Tourismus

Wuppertal: Großer Zuwachs an Hotels

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Das Hotel Holiday Inn Express am Wall feierte im Mai Richtfest. 

WUPPERTAL Ketten investieren, weil die Belegung über Bundesschnitt liegt. FOC macht Planung unsicher.

Von Eike Rüdebusch

Wuppertal. Die Stadt wird im kommenden Jahr einen großen Zuwachs an Hotels und damit Zimmern und Betten bekommen. 506 Zimmer gibt es aktuell bereits um den Döppersberg – 339 sollen mit dem Holiday Inn Express, dem 99 Hotel und dem Post Boutique Hotel dazukommen. Die Bauten sind weit fortgeschritten, die Eröffnungen mehr oder minder fest terminiert. Dabei bleibt die Frage: Braucht Wuppertal die vielen neuen Hotels?

Auf den ersten Blick scheinen die Zahlen nicht dafür zu sprechen: Die Statistikstelle des Landes, IT NRW, gibt an, dass die mittlere Bettenauslastung der 18 aufgeführten Hotels in der Stadt in diesem Jahr (Januar bis Juli) bei 40 Prozent lag. Die Zahl der Gäste in der Stadt ist insgesamt im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 1,2 Prozent gesunken, die der Hotelgäste um 1,8 Prozent. Nach Aufbruchstimmung sieht das erst einmal nicht aus.

Dabei ist die Bettenauslastung in Hotelkreisen gar nicht der ausschlaggebende Faktor, wie Isabel Hausmann, stellvertretende Geschäftsführerin des Gaststättenverbands Dehoga Nordrhein, erklärt. „Die Zahl muss man eigentlich umrechnen. Denn die Hotelbranche rechnet eigentlich mit Zimmerbelegungen.“ Die Betten müsse man mit dem Faktor 1,8 multiplizieren – der vielen Doppelzimmer wegen. Dann lande man bei 72 Prozent Zimmerauslastung. „Das ist eine gute Belegung, über dem Bundesdurchschnitt“, erklärt Hausmann.

Die ist dann auch Anreiz für die Hotelketten, neu zu investieren. „Vor allem im niedrigen und mittleren Preissegment“, erklärt Jürgen Herres von der Agentur, die die Kommunikation für das Bauprojekt Holiday Inn Express an der Ecke Wall / Schloßbleiche macht. Zumal die Hotelketten auch die bestehende Lage am Markt analysierten und eine Lücke sehen für moderne Hotels, weil „bestehende Betriebe nicht auf dem neusten Stand“ seien.

Bisher fehlten die Kapazitäten für Großgruppen

Was abwertend klingt, sieht aber nicht einmal der Gaststättenverband als problematisch: Hausmann sagt, dass neue Hotels bestehende Betriebe anspornten. Sie geht nicht von Verdrängung aus, sondern von „Bewegung am Markt“ – etwa einer Neuorientierung zu anderen Kundengruppen oder neuen Investitionen, davon, dass sich Hotelbetreiber wieder „mehr Mühe“ geben würden, wenn die Konkurrenz größer würde.

Für die Stadt ist die neue Belebung des Hotelmarktes positiv. Martin Bang, Geschäftsführer des Wuppertal Marketings, sehnt die zusätzlichen Betten herbei. Denn bisher sei Wuppertal nicht im Fokus von Reiseanbietern, weil hier die Kapazitäten für Großgruppen fehlten. Unter der Woche seien eben viele Zimmer durch Geschäftsreisende oder Messebesucher aus Essen, Dortmund, Düsseldorf belegt. Das sind die Hauptzielgruppen für die Hotelbetreiber. Auch Jürgen Herres nennt diese Gruppe das „Brot-und-Butter-Geschäft“.

Bang sagt, dadurch fehlten aber Zimmer für Reisegruppen oder Großveranstaltungen etwa in der Stadthalle. Erst durch das neue Angebot könne Wuppertal für diese Zielgruppe richtig beworben werden, dann könnte Bang auch neue Pakete schnüren.

NEUERÖFFNUNGEN

POST BOUTIQUE HOTEL Das Hotel am Platz am Kolk soll im Frühjahr 2019 eröffnen. Es soll 77 Zimmer bieten.

HOLIDAY INN EXPRESS Das Hotel mit 163 Zimmern an der Schloßbleiche / Ecke Wall soll Anfang 2019 öffnen.

99 HOTEL Das Haus in der ehemaligen Dresdner Bank soll 99 Zimmer haben und 2019 öffnen.

Auch die zentrale Lage, die Nähe der Häuser zueinander, sei wichtig – denn Reisegruppen könnten so zusammen planen, auch wenn sie örtlich getrennt würden. Er befürchtet auch keine Konkurrenz, sondern sieht vielmehr eine Belebung durch das Angebot. Er vergleicht die Hotels mit den Gastronomieangeboten. Die profitierten auch von den Nachbarn – wenn hier ein Lokal voll ist, geht der Kunde eben da in ein anderes. Solange es genug Alternativen gebe, komme er auch wieder, statt sich frustriert abzuwenden, wenn es einmal keinen Platz im favorisierten Lokal gebe.

Zudem sei die Gastronomie in der Innenstadt auch Teil des Unterbringungs-Konzepts, da viele Hotels eben keine eigene Küche mehr anböten und so die Infrastruktur der Umgebung mitnutzten.

Bang sieht die Investitionen als gutes Zeichen für die Außenwirkung Wuppertals: „Investoren bauen nicht da, wo es abwärts geht“, sagt er.

Gleichzeitig wurde gewissermaßen unter anderen Voraussetzungen geplant, wie Isabel Hausmann, sagt, weil das FOC mittlerweile nicht mehr als sicher gelte, aber als Publikumsmagnet bei den Hotelplanungen mit einbezogen worden sei.

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