Landwirtschaft

Erdbeerbauern kämpfen mit gestiegenen Kosten

Landwirt Marc Faßbeck verkauft seine Erdbeeren nur über eigene Stände.
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Landwirt Marc Faßbeck verkauft seine Erdbeeren nur über eigene Stände.

Marc Faßbeck setzt auf die Treue seiner Wuppertaler Kunden – andernorts werden die Früchte schon vernichtet.

Von Nina Mützelburg

Wuppertal. Etwa 3,4 Kilogramm Erdbeeren verzehrt jeder Deutsche pro Jahr. Damit gehört die süße rote Frucht zu den beliebtesten. Mittlerweile gibt es sie fast das ganze Jahr im Supermarkt. Dann kommen die Früchte häufig aus Südeuropa und schmecken – gelinde gesagt – meist nach nichts. Umso mehr fiebern Fans der heimischen Erdbeersaison entgegen. Denn die deutschen Bauern können einfach Erdbeeren: Süß, saftig, aromatisch gehören sie für viele zum Sommer dazu.

Seit Mitte April gibt es bereits die ersten frischen Erdbeeren in Nordrhein-Westfalen. Das sonnige Wetter im März hat dafür gesorgt, dass der Termin für den Ernte-Start in diesem Jahr einige Tage vor dem langjährigen Mittel lag, teilt die Landwirtschaftskammer NRW mit.

Ein Horror aber die Nachrichten, die in den vergangenen Tagen deutschlandweit zu hören waren: Bauern vernichten ihre Erdbeer-Ernte. Grund dafür seien die gestiegenen Energie- und Lohnkosten bei relativ niedrigen Preisen. Für viele würde sich die Ernte schlichtweg nicht mehr lohnen. Hinzu kommt die Inflation. Verbraucher müssen mehr aufs Geld achten und würden sich immer weniger gönnen. „Die Verbraucher verzichten momentan und kaufen eher weniger, was sie nicht unbedingt brauchen. Das ist nicht nur bei Erdbeeren so, sondern auch bei Spargel“, sagt Saskia Wietmann von der Landwirtschaftskammer NRW.

Seit einer Woche gibt esErdbeeren aus Wuppertal

NRW steht als Erdbeer-Land hinter Niedersachsen auf Platz zwei. Jede fünfte in Deutschland geerntete Erdbeere stammt aus Nordrhein-Westfalen. Hier wuchsen 2021 auf 2554 Hektar Erdbeeren, die meisten, 2071 Hektar, ungeschützt im Freiland.

Wuppertal ist keine typische Region für Erdbeeren, im Gegensatz zum Rheinland. Der Boden ist nicht ideal und es regnet zu viel. Der Erdbeerhof von Bauer Marc Faßbeck ist da eine schöne Ausnahme. Seit etwa einer Woche werden hier die süßen Früchte geerntet und verkauft.

Für Bauer Marc Faßbeck käme es gar nicht infrage, dass er seine Ernte vernichtet: „Unsere Kunden freuen sich immer schon lange auf die Erdbeeren“, sagt er. Rund sechs Hektar Land bewirtschaftet er mit den Beeren, für ihn lohnt sich der Anbau noch, obwohl auch er über die gestiegenen Kosten klagt: „Insbesondere die Löhne sind gestiegen. Auch Düngemittel ist sehr teuer geworden. Wir haben aber sehr viele Kunden, die uns treu sind und ihre Erdbeeren auch in diesem Jahr wieder bei uns kaufen“, freut er sich.

Der Erdbeerhof verkauft das Schälchen mit 500 Gramm Erdbeeren für vier Euro. Das ist sogar günstiger als im vergangenen Jahr. Im Supermarkt, beim Discounter, gibt es die Schälchen schon für rund zwei Euro. „Wir können momentan aber keine höheren Preise durchsetzen“, sagt Faßbeck. Dass andere Bauern bereits Ernte vernichten mussten und er nicht, erklärt er sich durch sein Vermarktungsmodell: Der Erdbeerhof verkauft ausschließlich über die eigenen Stände und beliefert keine Märkte. „Der Handel zahlt momentan den Landwirten nicht genug, als dass es sich lohnen würde“, bestätigt auch Saskia Wietmann.

Trotzdem würde auch von den Bauern, die sich entschlossen haben, den Handel nicht mehr zu beliefern, nicht alle gleich die Ernte vernichten. „Einige machen aus den Früchten auch Saft oder Marmelade“, so die Expertin von der Landwirtschaftskammer.

Bis Juli dauert die Erdbeersaison in NRW an. Die Ernte von Bauer Faßbeck kann in Wuppertal am Schevenhofer Weg (8.30 bis 18 Uhr), am Frankholzhäuschen (9 bis 18 Uhr) und am Westfalenweg (9 bis 18 Uhr) gekauft werden. Und noch eine gute Meldung gibt es für alle, die ihre Erdbeeren selber zu pflücken wollen. Das geht bei Bauer Faßbender ab dem Wochenende wieder am Schevenhofer Weg und Frankholzhäuschen. Am Lehn 2, bei Gelbrich Erdbeeren, sind die Felder für Selbstpflücker ebenfalls geöffnet.

Die Landwirtschaftskammer geht davon aus, dass insbesondere über Pfingsten, vorausgesetzt das Wetter ist gut, die Nachfrage auch auf den Selbstpflückerfeldern, noch einmal steigen wird.

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