Interdisziplinäres Zentrum für Mobilität und Energie

Uni Wuppertal: Forschung soll nicht an den Menschen vorbeigehen

Professor Dr.-Ing. Felix Huber (r.) und Professor Dr.-Ing. Anton Kummert auf dem Campus Freudenberg. Foto: Stefan Fries
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Professor Dr.-Ing. Felix Huber (r.) und Professor Dr.-Ing. Anton Kummert auf dem Campus Freudenberg.

Uni Wuppertal hat ein Interdisziplinäres Zentrum für Mobilität und Energie gegründet

Wuppertal. Das Gespräch führte Eike Rüdebusch

Die Uni hat sich ein neues Interdisziplinäres Zentrum für „Mobility and Energy“ gegeben. Das klingt theoretisch.

Anton Kummert: Nein, es geht auch um ganz konkrete Fragen. Wir wollen keine Forschung betreiben, die an der Realität der Menschen und der Wirtschaft vorbeigeht. Es wird im IZME um Verkehr, klimafreundliche und multimodale Mobilität gehen, also darum, wie man ÖPNV, Individualverkehr, die Bahn und Rad- und Fußverkehr zusammenbringt und besser verknüpft; um automatisiertes Fahren und um die nötige Energieversorgung. Felix Huber: Und auch darum, wie man diese Energieversorgung sicherstellen kann – etwa auch für Elektroautos im Quartier. Die Themen betreffen die Bürger und das Leben gerade in der Stadt.

Warum braucht es ein neues Zentrum an der Uni, um daran zu forschen? Das tut die Uni doch ohnehin.

Huber: Das IZME ist erst einmal ein Mantel, der mit Leben gefüllt werden will. Wir werden jetzt die vielen Professoren und Forscher zusammenbringen, die vorher nicht über die Fakultätsgrenzen zusammengearbeitet haben. Wir bündeln die beachtlichen Kompetenzen von über 25 Professuren in den Themen Mobilität und Verkehr sowie Energie an der Bergischen Universität. Kummert: Wir fangen aber nicht bei null an. Das IZME ist zusammen mit dem Profilkern „Mobility and Energy“ der Bergischen Universität Teil eines der neuen Schlüsselthemen, die die Uni sich für die kommenden fünf Jahre gegeben hat. Gerade deswegen ist es wichtig, ein Gesicht nach außen zu haben und als Schwergewicht aufzutreten. Das geht als Zentrum besser als einzelner Professor.

Vor zehn Jahren hätte das kaum zusammengepasst, aber heute sind Mobilität und Energie nicht mehr voneinander zu trennen.

Professor Anton Kummert

Verkehr ist eines der Themen. Wie passt das mit Energie zusammen?

Kummert: Vor zehn Jahren hätte das kaum zusammengepasst, aber heute sind Mobilität und Energie nicht mehr voneinander zu trennen. Energie muss bei Mobilität immer mitgedacht werden – wir werden nicht beim Verbrenner bleiben, der Trend geht in Richtung Elektroantrieb. Das gilt auch für andere Kraftstoffe, die mit Energie zu tun haben wie Wasserstoff.

Das Thema Wasserstoff spielt in Wuppertal schon eine Rolle. Die Stadtwerke betanken einige Busse mit Wasserstoff an der Müllverbrennungsanlage.

Huber: Eine spektakuläre Geschichte, die durch kurzsichtige Gesetzgebung gefährdet werden könnte, weil die Förderung eingestellt werden könnte, weil der Wasserstoff aus der Müllverbrennung nicht als sauber gilt. Bis wir Müll ganz vermeiden, wird es noch dauern. Solange sollte man die überschüssige Energie aus der Müllverbrennung nutzen dürfen. Ich denke, bei solchen Prozessen können wir auch als Wissenschaftler versuchen, zu Diskussionen beizutragen und Einfluss auf die Politik zu nehmen.

Gibt es andere Beispiele, bei denen Sie sich politisch einbringen?

Kummert: Der Verkehrssektor ist ein Feld, auf dem die Weichen zur Energiewende gestellt werden müssen. Ebenso beim autonomen Fahren – an dem die Bergische Universität ganz eng mit Aptiv zusammenarbeitet und gemeinsam Teil des Clusters Automotiveland NRW ist. Über die Verbandsstruktur sind wir ganz nah an der Wirtschaft und der Politik.

Wie nah sind Sie an den Bürgern?

Huber: Sehr nah zum Beispiel, wenn es darum geht, wie man E-Mobilität im Quartier verankert und die Stromversorgung für Elektrofahrzeuge sicherstellt. Das Thema wird auch Teilaufgabe des Solar Decathlon Europe sein, der nächstes Jahr am Bahnhof Mirke stattfinden wird. Wie kann man im Quartier die Versorgung sicherstellen, wie und wo wird die Energie erzeugt, gespeichert, wie lässt sich die Verteilung intelligent steuern? Da werden Steuerungssysteme gebraucht und Fragen zu klären sein, wie man die Stromleitungen in den Quartiersstraßen dafür vorbereitet – also auch die Frage der Infrastruktur: Werden die Straßen alle für neue Leitungen aufgerissen werden müssen oder kann man das intelligenter durch smarte Steuerungstechnik lösen? Damit lassen sich dann auch Kosten für den Bürger sparen.

Energie und Mobilität müssen also auch in der Stadtplanung mitgedacht werden.

Huber: Eine Disziplin allein macht keine Systemlösung. Und um die Aufgaben der Verkehrs- und Energiewende zu lösen, benötigen wir Systemlösungen. Es geht am IZME darum, die Ingenieurdisziplinen zusammen und hintereinander zu bringen, etwa am Beispiel des Trolleybusses in Solingen: Der wird an Oberleitungen geladen, aber da, wo es städtebaulich sensibel ist, könnte er mit Batterie fahren, an Steigungsstrecken wieder an der Leitung. Das muss energetisch abgestimmt sein, da spielt Stadtplanung eine Rolle, aber auch Maschinenbau. Und zuletzt auch der Fahrplan. Es geht um eine intelligente und integrierte Gestaltung aller Faktoren. In interdisziplinären Teams gemeinsam komplexe Aufgaben für den Verkehr der Zukunft zu lösen, das müssen wir in der Forschung leisten, aber auch unseren Studentinnen und Studenten beibringen.

Personen

Professor Dr.-Ing. Anton Kummert ist Dekan der Fakultät für Elektrotechnik, Informationstechnik und Medientechnik an der Bergischen Universität Wuppertal (BUW). Professor Dr.-Ing. Felix Huber ist Dekan der Fakultät für Architektur und Bauingenieurwesen an der BUW.

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