von unten und durch die Türen, verbreitete sich in der Fläche über Treppen im gesamten Untergeschoss. Die Liste der betroffenen Bereiche ist lang: Büros, Umkleiden, Unterbühne, Umgang der Bühne, Orchestergraben, Dimmerraum, Waffenlager, Heizungs- und Lüftungszentrale, Instrumentenlager oder Kühllager gehören dazu. Außerdem sind da noch die Feuchtigkeit im Gebäude, die noch unsichtbaren und die perspektivischen Schäden.

Um 6 Uhr am frühen Donnerstagmorgen alarmierte die Rufbereitschaft des GMW den Elektriker, der zunächst den Strom im Operngebäude ausschaltete. Noch am selben Tag begann das Technische Hilfswerk das Wasser abzupumpen, am Freitag ging es dann an die zehn Zentimeter hohe Schlammschicht. Reinigungskräfte haben ihre Arbeit aufgenommen, der Strom kann sukzessive, von oben nach unten, wieder zugeschaltet werden.

Das Ausmaß der Schäden ist schockierend.

Geschäftsführer Daniel Siekhaus

Erst in der vorletzten Woche hatte die allsommerliche Prüfung und Wartung des Bühnenbereichs stattgefunden, nun hat das GMW gerade dort eine grobe Schadensaufnahme gemacht, weiß schon, dass der vor wenigen Jahren erneuerte Bühnenboden unbeschadet ist, dass die Beseitigung der Schäden an Unterbühne, Dimmer- und Niederspannungsraum, Lüftungs- und Heizungszentrale aber richtig teuer werden. Die wertvollen Instrumente liegen sechsstelligen Bereich.

„Das Ausmaß der Schäden ist schon schockierend“, sagt Daniel Siekhaus. Der Geschäftsführer von Wuppertaler Bühnen und Sinfonieorchester hat seinen Urlaub unterbrochen, um sich mit festem Schuhwerk an den Füßen ein eigenes Bild zu machen. Während die Wiederherstellung des Gebäudes in den Händen des GMW liegt, ahnt er, dass die neue Spielzeit nicht so beginnen können wird wie geplant. Die ersten Produktionen werden nicht an der Kurt-Drees-Straße stattfinden können, sagt er, will aber erst in der letzten Schulferienwoche Entscheidungen fällen und bald mit den Intendanten sprechen.

Derweil gehen Andrea Nickl, Produktmanagerin beim GMW, und ihre Mitarbeiter die dezidierte Schadenserfassung an, kümmern sich um die Entsorgung der stark verunreinigten Teppichböden und Möbel und bereiten die europaweite Ausschreibung der Planung der bühnentechnischen Einrichtung vor, erklärt Ralf Reuter, Funktionsbereichsleiter Haustechnik. Und bei alledem sei zu berücksichtigen, dass es diesmal nicht um eine Eins-zu-eins-Reparatur gehen kann, sondern der Hochwasserschutz einbezogen werden muss. Das alles werde schon mehrere Monate beanspruchen.

Das Gebäude

Das Opernhaus in Barmen wurde 1905 im Jugendstil errichtet und nach dem Zweiten Weltkrieg im Stil der 1950er Jahre renoviert. In den 1970er Jahren kamen Anbauten hinzu, bevor von 2006 bis 2009 eine Grundsanierung durchgeführt wurde.

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