Qualität des Wassers weiter verbessert

Die Wupper: Von der Kloake zur Lebensader

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BERGISCHES LAND Die Wupper fließt quer durch das Bergische Land. Dennoch wächst das Bewusstsein für die Bedeutung des Flusses nur langsam.

Von Anke Strotmann

Else Lasker-Schüler sprach von einem „langen dunklen Fluss“ und der SPD-Politiker Philipp Scheidemann glaubte, dass man allein durch Eintauchen aus einem Sozi einen Zentrumspolitiker machen könnte - so schwarz war damals die Wupper. Dass etwas mit der Wasserqualität der Wupper nicht stimmte, war den Menschen vor 100 Jahren schon bewusst.

„Wuppertal war eine der ältesten Industriestädte Europas“, sagt Reinhard Gierse, Diplom-Ökologe bei der Stadt Wuppertal. Bleicher und die garnverarbeitende Industrie nutzen seit dem 16. Jahrhundert das Gewässer. Maschinenbaubetriebe und metallverarbeitende Betriebe kamen hinzu, genauso wie Färbereien, die ihre Abfallstoffe in die Wupper leiteten.

„Die Wupper konnte damals alle Farben annehmen“, sagt Reinhard Gierse. Mit der Ansiedlung der Industrie wuchs auch die Bevölkerung. Durch die massive Verschmutzung der Wupper kam bereits Anfang des 19. Jahrhundert die Fischerei völlig zum Erliegen. Zwischen 1850 und 1900 gab es mehrere Typhus- und Cholera-Epidemien, weil alles – auch organische Schadstoffe – in die Wupper geleitet wurden. „Es gab damals keine Abflüsse für Abwasser und die Kinder haben in der Wupper gespielt“, sagt Reinhard Gierse. 

Das Image haftet der Wupper immer noch an

Das Image des dreckigen Flusses haftet nach Meinung von Dajana Meier vom Verein Neue Ufer der Wupper auch heute noch an. „Die Wupper war lange Zeit eine Kloake, da wollte keiner hinschauen“, sagt die streitbare Frau. Auch heute drehe die Stadt dem Fluss an vielen Stellen noch den Rücken zu. Beispiele seien Bänke, die mit Rücken zur Wupper aufgestellt werden. „Ein Fluss in der Stadt ist eine unglaubliche Bereicherung“, sagt Meier, die mit dem Verein Neue Ufer „die Stadt umdrehen will“. Sie glaubt, dass die Stadt ohne ein richtiges Zentrum in der Wupper eine Identität finden kann.

Der Verein Neue Ufer ist sehr aktiv und betreibt zahlreiche Projekte, um den Fluss in den Mittelpunkt zu rücken, unter anderem mit Tierfiguren aus Stein. Die Störsteine bremsen die Fließgeschwindigkeit der Wupper und sind zugleich ein Hingucker. Weitere Projekte von Neue Ufer sind Zugänge zur Wupper zu schaffen, wie an der Kletterhalle im Rauental. Dort stellte der Verein auch Wupperliegen zum Verweilen auf.

Mittlerweile wird die Wupper wiederentdeckt. In Rutenbeck ist ein FFK-Badeplatz entstanden. „Wir sehen das mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, sagt Reinhard Gierse von der Stadt Wuppertal. Denn die Renaturierung solle vor allem dem Fluss zugutekommen, nicht nur den Menschen.

Die erste entscheidende Wende erlebte die Wupper bereits durch die Gründung des Wupperverbandes im Jahr 1930. Der Verband hat die Aufgaben Hochwasserschutz, Abwasserreinigung und Unterhaltung von Wasserläufen und ihrer Ufer. Aber erst durch den Bau einer Vielzahl von Klärwerken trat langsam ab den 80er Jahren eine Verbesserung der Wasserqualität der Wupper und ihrer Nebengewässer ein.

In den vergangenen Jahren haben die Stadt Wuppertal und der Wupperverband gemeinsam bereits mehr als neun Kilometer Stadtfluss naturnah gestaltet, bis 2025 sollen es 15 Kilometer sein. „Jahrzehntelang war die Wupper ein toter Fluss, deshalb ist es schön zu sehen, wie sich das Stadtbild durch die naturnahe Gestaltung verändert“, sagt Susanne Fischer, Sprecherin des Wupperverbandes.

Mit der Schaffung des Wuppersammlers 2001 wurde die Qualität des Wassers weiter verbessert. „Behandlungspflichtiges Regenwasser von großen Parkplätzen wird direkt in die Kläranlagen geleitet und gelangt nicht mehr in die Wupper“, so Gierse, der gleichzeitig betont, dass Umweltschutz seinen Preis hat und sich in den Abwassergebühren niederschlage. Für die Natur ist das Engagement ein Gewinn: unter anderem laichen Lachse und Meerforellen im Fluss. Gierse spricht von mehr als 20 Fischarten in der Wupper. 

Mauern am Ufer als Schutz vor Hochwasser

Hochwasser war ein Thema, dass lange Zeit die Häuser am Ufer der Stadt bedrohte – und teilweise heute noch bedroht. Zu ihrem Schutz wurden am Ufer Mauern gebaut. „Das Hochwasser bekam man aber erst mit dem Bau der Talsperren in den Griff“, so Gierse über den Bau der Wupper-Talsperre Mitte der 80er Jahre. Zuletzt stieg das Wasser beim Starkregen im Mai 2018 um mehr als zwei Meter an. „Die Wupper hat 30 bis 40 Mal so viel Wasser transportiert wie sonst. Hätte es eine halbe Stunde länger geregnet, wäre das Hochwasser über die Ufer getreten“, sagt Reinhard Gierse von der Stadt Wuppertal.

Abhilfe schaffen in solchen Situationen nur sogenannte Retentionsräume, also Rückzugsräume für das Wasser. „Man hätte gar nicht so nah am Wasser bauen dürfen“, sagt Gierse. Die Rückzugsräume könne man nur vor oder hinter der Stadt schaffen und diese seien auch bedroht, weil immer mehr Flächen versiegelt werden, zum Beispiel um Wohnraum zu schaffen.

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