Fällung von 1000 Bäumen

Kalkwerke wollen mit Rodung beginnen

Die Alternative zur Osterholz-Rodung hat sich zerschlagen. Archivfoto: Stefan Fries
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Die Alternative zur Osterholz-Rodung hat sich zerschlagen.

Waldgebiet Osterholz: Bürgerinitiative kritisiert gescheiterte Pläne für eine alternative Nutzung.

Von Eike Birkmeier

Wuppertal. Es war ein letzter Hoffnungsschimmer zum Erhalt der Bäume im Waldgebiet Osterholz. Die von der Stadt Wuppertal gemeinsam mit dem Kreis Mettmann erörterte Nutzung der Grube Neandertal zur Einbringung von Abraummaterial der Kalkwerke Oetelshofen sollte die dortige Haldenerweiterung überflüssig machen. Nach gemeinsamen Gesprächen steht jetzt aber fest: Die Alternativlösung scheitert an umweltrechtlichen, zeitlichen und wirtschaftlichen Hürden.

Wir stehen nicht für eine Alibi- Veranstaltung zur Verfügung.

René Schuijlenburg, Bürgerinitiative Osterholz bleibt

„In den vergangenen Monaten haben wir mit großem Einsatz und mit vielen Beteiligten eine Alternative zur Rodung im Osterholz gesucht“, sagt Oberbürgermeister Uwe Schneidewind. Ein runder Tisch zum Thema habe sich insgesamt fünf Mal in sehr konstruktiver Atmosphäre getroffen.

Zuletzt sei von allen Vorschlägen nur die Grube Neandertal im Kreis Mettmann als realistische Option übrig geblieben. Diese benötigt aufgrund eines Felsrutsches im Jahr 2014 eine Sicherung. Am Ende habe es aber zu viele Hindernisse gegeben.

Noch läuft eine Klage gegen das Verfahren

„Wir sind als Genehmigungsbehörde daran gebunden, dass das zur Sicherung benötigte Material den beabsichtigten Zweck tatsächlich erfüllt“, erläutert Landrat Thomas Hendele. Ein Nachweis zur Eignung habe noch nicht geführt werden können. Dies sei aber eine Grundvoraussetzung zur Einordnung als Abfallverwertungsmaßahme und für weitere Prüfungen. „Diese hohen umweltrechtlichen Unsicherheiten und Prüfnotwendigkeiten führen zu Zeitabläufen, die die schon jetzt aufgebrauchten Zwischenlagerungsmöglichkeiten für die Kalkwerke Oetelshofen weit überschreiten“, heißt es in einer gemeinsamen Stellungnahme.

Zudem sei ungeklärt, wer die Mehrkosten für die Alternativlösung in Höhe von 15 bis 20 Millionen Euro trägt. Diese Summe übersteige weit die Möglichkeiten der privaten Betreiber und der öffentlichen Hand. „Unter Zugrundelegung aller bekannten Faktoren muss daher leider festgehalten werden, dass eine zeitnahe Klärung der Eignung nicht realisierbar ist“, so Uwe Schneidewind und Thomas Hendele.

Scharfe Kritik am Scheitern der Alternativlösung kommt von der Bürgerinitiative Osterholz bleibt. Sie wirft den beteiligten Akteuren „klassische Hinterzimmerpolitik“ und „völlig intransparente Gespräche“ vor. Die Entscheidung sei „hinter verschlossenen Türen“ vor dem nächsten runden Tisch gefallen. „Das führt die Idee, dort über Alternativlösungen zu verhandeln, ad absurdum. Wir stehen nicht für eine Alibi-Veranstaltung zur Verfügung“, sagt Sprecher René Schuijlenburg.

Seine Mitstreiterin Marjolein Schlüter befürchtet nun, dass es bald zu einer Rodung des betroffenen Waldgebiets kommen könnte. „Das muss dann Herr Schneidewind verantworten, der als Initiator des runden Tisches kläglich gescheitert ist“, lautet ihre Meinung.

Tatsächlich wird die Fällung der 1000 Bäume für die Haldenerweiterung jetzt wahrscheinlicher. Noch läuft eine Klage gegen das Vorhaben beim Oberverwaltungsgericht in Münster. „Sollte das Urteil unsere Position bestätigen, werden wir die Erweiterung zeitnah durchführen“, sagt Till Iseke von der Oetelshofen-Geschäftsführung.

Er verweist auf den Zeitdruck des Unternehmens. „Wir müssen schon länger Abraum auf Flächen kippen, die zur Kalkgewinnung vorgesehen sind“, erläutert Iseke.

Er hofft auf die Einsicht der Aktivisten, die nach wie vor Bäume besetzt halten. „Wir werden das Vorhaben aber bei einem für uns positiven Urteil mit Hilfe der Ordnungsbehörden durchsetzen“, stellt Iseke klar.

Genehmigung

Für die Haldenerweiterung haben die Kalkwerke eine Genehmigung. Der entsprechende Planfeststellungsbeschluss wurde von der Bezirksregierung Düsseldorf schon im Sommer an das Unternehmen übergeben. Danach sind die Kalkwerke zur Ablagerung von Nebengestein in einer Größenordnung von über zwei Millionen Kubikmetern auf einer Fläche von sieben Hektar berechtigt. Im Gegenzug müssen die Betreiber Staub- und Lärmschutzmaßnahmen durchführen sowie Vorgaben für eine geregelte Oberflächenentwässerung umsetzen. Außerdem muss die entstehende Halde wieder großflächig aufgeforstet werden.

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