Renaturierung

Mehr Raum für Lebewesen in der Wupper

Ein besonderer Störstein wurde im Oktober 2020 am Islandufer gesetzt: Bonny Biber. Jetzt gehen die Arbeiten weiter. Archivfoto: Stefan Fries
+
Ein besonderer Störstein wurde im Oktober 2020 am Islandufer gesetzt: Bonny Biber. Jetzt gehen die Arbeiten weiter.

Der ehemalige Industriefluss wird in Wuppertal stellenweise renaturiert

Von Christian Lukas

Wuppertal. Die Renaturierung der innerstädtischen Wupper durch die Stadt Wuppertal schreitet weiter voran. Ein anderthalb Kilometer langer Gewässerabschnitt im Bereich des Bayer-Werksgeländes bis zum Zoo wird aktuell regelrecht umgepflügt. Dafür kommen auch Bagger im Fluss zum Einsatz. „Wir schaffen den Lebewesen Raum“, erklärt Reinhard Gierse die Arbeiten.

Der Agraringenieur, der seit 1990 für die Stadt Wuppertal arbeitet, trägt seit zehn Jahren die Verantwortung für die Renaturierung des einstigen Industrieflusses. Um ihn industriell und als Abwasserkanal zu nutzen, hat der Mensch einst massiv in sein Bett eingegriffen. „Die Wupper hat auf dem besagten Teilstück überall die gleiche Tiefe und Breite.“

Störsteine helfen dabei, dass unterschiedlichste Fischarten in der Wupper leben können

Fische aber benötigen die sogenannte Strömungsdiversität. Salmoniden wie der Lachs brauchen Strömung. Andere Fische brauchen genau das Gegenteil, Ruheflächen, in denen das Wasser steht. Um dies zu erreichen, werden nun am Bayerwerk entlang im Wasser Störsteine gelegt. Diese sorgen dafür, dass die Strömung gebrochen wird.

Daraus ergeben sich unterschiedliche Effekte. An einigen Stellen gewinnt der Fluss wieder an Tempo, an anderen Stellen entstehen derweil Ruheflächen. Außerdem schützen die Störsteine neu angelegte Inseln. „Steigt zum Beispiel nach einem Starkregen der Wasserpegel an, würden diese Inseln fortgespült. Die Steine verhindern dies.“ Die Störsteine kommen in großen Mengen: „Wir reden von etwa 100 LKW-Ladungen, die bis Herbst verteilt werden.“

Verein hofft, dass Verweilorte geschaffen werden

Erst hat der Mensch in den Flussverlauf eingegriffen, um ihn für industrielle Zwecke nutzbar zu machen, 200 Jahre später braucht es wieder einen Eingriff, um den Fluss in seine Ursprungsform zurückzuführen. Bedenkt man, dass von 33,9 Kilometern (16 mit städtischer Prägung) erst zehn Kilometer durchweg renaturiert sind, ist noch einige Luft nach oben.

Was auch Dajana Meier vom Verein Neue Ufer Wuppertal, der seit 2014 den Fluss „zurück in die Stadt bringen will“, so sieht. Aber: „Wir tun uns in Wuppertal immer noch schwer damit, den Fluss für die Menschen zu erschließen. Eine Stadt wie Hagen zum Beispiel hat ihren Fluss, die Volme, an vielen Stellen zugänglich gemacht und Verweilplätze geschaffen. Wir haben in ganz Wuppertal gerade einmal vier Wupperzugänge und genau eine Gastronomie an der Stadtgrenze zu Solingen.“

Greifbare Konzepte zur Erschließung der Wupper für den Menschen gibt es noch nicht

Doch greifbare Konzepte, sagt sie, den Fluss in ein Verweil- oder Flanierkonzept einzubinden, gibt es nicht. Oder Ideen würden mit dem Hinweis auf die sogenannte Verkehrssicherungspflicht nicht weiter verfolgt. Aufgrund plötzlich auftretender Hochwasser könnte eine Gefahrensituation an den Ufern entstehen.

Dabei gibt es den 2014 breit entworfenen Stadtentwicklungsprozess „Wuppertal 2025“, in dem es wörtlich heißt: „Nicht über, sondern an die Wupper: Perspektivenwechsel“ – womit genau solch eine Einbindung der Wupper in ein Verweil- und Erholungskonzept angedacht wird.

Hintergrund

Seit 2006 sind in Wuppertal bereits zehn Kilometer renaturiert worden, die aktuelle Maßnahme kostet 443 000 Euro. Der Fluss wird im Rahmen des sogenannten Schlüsselprojektes „Perspektivwechsel Wupper“ bis 2025 verschönert. Galt die Wupper in den 1970er Jahren noch als klinisch tot, haben hier inzwischen laut Wupperverband 22 Fischarten einen Platz gefunden.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Stadt Wuppertal baut am Westring
Stadt Wuppertal baut am Westring
Video von Unfallgeschehen gemacht? Remscheidern droht Strafverfahren
Video von Unfallgeschehen gemacht? Remscheidern droht Strafverfahren
Video von Unfallgeschehen gemacht? Remscheidern droht Strafverfahren
Düsseldorfs autofreies Ökodorf
Düsseldorfs autofreies Ökodorf
Düsseldorfs autofreies Ökodorf
A 46: Sonnborner Kreuz überschwemmt
A 46: Sonnborner Kreuz überschwemmt
A 46: Sonnborner Kreuz überschwemmt

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare