Bergische Universität

Wüst weiht Johannes-Rau-Zentrum ein

Zur Einweihung des Johannes Rau-Zentrums war Ministerpräsident Hendrik Wüst (3.v.r.) gekommen, neben ihm Rau-Witwe Christina Rau und Oberbürgermeister Uwe Schneidewind. Uni-Rektor Lambert T. Koch (3.v.l.) und Bibliotheksdirektor Uwe Stadler (l.) begrüßten die Gäste, zu denen auch gehörten: Elke Kolfen (BLB, 2.v.l.), Künstlerin Leunora Salihu (4.v.l.), Kunstmäzen Eberhard Robke (Mitte) und Jochen König (hks-Architekten, r.).
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Zur Einweihung des Johannes Rau-Zentrums war Ministerpräsident Hendrik Wüst (3.v.r.) gekommen, neben ihm Rau-Witwe Christina Rau und Oberbürgermeister Uwe Schneidewind. Uni-Rektor Lambert T. Koch (3.v.l.) und Bibliotheksdirektor Uwe Stadler (l.) begrüßten die Gäste, zu denen auch gehörten: Elke Kolfen (BLB, 2.v.l.), Künstlerin Leunora Salihu (4.v.l.), Kunstmäzen Eberhard Robke (Mitte) und Jochen König (hks-Architekten, r.). Foto: Stefan Fries

Ministerpräsident nimmt an Eröffnung der Bibliothek auf dem Uni-Campus teil.

Von Andreas Boller

Wuppertal. Ein überlebensgroßes Denkmal, wie es für Friedrich Engels im Engelsgarten errichtet wurde, hat Wuppertal seinem früheren Oberbürgermeister Johannes Rau nicht gewidmet. Es hätte nicht zu Rau gepasst. Mit der Johannes-Rau-Bibliothek auf dem Campus der Bergischen Universität Wuppertal (BUW) wurde nun ein Ort geschaffen, der mehr als jede Statue die Erinnerung an Johannes Rau lebendig halten wird, da er viel darüber verrät, was ihn als Wuppertaler Bürger und als Politiker interessiert, unterhalten, bewegt und beschäftigt hat.

In Anwesenheit von NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst, dessen Vorgängerin Hannelore Kraft, der Familie Rau, die mit Christina Rau, Tochter Anna und Enkel Rio Hartmut mit drei Generationen vertreten war, sowie Gästen aus der Politik, Universität und Stadtgesellschaft wurde das „Johannes-Rau-Zentrum mit Johannes-Rau-Bibliothek“ am Freitag eingeweiht. Auf die ersten Lesungen, Konferenzen und Diskussionen in dem Lesesaal und Tagungsraum müssen die Wuppertaler allerdings noch warten, denn die Arbeiten im Umfeld des Gebäude-Komplexes, der die Rau-Bibliothek, das Gästehaus und eine Fachbibliothek beinhaltet, sind noch nicht abgeschlossen.

Praktisch auf den letzten Drücker hatte das Team um Uwe Stadler, Direktor der Universitätsbibliothek, in den vergangenen drei Tagen im Lesesaal 2600 literarische Raritäten in zehn Themen-Nischen eingeordnet. Und dies ist nur eine Auswahl der rund 16000 von Johannes Rau gesammelten Bücher, die nun von Christina Rau in die Obhut der Universität übergeben wurden.

Die geladenen Gäste, darunter Unterstützer und Förderer des Projektes, nutzten die Gelegenheit, um sich einen ersten Überblick über die Sammlung zu verschaffen, die vor allem in ihrer Vielfalt überrascht. Sie enthält nicht allein politische Literatur. Neben Klassikern wie den Romanen von Dostojewski, Heine oder Kierkegaard und Predigten von Karl Barth sind dort auch Wilhelm Busch oder Simmel zu finden. Für die Besucher der Bibliothek wird sich eine Schatzkammer öffnen, zumal viele der Bücher mit persönlichen Widmungen versehen sind. Auch hier überrascht die Vielfalt. Die Liste reicht von Jitzchak Rabin, Henry Kissinger, Helmut Schmidt über Günter Grass und Rolf Hochhuth („ich bedauere jede Woche, dass nicht Sie in Bonn die Rolle spielen, die Ihnen seit Brandt zukäme“) bis hin zu Udo Lindenberg, der sich mit einer Zeichnung in einem Buch verewigt hat. „Hi Johannes! Bis bald – Dein Udo Lindenberg“.

Christina Rau beschrieb gegenüber den Gästen der Einweihungsfeier anschaulich, welche Bedeutung Bücher im Leben ihres Mannes gespielt haben, der vor seiner politischen Laufbahn als Verlagsbuchhändler und Geschäftsführer des Jugenddienst-Verlags tätig war. „Er hat sich die Welt aus den Büchern erschlossen. Obwohl er nie Abitur machen durfte und nicht studiert hat, ist er Ministerpräsident und Bundespräsident geworden“. Lambert T. Koch, Rektor der Bergischen Universität, der nach der symbolischen Grundsteinlegung im Jahr 2016 hinter den Kulissen immer wieder das Projekt angeschoben hatte, erinnerte an die Bedeutung Raus für den Universitätsstandort Wuppertal. „Was keinesfalls entstehen sollte: ein Mausoleum für totes Papier. Wissenschaft und Zivilgesellschaft sollen sich vielmehr in diesem Zentrum begegnen.“

Ministerpräsident Hendrik Wüst lobte Wuppertal als „gutes Beispiel für das Zusammenwirken von Wissenschaft und Gesellschaft“. Im Namen der Landesregierung dankte er der Familie Rau für die Überlassung der Privatsammlung. „Die Bibliothek wird eine Bereicherung für alle sein, die hier arbeiten und studieren sowie für alle, die Bücher lieben“.

Oberbürgermeister Uwe Schneidewind gab den Dank zurück an das Land NRW, das mit 3,5 Millionen Euro den größten Anteil der Kosten von rund fünf Millionen Euro übernommen hat. Die Universität beteiligt sich mit 500 000 Euro, weitere 100 000 Euro steuert die Stadt Wuppertal bei. Außerdem beteiligten sich die Knipex-Werk C. Gustav Putsch KG, die Stadtsparkasse Wuppertal und die Vorwerk & Co. KG an der Finanzierung des Begegnungszentrums.

Eberhard Robke und Johannes Rau waren Freunde und politische Weggefährten. Einer Spende des Ehepaars Eberhard und Waltraud Robke van Gerfsheim ist es zu verdanken, dass die Skulptur Horizons von Leunora Salihu den Weg zum Johannes-Rau-Zentrum weist.

Hintergrund

Im Auftrag des Bau- und Liegenschaftsbetriebs NRW wurde das Projekt vom Architekturbüro HKS-Architekten geplant. 256 Quadratmeter verteilen sich auf ein Foyer mit Empfangsbereich und die Bibliothek mit zehn Themen-Nischen. Zwei Glasgänge stellen die Verbindung zum Gästehaus der Universität auf dem Campus Freudenberg und zur Fachbibliothek her.

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