30 Jahre Mauerfall

Wuppertal klopfte früh an die Mauer

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Udo Lindenberg überreichte Erich Honecker am 9. September 1987 vor den Augen der damaligen Oberbürgermeisterin Ursula Kraus eine Gitarre mit der Aufschrift „Gitarren statt Knarren“.

WUPPERTAL 1987 läutete die deutsch-deutsche Partnerschaft mit Schwerin die Wende ein.

Nein, es war keine Liebe auf den ersten Blick: Als Wuppertal und Schwerin 1987 die erste deutsch-deutsche Städtepartnerschaft beschlossen, da herrschte noch politische Eiszeit und die Mauer stand felsenfest. Das bekamen die Mitglieder der von Alt-Oberbürgermeisterin Ursula Kraus angeführten Delegation zu spüren, als sie im Februar 1987 zu den Verhandlungen in die damalige Bezirkshauptstadt in die DDR reisten.

Für die Gastgeber aus Schwerin stand viel auf dem Spiel, denn die Kader der SED wollten gegenüber der eigenen Bevölkerung zwar Weltoffenheit demonstrieren, waren aber peinlich darauf bedacht, die Kontakte von Mensch zu Mensch zu kontrollieren.

St. Joseph Partnerschaft 

Eine Brücke zwischen Ost und West wurde im Januar 1990 zwischen den Kliniken St. Josef in Wuppertal und St. Josef an der Allee nach Sanssouci in Potsdam geschlagen. Josef Maaßen, Verwaltungsdirektor von St. Josef in Wuppertal, ging am 26. Januar 1990 den ersten Schritt auf seine Kollegen zu. In einem ersten Schritt belieferten die Wuppertaler St. Josef in Potsdam mit Verbrauchsmaterial (Einmalspritzen, OP-Handschuhe, Katheter, Nähmaterial) für drei Monate.

„Ich war überzeugt, dass wir auf unseren Zimmern im Hotel abgehört werden. Als die Mauer gefallen war, hat man mir das bestätigt“, erinnert sich Ursula Kraus. Keinen Meter sollten die Gäste in der Stadt ohne Begleitung zurücklegen. „Ich kann mich erinnern, dass einige aus unserer Gruppe spontan zu einem Stadtbummel aufgebrochen sind. Denen wurde sofort jemand hinterher geschickt“, so Ursula Kraus.

Das Misstrauen auf beiden Seiten war nicht förderlich für den Fortgang der Verhandlungen. Die Gespräche verliefen zäh, denn während die Wuppertaler Delegation auf Kontakte zum Beispiel zwischen Jugendgruppen und Schülern beharrte, hatten die Schweriner andere Ziele. Gemeinsame Resolutionen zum Weltfrieden - das war es, was den Verhandlungsführern zum Beispiel vorschwebte.

„In der Bezirkshauptstadt Schwerin war der Anteil der Menschen damals vergleichsweise groß, die in der Verwaltung, Polizei oder der Nationalen Volksarmee für den Staat arbeiteten. Für viele bedeutete der Fall der Mauer einen besonders großen Einschnitt“, erinnert sich Stephan Nolte. Der gebürtige Wuppertaler erlebte den Fall der Mauer in Bonn mit, wo er Jura studiert hatte und seine Verwaltungslaufbahn begann. Die führte ihn ab 1991 nach Schwerin, wo er zunächst als persönlicher Referent des ersten Landtagspräsidenten von Mecklenburg-Vorpommern tätig war. Nolte hat in der Partnerstadt längst Wurzeln geschlagen. Bis 2018 war er als Stadtpräsident einer der höchsten Repräsentanten der Landeshauptstadt. „Die Schweriner sind so tolerant, dass sie einen Wuppertaler elf Jahre lang zum Stadtpräsidenten gemacht haben“, sagt Nolte schmunzelnd. In seine Heimatstadt will er nicht zurückkehren, aber aus der Ferne bangt er noch immer mit dem Wuppertaler SV.

Die Städtepartnerschaft mit Schwerin bescherte Wuppertal wenige Monate nach der Gründung den Besuch des DDR-Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker. Am 9. September 1987 tauschten der oberste Genosse und Deutschrocker Udo Lindenberg am Engels-Haus Geschenk (“Gitarren statt Knarren“) und freundliche Blicke. „Es war nicht möglich, mit diesem Mann ins Gespräch zu kommen“, sagt Ursula Kraus über den Blitzbesuch per Hubschrauber, der auf dem Kötter-Gelände landete, wo heute die Gesamtschule steht. Die Städtepartnerschaft hat die Wende überdauert. „In den ersten Jahren halfen Mitarbeiter unserer Stadtverwaltung in Schwerin mit, die ersten Haushaltspläne aufzustellen, erinnert sich Ursula Kraus.

Stephan Nolte ist optimistisch, obwohl die jüngsten Wahlergebnisse die Unzufriedenheit vieler Menschen in den neuen Bundesländern ausdrücken. „Ich habe gelernt, dass es sich lohnt, den Menschen zuzuhören, wenn sie über fehlende Anerkennung ihrer Lebensleistung klagen. Die Empfindlichkeiten sind noch immer sehr stark.“

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