Corona-Virus

Aicuris forscht an neuem Covid-Medikament

Innovationsminister Andreas Pinkwart überreichte Aicuris-Geschäftsführer Holger Zimmermann die Urkunde über die Förderung. Foto: Stefan Fries
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Innovationsminister Andreas Pinkwart überreichte Aicuris-Geschäftsführer Holger Zimmermann die Urkunde über die Förderung.

Land fördert Wuppertaler Entwicklung mit 5,9 Millionen Euro – Mittel regt das Immunsystem an.

Von Katharina Rüth

Wuppertal. Das Wuppertaler Unternehmen Aicuris erhält vom Land 5,9 Millionen Euro, um weiter an einem Wirkstoff zu forschen, der Covid-19-Patienten helfen könnte. Die Förderung dient der Finanzierung präklinischer Modelle und der laufenden Pilotstudie mit dem Immunmodulator „AIC649“.

Diese gute Nachricht brachte Andreas Pinkwart (FDP), NRW-Minister für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie, bei einem Besuch in dem Unternehmen mit. Dabei lobte er, es sei „bemerkenswert“, was dem kleinen Team von Aicuris bereits an Forschung gelungen ist und welche dynamische Entwicklung das Unternehmen bisher genommen hat.

Aicuris wurde 2006 als Spin-Off der Bayer AG gegründet und konzentriert sich auf die Erforschung und Entwicklung von Wirkstoffen gegen Infektionskrankheiten. Mit dem Mittel Letermovir ist es bereits erfolgreich bei der Bekämpfung von CMV-Viren, die viele Menschen nach Knochenmarktransplantationen gefährden. Das Unternehmen entwickelt weitere Medikamente gegen Viren wie das Herpes-simplex-Virus, das Hepatitis-B-Virus sowie Adenoviren.

Meist wählt das Unternehmen dabei einen Weg, das jeweilige Virus auf ganz spezifische Weise anzugreifen. Bei der Forschung zu Hepatitis B seien sie jedoch „von der anderen Seite“ an das Thema herangegangen, erklärte Aicuris-Geschäftsführer Holger Zimmermann: Sie regten mithilfe eines inaktivierten Schafspockenvirus das angeborene Immunsystem an. Und dabei habe es eines Tages „Klick gemacht“, berichtete er. Und sie testeten, ob das Mittel auch Patienten mit einer Corona-Infektion helfen könnte. In einem präklinischen Infektionsmodell konnte bereits gezeigt werden, dass AIC649 die Überlebensrate, den Krankheitsverlauf und die Viruslast signifikant verbessert. Es sei ein natürlicher „Booster“ des Immunsystems, fahre die Abwehr gegen viele virale Erreger hoch, erklärte Zimmermann.

Jetzt soll mit der Landesförderung weiter an der Wirksamkeit bei Covid-Erkrankungen geforscht werden. Bisher habe Deutschland vor allem in die Forschung zu Impfstoffen investiert, erläutert Zimmermann. Daher sei es erfreulich, dass nun auch Geld für ein Medikament zur Verfügung gestellt werde. Eine erste internationale klinische Studie habe kürzlich in Berlin und Südafrika begonnen. Mitte 2022 könne mit ersten Daten gerechnet werden.

„Unser Medikament hat das Potenzial, eine Schutzmauer zu bilden – auch gegen zukünftige Viren“, so Zimmermann. Er sieht weiteres Potenzial in dem Mittel: Da es eine sehr breite Immunreaktion hervorrufe, könne es auch gegen weitere Mutationen des Coronavirus eingesetzt werden oder auch gegen ganz neue Virus-Pandemien. Mit dem Mittel kaufe man Zeit, erläutert Zimmermann. Zeit, bis jeweils spezifische Impfstoffe oder Medikamente gefunden sind. Man könne es zunächst beispielsweise Pflegekräften und vulnerablen Gruppen geben.

Nebenwirkungen sind bislang nicht bekannt

Die Vorbereitung auf eine mögliche weitere Pandemie fand bei Minister Pinkwart Beifall: „Wir wissen nicht, ob die aktuelle Pandemie vorbei ist, welche Gestalt sie noch annehmen wird und wann die nächste Pandemie kommt.“ Die Pandemie habe gezeigt: „Wir müssen besser vorbereitet sein.“ Dafür müsse die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft vertieft werden.

Nordrhein-Westfalen biete für zahlreiche Biotech- und Pharmaunternehmen gute Voraussetzungen, Innovationen schnell in die Praxis zu bringen. „Gemeinsam erzielen wir so wichtige Fortschritte zum Wohle von Patientinnen und Patienten. Die Arbeit von Aicuris zeigt eindrucksvoll, wie viel Potenzial im Biotechnologie-Standort Nordrhein-Westfalen steckt“, so Pinkwart.

Er erkundigte er sich auch nach Details zu dem neuen Mittel, etwa wann es einzunehmen sei. „Das ist eine spannende Frage“, sagte Zimmermann. Es sei noch zu klären, ob es in einer frühen Phase der Erkrankung gegeben werden könne oder sogar prophylaktisch. Dafür müsse klar sein, wie lange die Wirkung anhalte und wann diese Prophylaxe erneuert werden muss. Feststeht auch noch nicht, in welcher Form das Medikament später verabreicht werden kann. Aktuell erhielten die Probanden es intravenös, später seien vielleicht auch andere Formen möglich. Nebenwirkungen gibt es nach seinen Angaben bisher noch nicht.

Holger Zimmermann bedankte sich ausdrücklich für die Förderung durch das Land: „Ohne die Fördermittel wäre die Forschung nicht möglich.“ Pinkwart hob hervor, dass eine zweistellige Milliardensumme aufgewendet wurde, um den Schaden der Pandemie gering zu halten. Daher lohne der Einsatz jetzt, „damit wir beim nächsten Mal besser vorbereitet sind und wirklich etwas in der Schublade haben“.

Auszeichnung

Dr. Holger Zimmermann und Prof. Dr. Helga Rübsamen-Schaeff, die Gründungsgeschäftsführer von Aicuris, wurden für die Entwicklung von Letermovir und ihr Projekt „Schutz bei fehlendem Immunsystem – die lebensrettende Innovation gegen gefährliche Viren“ mit dem Deutschen Zukunftspreis 2018 ausgezeichnet.

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