Nach dem Hochwasser

Improvisiertes Weihnachtsfest im Wohnwagen

Reinhard Müller lebt seit dem verheerenden Hochwasser in einem Wohnwagen neben seinem überschwemmten Haus. Foto: Stefan Fries
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Reinhard Müller lebt seit dem verheerenden Hochwasser in einem Wohnwagen neben seinem überschwemmten Haus.

Reinhard Müller hat beim Hochwasser sein gesamtes Hab und Gut verloren – er ist gerührt von der Nächstenliebe seiner Nachbarn.

Von Maren Boots

Wuppertal. Für Reinhard Müller ist an Weihnachtsstimmung nicht zu denken. Bei der Flutkatastrophe im Juli hat er sein Haus, seine Möbel und sein komplettes Hab und Gut verloren. Seitdem lebt der 60-Jährige in einem Wohnwagen direkt neben seinem Haus im Morsbachtal. Noch immer gibt es in seinem leeren, kalten Bungalow keinen Strom und keine Heizung, die Aufräumarbeiten gehen schleppend voran.

Den Stern und eine kleine Weihnachtsbotschaft habe ich von Pfarrer Hoppe geschenkt bekommen. Da war ich wirklich gerührt.

Reinhard Müller lebt seit einem halben Jahr im Wohnwagen.

Man habe wochenlang keine Handwerker bekommen können, alle zertifizierten Meisterbetriebe seien komplett ausgebucht. Und Laien sowie Freunde oder Nachbarn, die sich anbieten zu helfen, hätten keine Berechtigung dazu. „Selbst, wenn ein Helfer Rechnungen schreiben könnte, er aber nicht zertifiziert ist, dann kriegst du kein Geld“, sagt Müller verständnislos.

Heike Hartwich, , Organisatorin der Aktion „Helfende Hand“, unterstützt den Flutgeschädigten schon seit August und muss sich mit Gutachtern, Stromversorgern, Handwerksbetrieben, der Stadtverwaltung und der Politik herumschlagen, koordiniert Sachspenden und führt freiwillige Helfer mit den Flutopfern zusammen. „Durch die ‚Helfende Hand‘-Aktion habe ich mir ein Netzwerk bilden können und da gibt es eben zum Glück auch Handwerker“, erklärt Hartwich. Wie beispielsweise Matthias Merten, Zimmermeister und Geschäftsführer der Zimmerei Merten, der bereits vielen Flutopfern unentgeltlich wieder auf die Beine geholfen hat.

60-Jährigem wurde nach einem Sturz von der Leiter gekündigt

Und auch bei Reinhard Müller ist er einer der helfenden Hände, diesmal gemeinsam mit einem Elektrofachbetrieb, um die fehlende Elektrik im Haus unter die Lupe zu nehmen. Doch weitere Aufräum- und Handwerksarbeiten lassen noch auf sich warten. Daher wird Müller wohl noch länger in seinen eigenen vier Wohnwagenwänden ausharren müssen. „Es ist zwar sehr klein, aber ich fühle mich da drin ehrlich gesagt recht wohl“, sagt Müller zu seinem neuen Übergangsheim. Ein bisschen weihnachtlich geschmückt mit ein paar Kerzen und einem Weihnachtsstern wirkt das kleine Zuhause sogar sehr einladend und gemütlich. „Den Stern und eine kleine Weihnachtsbotschaft habe ich sogar von Pfarrer Hoppe aus der evangelischen Gemeinde Cronenberg geschenkt bekommen. Da war ich wirklich gerührt. So etwas ist Nächstenliebe“, erzählt Reinhard Müller mit brüchiger Stimme. Generell sei er überwältigt von der ganzen Hilfe, von der Aufopferung und Solidarität der Menschen um ihn herum.

Jetzt heißt es für den 60-Jährigen Hoffen und Bangen, dass die Kosten für die noch anstehenden Reparaturen nicht allzu hoch werden. Matthias Merten schätzt allerdings die Summe allein für die Elektrikarbeiten auf 25 000 bis 30 000 Euro. „Wenn man das alles neu macht, ist man ganz schnell fünfstellig.“ Woher dieses Geld kommen soll, weiß Müller aktuell nicht. Zu allem Übel hat er sich bei Aufräumarbeiten durch einen Sturz von einer Leiter so schwer verletzt, dass er seit September krankgeschrieben und ihm deshalb seine Kündigung ausgesprochen worden ist. Durch die Unterstützung einer Rechtsanwältin konnte man wenigstens eine Weiterbeschäftigung bis Ende des Jahres erreichen.

Dennoch versucht Reinhard Müller, irgendwie positiv in die Zukunft zu blicken. In dem Wohnwagen kann er zunächst so lange bleiben wie nötig, denn den konnte er mit Unterstützung von seiner Familie für 25 000 Euro kaufen. Für die erste Zeit danach habe der Wagen auf einem Feld etwas weiter weg vom Haus gestanden, jedoch zwangen Plünderer und der bevorstehende Winter den Besitzer dazu, ihn näher an sein Grundstück zu setzen.

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