Bewohner üben Kritik

Kohlfurth-Anwohner: „Die Leute hängen in der Luft“

Der Wohnbereich von Hans-Jürgen Gröll: Es sieht aus wie in einem Rohbau. Vor seinem Haus hat die Flut zudem eine grüne Wiese in eine riesige Matschfläche verwandelt. Foto: Anna Schwartz
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Der Wohnbereich von Hans-Jürgen Gröll: Es sieht aus wie in einem Rohbau. Vor seinem Haus hat die Flut zudem eine grüne Wiese in eine riesige Matschfläche verwandelt.

Auch wenn äußerlich vieles wieder normal wirkt, hat die Flut in den Häusern vieles zerstört.

Von Katharina Rüth

Wuppertal. Man könnte glauben, Hans-Jürgen Gröll stecke mitten in einer Grundsanierung seines Hauses: Das Erdgeschoss besteht aus leeren Räumen ohne Putz und Boden, nur einzelne Möbelstücke stehen im Wohn- und Esszimmer. Und dicke Trockner brummen. Denn dieser Rohzustand ist keine selbst gewählte Sanierung, sondern Folge der Flut vor einem Monat. Die Aufräumarbeiten in der Kohlfurth sind weit fortgeschritten, jetzt stehen für die Hausbesitzer Wiederherstellungsarbeiten an. Und für die hoffen sie auf staatliche Hilfen. Noch aber wissen sie nicht, womit sie rechnen können.

Auf der Straße Kohlfurther Brücke ist auf den ersten Blick nur noch wenig von den Flutfolgen zu sehen. Kleine Schutthäufchen am Straßenrand sind nur wenige Zentimeter hoch. „Gestern war die AWG hier“, erklärt Wolfgang Wandel vom Cronenberger Heimat- und Bürgerverein, der viele Hilfen in dem Stadtteil organisiert. Der Biergarten des Strandcafés ist wieder zur Hälfte mit Tischen und Stühlen möbliert. Aus den offenen Fenstern der Wohnhäuser ist Klopfen zu hören. Im Inneren zu sehen ist meistens: nichts, nur nackte Wände.

So wie bei Hans-Jürgen Gröll. In seinem Wohnhaus stand das Wasser im Erdgeschoss 40 Zentimeter hoch. Das Wasser ist weg, der Schlamm inzwischen auch. Aber weg sind auch die Möbel in Küche, Wohn- und Esszimmer, weg sind Teppiche, Tapeten und Putz. Weg sind auch die Zimmertüren. „Drei Tage funktionierten sie, dann gingen sie nicht mehr zu.“ Während des Trocknungsvorgangs hatten sie sich verzogen. Weg ist auch der Garten – zumindest Wiese, Beete und einige Obstbäume. Das Flutwasser hat Öl hinterlassen, die Oberfläche musste abgetragen werden, liegt jetzt als 1,50 Meter hoher Haufen neben dem Grundstück. Und Gröll blickt von seiner Terrasse auf eine Mondlandschaft.

Die Erinnerungen an die Flut sind noch präsent

Die Erinnerung an die Flut ist noch ganz präsent: „Das Wasser stand vor der Tür, auf einmal hat die Tür nachgegeben, dann war es drin.“ Er habe vorher noch seine Tochter beruhigt, dass das Wasser nicht so hoch steigen werde. Und wurde eines Besseren belehrt. Er zeigt auf die Straße: „Von hier ist die Wupper gekommen.“

Hans-Jürgen Gröll muss nicht nur sein Wohnhaus wieder herrichten, sondern auch das Mehrfamilienhaus einige Meter weiter, das ihm ebenfalls gehört. Auch hier war das Erdgeschoss überflutet. Der Mieter der Wohnung habe noch beim Ausräumen geholfen und dann gekündigt, erzählt seine Tochter Tanja Gröll. Die Wohnung sei ja unbewohnbar. Familie Gröll hat bereits den Boden herausgerissen. „Wenn ich meine Familie nicht hätte, hätte ich es drangegeben“, sagt Hans-Jürgen Gröll. Seine Kinder helfen ihm, zudem viele weitere Helfer.

Allerdings weiß er noch nicht, wie viel Unterstützung er erwarten kann. So gehe es vielen, berichtet Wolfgang Wandel. „Die Leute brauchen Geld, viel Geld.“ Einige hätten ihre Häuser noch nicht abbezahlt, müssten nun in die Reparatur investieren. „Sie hängen in der Luft“, erklärt er. Viele wohnten bei Verwandten oder Freunde. „Dazu die Frage: Wann kommt das nächste Hochwasser? Die Nerven liegen blank.“ Er habe schon von innerfamiliären Krisen deswegen gehört.

Hans-Jürgen Gröll sagt auf die Frage, was er braucht: „Finanzielle Hilfe.“ Aber bisher sei noch nichts angekommen. „Einzig die Soforthilfen“ – ein paar Tausend Euro. Er braucht aber viel mehr.

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