Gründer-Campus

Millionen-Projekt in Wuppertal liegt auf Eis

So sieht das ehemalige Firmengelände von Poco an der Uellendaher Straße aus. Foto: Andreas Fischer
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So sieht das ehemalige Firmengelände von Poco an der Uellendaher Straße aus.

Gründer-Campus: Steht geht davon aus, dass der Eigentümer die Pläne nicht weiter verfolgt

Von Manuel Praest

Wuppertal. Ein Gründer-Campus sollte auf dem ehemaligen Poco-Gelände an der Uellendahler Straße entstehen. Doch was als Gerücht schon seit längerem in Wuppertal die Runde machte, hat nun auch die Stadtverwaltung bestätigt: Das Millionenprojekt liegt auf Eis. Der Eigentümer, ein Kölner Unternehmen, wollte sich trotz Anfrage nicht äußern. Saniert wurde aber offenbar ein Teil des historischen Backstein-Gebäuderiegels der alten Weberei Frowein: Büros werden dort vermietet. Die Politik und auch der Bürgerverein hoffen, dass die Planung auch für das Gesamtareal noch einmal Fahrt aufnimmt.

In mehreren Schritten wollte das Unternehmen Headquarters aus der Domstadt die Fläche in unmittelbarer Autobahnnähe, wo bis 2017 der Möbeldiscounter Poco seine Heimat hatte, entwickeln. Mit Outdoor-Gym und Co. Auf bis zu 20 000 Quadratmetern. Bis 2022 sollten mehr als 200 Arbeitsplätze geschaffen werden, hieß es Ende 2019. Eine Ankündigung, die in Wuppertal bestens ankam. Noch im Sommer vergangenen Jahres wurde das Grundstück freigeräumt, die alten Möbel-Hallen abgerissen.

Trotz Planungen ging es mit dem Gründer-Campus nicht vorwärts

Ein Thema bei der Planung war auch der Hochwasserschutz, nachdem die damals nicht mehr in Nutzung befindlichen Hallen des Möbelmarktes im Mai 2018 unterspült wurden. Man sei mit diversen großen Technik-Unternehmen im Gespräch, die den Fokus auf Deutschland gelegt hätten, sagte ein Sprecher damals. „Ähnlich wie Tesla in Brandenburg.“ Doch vorwärts ging es danach nicht mehr. Die Vermutung liegt nahe, dass Corona den Plänen einen Strich durch die Rechnung machte.

Headquarters hält sich auf Anfrage bedeckt. Der Eigentümer hätte sich wohl aus verschiedensten Gründen von dem Vorhaben verabschiedet, sagt Michael Telian, Pate der Bezirksvertretung Uellendahl-Katernberg. Das habe die Wirtschaftsförderung in Gesprächen erfahren. Man stünde auch noch in Kontakt. Die Stadt habe auch deshalb nachgehakt, „weil es lange sehr ruhig war und es auch regelmäßig in der BV Nachfragen gab“. Laut Telian „ist alles wieder offen“. Der Eigentümer sei verantwortlich. Die Rahmenbedingungen seien vorgegeben. Aktuell sei das Areal als „Sondernutzungsgebiet mit Zweckbestimmung Möbel“ ausgewiesen. Für andere Planungen sei eine Änderung des Bebauungsplans notwendig.

Das ist ein spannendes Areal mit dem Kontakt zum Quartier Mirke und zur Nordbahntrasse.

Michael Telian aus der Bezirksvertretung Uellendahl-Katternberg

Telian macht aber keinen Hehl daraus, dass die Stadt das unterstützen würde. Ein Gründerzentrum hätte an der Stelle Sinn gemacht, so Telian. „Das ist ein spannendes Areal mit dem Kontakt zum Quartier Mirke und zur Nordbahntrasse. Das hat was.“ Die Stadt wolle weiterhin eine „qualitätsvolle Entwicklung“, betont Telian.

Lokalpolitik hofft weiter auf Entwicklung des Areals

Auch die Lokalpolitik bedauert das offenbar vorläufige Aus. „Das war eine tolle Idee mit dem Gründerzentrum“, sagt Gabriela Ebert (SPD), stellvertretende Bezirksbürgermeisterin, die einst bei Frowein ihre erste Ausbildung machte. Dass der Eigentümer auch auf Nachfragen der BV nichts zum Planungsstand sagen wollte, „ist ungeschickt. Das öffnet Vermutungen Tür und Tor“. Auch die Grünen hätten sich gefreut, wenn sich auf dem Poco-Areal etwas getan hätte. „Auf jeden Fall“, sagt Cornelia Krieger, ebenfalls stellvertretende Bezirksbürgermeisterin. „Wir müssen gucken, was daraus wird. Start-Ups wären endlich mal was Frisches für den Stadtteil.“

CDU-Fraktionssprecherin Anna Mahlert findet es wichtig, „dass dieses Gelände entwickelt wird. Es wäre total schade, wenn das über Jahre brach liegt.“ Wenn die Bezirksvertretung das irgendwie unterstützen könne, „sind wir bereit, uns einzubringen“. Das Gründerzentrum sei natürlich eine gute Lösung, aber man sei nicht festgelegt. „Hauptsache, es ist zukunftsorientiert.“ Ohne den Eigentümer könne man aber leider wenig tun. „Aber das ist wirklich eine tolle Ecke“, hebt Mahlert hervor.

Bürgerverein

Für Guido Gehrenbeck vom Bürgerverein Uellendahl kam die Nachricht in der BV überraschend. „Wir hoffen weiter auf eine Belebung des Geländes“, so Gehrenbeck, der den Stillstand bislang aufgrund anstehender Bauarbeiten an der A 46-Brücke vermutet hatte.

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