Bergische Universität

Politikwissenschaftler Prof. Lietzmann hielt Abschlussvorlesung

Hans J. Lietzmann bei der Abschiedsvorlesung mit Töchtern, Enkelin und Ehefrau Gertraud.
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Hans J. Lietzmann bei der Abschiedsvorlesung mit Töchtern, Enkelin und Ehefrau Gertraud.

Wuppertal. „Als ich ankam, lag die Politikwissenschaft darnieder“, sagt Professor Hans J. Lietzmann über seinen Beginn an der Bergischen Universität Wuppertal. Im Jahr 2002 kam er in die Stadt.

Von Christian Töller und Anne Palka

„Für mich war wichtig, das Fach an der Universität neu aufzubauen.“ Er sei stolz, dass dies so erfolgreich war. Bundesregierung, Europäische Union, Ministerien und Städte ließen sich von Mitarbeitern des Instituts beraten. „Wir haben wahnsinnig viel Zuspruch bekommen.“

Am Mittwoch, 12. Januar, hat der 68 Jahre alte Hans J. Lietzmann seine Abschiedsvorlesung gehalten. In den Ruhestand verabschiedet wurde er bereits 2021. Das Thema seiner letzten Vorlesung war ein aktuelles, zum Beispiel in Lützerath sichtbar: „‚Politischer Widerstand‘ in der Demokratie – zum Verständnis einer aktivistischen Protestform in der Gegenwart.“ Es gehe um die Haltung, in einem demokratischen System Widerstand zu leisten. „Es ist eine akademische Abschiedsvorlesung, keine politische Stellungnahme“, sagt Lietzmann. „Früher gab es kaum politischen Widerstand, in jüngster Zeit gibt es ihn auf breiter Front.“ Wichtige Fragen seien, welche Mentalitäten und Ängste dem Widerstand zugrunde liegen. „Die Widerstandshaltung generiert möglicherweise eine höhere Gewaltbereitschaft“, es könne zu Auseinandersetzungen mit der Polizei kommen. Das delegitimiere das politische Anliegen. Zur Protestbewegung der Klimaaktivisten sagt er: „Sie sollte auf eine breite Basis in der Zivilgesellschaft setzen und Mehrheiten erarbeiten.“ Neue Umfragen zeigten, dass ungefähr 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung dem Anliegen der Protestbewegung zwar zustimmen, aber nur 20 Prozent mit ihren Aktionen einverstanden sind.

Der Professor konzentriert sich nun ganz auf die Forschung

Es war zwar die letzte Vorlesung von Hans J. Lietzmann, Wissenschaftler bleibt er aber. „Ich arbeite weiter im Institut für Demokratie- und Partizipationsforschung.“ Er ist als Seniorprofessor weiter Teil der Universität, hat die Rudolf-Carnap-Seniorprofessur, nicht für Lehre, nur für Forschung. „Ich fühle mich gut, mich auf meine Forschungsinteressen konzentrieren zu können.“

Im Laufe der Jahre hat Lietzmann zahlreiche wissenschaftliche Publikationen verfasst. In seinen Aufsätzen ging es immer wieder um Partizipation, um die Beteiligung von Bürgern mit Reallaboren, in Großprojekten, im Internet. Die Forschungsprojekte, an denen er beteiligt war, befassten sich mit Bürgerräten, Quartiersbeteiligung, Engagement für das Gemeinwohl.

Bevor Lietzmann nach Wuppertal kam, machte er sein Abitur in Düsseldorf und studierte in Marburg, Frankfurt und Gießen Politikwissenschaft, Rechtswissenschaft, Soziologie und Philosophie. In Marburg promovierte er 1986 und wurde später Professor in Hamburg, Vechta und Essen. 2002 kam er nach Wuppertal. Von 2005 bis 2012 war er Dekan und Prodekan im Bereich der Geistes- und Kulturwissenschaften, ab 2004 Leiter des Instituts für Demokratie- und Partizipationsforschung. 2014 wurde er zum Gründungs- und Vorstandsmitglied des interdisziplinären Zentrums für Transformationsstudien und Nachhaltigkeit, 2017 zum Sprecher der Fachgruppe für politische Kulturforschung in der Deutschen Gesellschaft für Politikwissenschaft.

„Ich habe lange Zeit in Wuppertal gearbeitet“, sagt Hans J. Lietzmann. „Es war eine gute Zeit.“

Institut

Das Institut für Politikwissenschaft an der Bergischen Universität hat drei zentrale Lehrgebiete: Demokratietheorie und Regierungssystemforschung, internationale Beziehungen und vergleichende Politikwissenschaft sowie Politikfeldanalyse, insbesondere Transformationsforschung und Nachhaltigkeit. Es gibt zwei Vollprofessuren, eine Junior- und eine Seniorprofessur sowie eine außerplanmäßige Professur.

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