Interview

Entsorgung von E-Autos: „Das Thema ist nicht zu Ende gedacht“

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Der abgebrannte Tesla hat Martin Bickenbach und sein Team vor ganz neue Herausforderungen gestellt.

WUPPERTAL Nach dem Brand eines Tesla kritisiert AWG-Chef Martin Bickenbach fehlende Konzepte für Entsorgung und Sicherheit.

Das Gespräch führte Claudia Kasemann 

Herr Bickenbach, die Abfallwirtschaftsgesellschaft Wuppertal musste vor kurzem mit einem abgebrannten Tesla umgehen, eine Premiere?

Martin Bickenbach: Ja, und eine Herausforderung, vor der nicht nur wir stehen. So eine beschädigte Antriebsbatterie, 600 Kilogramm schwer, gilt als problematischer Sondermüll, den wir nicht ohne weiteres entsorgen können.

Was war zu tun?

Bickenbach: Wir mussten erst einmal herausfinden, ob die Antriebsbatterie noch verwendbar war und auf welchem Wege sie fachgerecht weiterverwertet werden kann. Ende vergangenen Jahres hat Tesla die Batterie nach mehreren Wochen schließlich abgeholt.

Klingt kompliziert.

Bickenbach: Das ist es auch. Nicht falsch verstehen: Neue Wege zu gehen, auch in Sachen Elektromobilität, ist gut und richtig, und ich habe absolut nichts gegen Hersteller wie Tesla oder VW. Doch es hilft nicht, wenn zwar gefordert, gebaut und verkauft, aber nicht zu Ende gedacht wird.

Inwiefern?

Bickenbach: Der Fall des abgebrannten Fahrzeugs hat gezeigt, wie viele Aspekte von E-Mobilität noch ungeklärt sind. Zum Beispiel die Frage der richtigen Entsorgung.

Was ist dabei zu beachten?

Bickenbach: Wegen des unbestrittenen Brandrisikos müssen die Antriebsbatterien unter hohen Sicherheitsauflagen transportiert werden. Derzeit sind bundesweit nur wenige Firmen in der Lage, größere Lithium-Ionen-Akkus aufzuarbeiten.

Nun brennt ein Elektrofahrzeug ja nicht täglich, ist der Fall nicht als Ausnahme zu betrachten?

TESLA UND E-BIKES

AUSGEBRANNT Unbekannte hatten den Tesla eines Wuppertalers im Sommer in Ratingen in Brand gesetzt. Der Besitzer des Wagens hatte anschließend enorme Probleme, einen Entsorger zu finden. Schließlich übernahm die AWG Wuppertal das Wrack. Von August bis Dezember stand es dort auf dem Schrottplatz, bevor Tesla die Batterie abholte.

TRANSPORT Größere Lithium-Ionen-Akkus dürfen wegen der Gefahr der Entzündung nicht einfach transportiert werden. Das betrifft nicht nur E-Auto-Besitzer, sondern schon E-Bike-Fahrer. Denn: Auch E-Bike-Akkus, die beispielsweise repariert werden sollen, sorgen für Transportprobleme. Sie gelten ebenfalls bereits ab einer gewissen Größe als Gefahrgut und dürfen nicht einfach als Paket versendet werden. neu

Bickenbach: Angesichts der steigenden Zahl von Elektroautos muss man sich auf mögliche Gefahren einstellen. Sicherheitsfragen sind ein großes Thema. Was ist beim Löschen von E-Mobilen zu beachten? Auf welche Risiken müssen sich Einsatzkräfte einstellen? Müssen überhitzte E-Batterien nach einem Brand zur Abkühlung in einem Container mit Wasser gelagert werden? Es gibt bei dem Thema sehr viele Aspekte, über die man sich zukünftig Gedanken machen muss.

Welche sind das noch zum Beispiel?

Bickenbach: Zum Beispiel die Frage der Haftung in Brandfällen, die sich in Parkhäusern oder Tiefgaragen ereignen, der große Bereich Versicherungen.

Das alles kann man hier in Wuppertal kaum klären.

Bickenbach: Nein, da sind Bund und Land gefragt.

Wie rüsten sich AWG und WSW?

Bickenbach: Wir werden uns mit unserer Autorecyclingsparte auf Elektromobilität einstellen, auf neue Recyclingverfahren setzen. Dabei wird es auch um die Verwertung der Batterien und mögliche Stromspeicherung gehen.

Die Tesla-Batterie hat der Hersteller ja zurückgenommen, wo befindet sich das Wrack nun?

Bickenbach: Bei uns. Wir schauen, was sich weiter verwerten lässt.

Wie sieht die Ausstattung mit öffentlichen Ladesäulen in der Stadt aus?

Bickenbach: Die Wuppertaler Stadtwerke haben 21 Standorte mit 23 Ladesäulen und 58 Ladepunkten, quasi Steckdosen. Eine Ladesäule kostet rund 15 000 Euro, davon werden in der Regel 50 Prozent gefördert.

Wie beurteilen Sie die Abdeckung, wo könnten weitere sinnvolle Standorte eingerichtet werden?

Bickenbach: Vor öffentlichen Gebäuden wie Schulen und Kindergärten beispielsweise, denn dort gibt es entsprechenden Strombedarf, dort halten sich Mitarbeiter, Lehrer oder Erzieher länger auf – anders als auf Parkplätzen in den Innenstädten.

Die Wuppertaler Stadtwerke und die AWG haben erst kürzlich den neuen Wasserstoffbus nebst entsprechendem Tankstellen-Neubau vorgestellt, weitere Busse sind bereits bestellt...

Bickenbach: . . . und wir planen sogar, zwei Wasserstoff-Müllfahrzeuge in Dienst zu stellen.

Wäre Elektroantrieb für die Müllfahrzeuge keine Alternative?

Bickenbach (lacht): Bei unserer Wuppertaler Topographie – leider nein. Die wären auf dem Weg von der Talsohle auf die Höhen ganz schnell am Ende.

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