Verkehrssicherheit

Wuppertal ist bundesweit die Blitzer-Hauptstadt

Blitzer, wie hier auf dem Robert-Daum-Platz, stehen auf Wuppertals Straße besonders dicht. Archivfoto: Stefan Fries
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Blitzer, wie hier auf dem Robert-Daum-Platz, stehen auf Wuppertals Straße besonders dicht.

Wuppertal. Die Studie setzt die Anzahl der Messanlagen ins Verhältnis zur Straßenfläche der Stadt.

Von Katharina Rüth und Sven Theelen

Unter den 40 größten Städten Deutschlands ist Wuppertal diejenige mit den meisten Blitzern – im Verhältnis zur Straßenfläche. Das ergibt eine Statistik, die die Anwaltskanzlei Goldenstein aus Berlin zusammengestellt hat.

Danach gibt es in Wuppertal 45 fest installierte Blitzer und durchschnittlich 2,7 mobile Blitzer pro Tag. Verteilt auf 1406 Hektar Straßenfläche ergibt das die höchste Blitzerdichte in den untersuchten Städten: 34 Blitzer pro Tag und 1000 Hektar Straßenfläche.

In dem Ranking folgen mit größerem Abstand die Städte Freiburg im Breisgau (22,3 Blitzer pro Tag und 1000 Hektar Straßenfläche) und Bonn (21,6). Köln hat absolut gesehen die meisten festen Blitzer (54), liegt aber beim Verhältnis Blitzer zu Straßenfläche auf Platz 12 (16,0) und Düsseldorf auf Platz 18 (12,3). Krefeld liegt unter den 40 Städten auf dem vorletzten Platz mit 1,7 Blitzern pro Tag und 1000 Hektar Straße. Am wenigsten wird offenbar in Magdeburg kontrolliert: Dort soll es nur 0,9 Blitzer/Tag/1000 ha geben – und keinen einzigen festen Blitzer.

Für die Statistik der Anwaltskanzlei wurden so genannte Blitzer-Apps ausgewertet. Danach wurden in Wuppertal 45 fest installierte Geschwindigkeitsmesser gezählt. Die Stadtverwaltung berichtet auf Nachfrage allerdings nur von 25 Säulen inklusive des Trailers am Otto-Hausmann-Ring mit insgesamt 39 Aufnahmevorrichtungen. Einige davon messen nur das Tempo (etwa an der Nützenberger oder der Düsseldorfer Straße), einige reagieren auf Rotlichtverstöße (etwa an der Dahler oder der Langerfelder Straße) und einige Blitzer lösen bei beiden Regelverstößen aus (wie an der Südstraße und der Carnaper Straße).

Anstoß zur Aufstellung solcher Anlagen gibt meist die Polizei

Mobile Geschwindigkeitsmessungen führt einerseits die Stadt durch, die dafür vier Fahrzeuge mit sechs Kameras zur Verfügung hat, andererseits die Polizei. Die nutzt dafür drei Fahrzeuge und etwa ein Dutzend Radarpistolen, berichtet Polizeisprecher Stefan Weiand, der auf die sorgfältige Schulung der Beamten zur sicheren Handhabung der Geräte hinweist.

Für feste und mobile Tempomessgeräte gilt: Sie sollen der Verkehrssicherheit dienen, werden daher unter anderem an Schulen, Kitas und Altenheimen eingesetzt. Polizeisprecher Stefan Weiand will die festgestellte Dichte der Blitzer nicht werten, stellt aber fest: „Wenn es der Sicherheit im Verkehr dient, kann es ja nicht falsch sein.“

Die durch Bußgelder generierten Einnahmen seien nebensächlich, betonen Stadtsprecherin Ulrike Schmidt-Keßler und Polizeisprecher Stefan Weiand. Verwarngelder bis zu einer Höhe von 35 Euro kann die Polizei vor Ort verbuchen, höhere Beträge ziehen ein Ordnungswidrigkeitsverfahren nach sich.

Wie hoch die Einnahmen der Stadt insgesamt sind, könne man nicht genau nachvollziehen, erklärt Carsten Vorsich, Leiter des Ordnungsamts, da Bußgelder für Rotlichtverstöße, Tempolimitverstöße und wegen zu hoher Beladung in einen Topf gehen. Eine vor drei Jahren genannte Zahl von 5,5 Millionen Euro im Jahr könne daher nur eine Schätzung sein. Wo fest installierte Blitzer aufgestellt werden, entscheidet die städtische Unfallkommission, ein Gremium, in dem Polizei, Ordnungsamt, das städtische Ressort Straßen und Verkehr, die Stadtwerke und die Bezirksregierung vertreten sind. Den Anstoß zur Aufstellung solcher Anlagen gebe meist die Polizei. Die Entscheidungen der Kommission sind bindend. „Wir müssen dann keinen mehr fragen, auch die Politik nicht“, betont Carsten Vorsich. Bei Blitzern an der Autobahn entscheidet eine Unfallkommission bei der Bezirksregierung.

Eine Besonderheit sind die fünf Blitzer auf den Straßen zur A 46, die im Dezember 2020 installiert wurden. Sie sollen die Einhaltung des Tempolimits von 40 Stundenkilometern auf diesen Straßen überwachen. Das hat nicht die Sicherheit, sondern die Verbesserung der Luftqualität an diesen Straßen zum Ziel. Das Tempolimit gehört zu einem Vergleich mit der Deutschen Umwelthilfe, die wegen der schlechten Luftqualität geklagt hatte.

Um diese wie um andere Blitzer gibt es immer wieder Diskussionen. So sorgte für Aufregung, als Kämmerer Johannes Slawig die Aufstellung des Blitzers an der A 1 im Zusammenhang mit der Einbringung des städtischen Haushalts ankündigte und davon sprach, man erwarte 1,5 Millionen Euro an Bußgeldern im Jahr. Das brachte ihm etwa Kritik vom ADAC ein, der darauf verwies, dass Geschwindigkeitsmessungen der Sicherheit dienen sollen und nicht als Einnahmequelle der Stadt.

Mit dem Rotlicht-Blitzer an der Südstraße gab es lange Ärger, weil viele Fahrer das Überfahren des Rotlichts auf die unübersichtliche Ampelanlage zurückführten. Deshalb wurde die Anlage 2017 verändert.

Ein geblitzter und verärgerter Autofahrer war es wahrscheinlich auch, der 2019 den Blitzer an der Parkstraße gestohlen hat. Der Täter wurde nie gefunden, ein neuer Blitzer wurde installiert.

Und einmal spielte eine Blitzeraufnahme eine Rolle in einem Mordfall: Als 2019 eine Seniorin auf Küllenhahn getötet und ihr Auto gestohlen wurde, fahndete die Polizei mit einem Blitzerfoto des Autos (mit geschwärztem Fahrerbild) nach dem Täter. Der stellte sich dann freiwillig und wurde später zu lebenslanger Haft verurteilt.

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