Gleichberechtigung

Brigitte Halbfas will mehr Professorinnen an die Uni holen

Prof. Dr. Brigitte Halbfas ist die neue Gleichstellungsbeauftragte der Bergischen Universität. Foto: Stefan Fries
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Prof. Dr. Brigitte Halbfas ist die neue Gleichstellungsbeauftragte der Bergischen Universität.

Die neue Gleichstellungsbeauftragte Brigitte Halbfas setzt sich für mehr Frauen in den Mint-Fächern ein.

Von Eike Rüdebusch

Wuppertal. Gender-Sternchen und Binnen-I sind heute bei den einen lange Standard, bei anderen Grund zur Aufregung. Die Frage nach geschlechter-gerechter Sprache ist auch eine, mit der sich Brigitte Halbfas beschäftigt – wobei das an der Uni eigentlich schon geklärt ist. Sie ist neue Gleichstellungsbeauftragte der Bergischen Universität. Zusammen mit ihren Stellvertreterinnen Sabine Kinseher und Vanessa Warwick wurde sie im November für vier Jahre ins Amt gewählt.

Halbfas sagt, dass die Universität „Vorreiterin gesellschaftlicher Entwicklungen ist“. Daher sei es kein Wunder, dass an der Uni lange schon auf die Sprache geachtet werde. Auf neutrale Formen wie „Studierende“ oder eben die Sternchen. „Der Genderstern stört den Lesefluss in meinen Augen nicht“, sagt Halbfas.

Aber es sei klar, dass es Diskussionen um solche Umgewöhnungen außerhalb der Uni gebe. „Sprache erzeugt Konzepte in Köpfen und umgekehrt. Nicht umsonst wurden schon vor vielen Jahren Berufsbezeichnungen auf weibliche und männliche Formen geändert“, sagt sie. „Jede Änderung stößt zunächst auf Widerstände – und hier geht es um liebgewonnene Konventionen.“ Es sei aber bemerkenswert, wie stark sich an manchen Stellen in den vergangenen Monaten die gendersensible Sprache durchgesetzt habe.

Auf dem Weg zur Promotion gehen viele Frauen verloren

Halbfas will sich in den kommenden vier Jahren an der Uni mit Themen wie der Vereinbarkeit von Familie und Beruf befassen. Sie will den Professorinnen-Anteil erhöhen. „Hier steht die Bergische Universität im NRW-Vergleich mit 28,4 Prozent (2017) schon ordentlich und etwas besser als der NRW-Schnitt da. Und es ist noch immer viel Luft nach oben.“

Besonderes Augenmerk werde zudem auf den Stufen vor der Professur liegen: „Zwischen dem Abschluss des Studiums, zu dem Frauen und Männer, betrachtet über alle Studiengänge, noch gleichverteilt sind, bis zur Promotion verlieren wir etliche Frauen: Sie sind da deutlich unterrepräsentiert.“

Es müsse also darum gehen, „die Entwicklungschancen und -möglichkeiten auf dieser Stufe zu verbessern.“ Es gelte, früh anzusetzen, die weniger von Frauen nachgefragten Mint-Studiengänge (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) zu bewerben und Frauen bis zur Promotion zu unterstützen. „Die Steigerung dieser Zahlen ist gesamtgesellschaftlich betrachtet sinnvoll und geboten“, ist Halbfas überzeugt.

Ausgewogene Besetzung von Gremien wäre ein Anfang

Die Frage nach Gleichstellung der Geschlechter ist nicht nur eine sprachliche, sondern tatsächlich eine mit handfesten Auswirkungen auf Wirtschaft und Privatleben. Frauen verdienen immer noch weniger als Männer in vergleichbaren Jobs, sind weniger oft in Führungspositionen und verbringen mehr Zeit mit der Pflege von Angehörigen. Das alles sieht man auch an der Uni.

Halbfas sieht das Grundproblem auf zwei Seiten: „Die eine Seite sind vorherrschende gesellschaftliche Strukturen, die sich in Politik, dem gesamten gesellschaftlichen Leben, Unternehmen, Bildungseinrichtungen und Förderinstitutionen abbilden. Sie graben sich zudem – häufig unbewusst – in unser Denken und Handeln ein.“ Das andere sei die Frage der jeweiligen Personen, deren Motivationen und Fähigkeiten. Diese Seite sei zwar leichter zu adressieren, aber es reiche nicht aus, das zu tun. Es müsse bei den Strukturen angesetzt werden, ebenso müssten Entscheidungsgremien ausgewogen besetzt werden.

Sechs Jahre als Professorin in Kassel

Halbfas hat Erfahrungen mit der Arbeit an Genderaspekten in der Wirtschaftswissenschaft. Sie war in den vergangenen sechs Jahren von der Uni beurlaubt, in dieser Zeit Professorin an der Uni Kassel im Bereich Entrepreneurship Education: „Dabei geht es um das Lehren und Lernen unternehmerischen Denkens und Handelns, von der konkreten Lehr-Lernsituation bis hin zu institutionellen Fragen.“ Zudem sei sie stellvertretende Fachbereichsfrauenbeauftragte in Kassel gewesen. Die neue Stelle, für die sie gerne nach Wuppertal zurückgekehrt sei, ist also die „konsequente Zusammenführung der verschiedenen Stränge meiner bisherigen beruflichen Schwerpunkte und Tätigkeiten“.

Zur Person: Brigitte Halbfas

Brigitte Halbfas (53) studierte Wirtschaftswissenschaften, Spanische Philologie sowie Wirtschafts- und Berufspädagogik an der Universität zu Köln. 1998 kam sie an die Bergische Universität, wo sie an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaft - Schumpeter School of Business and Economics promovierte und dort mehrere Jahre, zuletzt im Institut für Gründungs- und Innovationsforschung, tätig war. Ab 2015 leitete sie an der Universität Kassel das Fachgebiet Entrepreneurship Education am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften und kehrte im Januar 2021 wieder zurück nach Wuppertal.

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