Hauptbahnhof

Deutsche Bahn resigniert bei Taubenproblem

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Pendler müssen am Wuppertaler Hauptbahnhof immer auf der Hut sein. Die Bahnsteige sind mit Kot und Federn übersät. Fotos: Stefan Fries/H.D. Schmitz

WUPPERTAL Die Wartebereiche am Hauptbahnhof sind mit Kot und Federn übersät. Lösungen gibt es keine.

Von Daniel Neukirchen

 Es ist nicht zu übersehen: Am Wuppertaler Hauptbahnhof gibt es ein Taubenproblem. Die Vögel fühlen sich an den Gleisen so richtig wohl, nisten und flattern über den Köpfen der Bahnreisenden. Und wie man auf dem Boden deutlich sieht, lassen sie nicht selten etwas in Richtung Fahrgäste fallen.

Auch einige der Sitzgelegenheiten, gerade im Bereich der Gleise 2 und 3, sind mit verkrustetem Vogel-Kot überzogen. „Da werde ich mich bestimmt nicht drauf setzen“, sagt Bahnkundin Anna Gräfe (54). Diese Sitze am Ende des Gleises nutze eh selten jemand. Die unappetitliche Optik mag seinen Anteil daran haben.

Auch das Warte-Häuschen am Gleis 2/3 ist leer. Dieses lädt nämlich auch nicht zum Verweilen ein. Die Heizung an der Wand ist von unten bis oben befleckt. Im besten Fall hat jemand seinen Kakao dort ausgeleert.

Früher gab es die „Harnröhre“, heute droht die Gefahr von oben

Die Aufenthaltsqualität an den Bahngleisen ist nicht sehr hoch. Gerade im Kontrast zu der neuen Bahnhofsvorhalle und dem neuen Busbahnhof - beides von der Stadt gebaut - erinnert der Gang in den von der Bahn verwalteten Bereich des Hauptbahnhofs zwangsweise zurück an Wuppertals Vergangenheit, als Neuankömmlinge die Stadt durch die sogenannte „Harnröhre“ betreten mussten.

Rudolf Freund (50) steht unter den gurrenden Tauben, die sich besonders gerne auf die Abdeckungen setzen, durch die bei der Bahn die Leitungen oberhalb des Bahnsteigs führen. Rechts und links neben ihm zeigen unzählige Kotflecken, dass das Warten an dieser Stelle mit Risiken verbunden ist. Rudolf Freund zeigt sich aber unbeeindruckt: „Tauben gehören zu jeder Stadt dazu. Das ist normal.“ Fahrgast Anna Gräfe ist da vorsichtiger, wie sie sagt: „Ich achte schon darauf, wo ich mich hier hinstelle.“

Auch Spannnetze haben nicht den gewünschten Erfolg gebracht

Der Bahn ist das Problem bekannt. „Es ist schwer, noch mit Einzelmaßnahmen dagegen anzukommen“, sagt ein Bahn-Sprecher. „Uns gehen langsam die Lösungen aus.“ Eine versuchte Lösung sind Spannnetze, die an den Gleisen 4 und 5 die Vögel von den höher gelegenen Konstruktionen fernhalten sollen.

„Die Tauben suchen sich aber Alternativen“, heißt es von der Bahn. Die finden sie auch. So sind die Netze an den übrigen Gleisen nicht zu finden. Und auch die Taubenabwehrspitzen, die an einigen Flächen des Bahnhofs angebracht sind, weisen Lücken auf, so dass die Vögel trotzdem immer einen Platz zum Ruhen finden.

Lesen Sie auch: So kämpfen die Stadtwerke gegen Ungeziefer und Tauben

Gegenüber unserer Redaktion kündigte die Deutsche Bahn an, auch noch das Gleis 1 in Kürze mit einem Spannnetz ausstatten zu wollen. Es gebe hingegen keine Pläne, auch die Gleise 2 und 3 zu schützen. Es sei zudem nicht möglich, größere Netze einzusetzen, die den kritischen Bereich unter den Leitungen schützen. Denn dann müsste man sich bei der Installation in den Gefahrenbereich der Leitungen bewegen. „Den Bahnverkehr für die Arbeiten ruhen lassen, möchte man auch nicht“, so der Bahn-Sprecher.

Auf dem Döppersberg kümmert sich die Stadt Wuppertal mit einem kreativen Lösungsansatz um das Taubenproblem. Das Wüstenbussardweibchen „Pille“ zieht regelmäßig seine Kreise im Zentrum der Stadt und soll die Tauben in Elberfeld und Barmen verscheuchen.

Die Gegenmaßnahmen allerdings werden zum Teil gleich wieder konterkariert. So auch am frisch umgebauten Döppersberg in Wuppertal: Mit der Naturstein-Wand am neu gestalteten Bahnhofs-areal haben die Tiere jedoch gleich wieder neue Nistplätze gefunden, die bereits rege genutzt werden.

Tauben zu füttern, ist fast überall verboten

TAUBENPLAGE Zahlreiche Kommunen haben sogenannte Straßensatzungen erlassen, in denen das Füttern von Tauben unter Strafe gestellt wird.

GIPSEIER Auch mit kreativen Maßnahmen versuchen Tierschützer, die Taubenpopulationen zu kontrollieren. In Wuppertal etwa hat der Verein Stadttauben inzwischen über 10 000 Eier gegen Gipseier ausgetauscht.

RAUBVÖGEL Auf natürliche Feinde, die in den Städten fast gar nicht mehr vorkommen, setzen Kommunen und Privatleute, die Bussarde oder andere Raubvögel kreisen lassen, um Tauben zu verjagen.

REMSCHEID In Remscheid ist das Füttern von verwilderten Tauben im gesamten Stadtgebiet untersagt. Wer sich daran nicht hält, zahlt bis zu 500 Euro Strafe.

RADEVORMWALD Hier ist das Füttern von wildlebenden Tauben (und auch Katzen) untersagt. Strafe: 30 Euro.

WERMELSKIRCHEN Wer sich in Wermelskirchen nicht ans Tauben-Fütterungsverbot hält, zahlt 35 bis 1000 Euro.

SOLINGEN In der Solinger Straßensatzung ist das Füttern von wilden oder verwilderten Tauben ebenfalls verboten und mit einer Strafe von 25 bis 50 Euro belegt.

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